SNB senkt Untergrenze für Sondersatz von „mind. 0,5%“ auf „mind. 0%“

Thomas Jordan
SNB-Direktionspräsident Thomas Jordan. (Foto: SNB)

Zürich – Die Schweizerische Nationalbank (SNB) passt die Berechnung des Sondersatzes für die Engpassfinanzierungsfazilität (EFF) per Mitte Jahr an. Der Satz berechnet sich zwar weiterhin aus dem SNB-Leitzins zuzüglich eines Zinsaufschlages von 50 Basispunkten. Die Untergrenze wird per 1. Juli 2020 aber von gegenwärtig „mindestens 0,5 Prozent“ auf neu „mindestens 0 Prozent“ gesenkt, wie es in einer Mitteilung vom Montag heisst.

Die Anpassung wurde im Zuge der Einführung der SNB-COVID-19-Refinanzierungfazilität (CRF) vorgenommen. Die EFF dient der kurzfristigen Überbrückung von unerwarteten Liquiditätsengpässen bei den Geschäftspartnern der SNB. Letztere haben das Recht, diese Fazilität in der Höhe der gewährten Limite bis zum nächsten Bankwerktag zu beanspruchen.

Punktuelle Liquiditätszuführung
Als Ergänzung zu den seit April 2020 eingesetzten Feinsteuerungsoperationen, mit welchen die Nationalbank auf bilateraler Basis Liquidität über den Repomarkt bereitstellt, werde die SNB im Rahmen des geldpolitischen Instrumentariums ab dem 1. Juli bei Bedarf zusätzliche Offenmarktoperationen vornehmen, heisst es weiter.

Im Fokus stünden dabei Repo-Auktionen, um dem Geldmarkt punktuell Liquidität zuzuführen. Die SNB wird die entsprechenden Bedingungen auf den elektronischen Marktinformationsdiensten bekanntgeben.

Sichtguthaben steigen im Vergleich zur Vorwoche um 2,9 Mrd Fr.
In der vergangenen Woche sind die Sichtguthaben von Bund und Banken bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) angestiegen. Nach zwei rückläufigen Wochen und einem leichten Anstieg, haben die auf den Girokonti hinterlegten Gelder zuletzt wieder etwas deutlicher zugelegt.

Am 26. Juni betrugen die Einlagen 683,0 Milliarden Franken nach 680,1 Milliarden in der Woche davor, wie die SNB am Montag mitteilte. Das ist ein Anstieg um rund 2,9 Milliarden Franken. Auf die Giroguthaben inländischer Banken entfielen Ende letzter Woche 602,5 Milliarden Franken.

Der Blick zurück zeigt: In der Woche zum 19. Juni wurde bei den Sichtguthaben ein Anstieg von 0,6 Milliarden Franken verbucht. In den beiden Wochen davor hatte es rückläufige Bewegungen im Umfang von 0,6 Milliarden beziehungsweise 1,7 Milliarden Franken gegeben.

Die Zunahme der letzten Woche legt den Schluss nahe, dass die SNB verstärkt am Devisenmarkt interveniert hat, um den Franken zu schwächen. Steigende Sichtguthaben gelten als Indiz dafür. Dabei kauft die SNB Fremdwährungen und schreibt den Banken den entsprechenden Franken-Betrag auf deren SNB-Konten gut.

Am Devisenmarkt hat der Franken zum Euro zuletzt an Stärke gewonnen. Nachdem der Euro-Kurs Anfang Juni noch über die Marke 1,0850 Franken geklettert war, rutschte er in der Folge mit der wachsenden Sorge vor einer zweiten Corona-Infektionswelle ab. Aktuell kostet die Gemeinschaftswährung 1,0655 Franken. (awp/mc/ps)

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