Softbank steigt nicht bei Swiss Re ein

Christian Mumenthaler
Christian Mumenthaler, CEO Swiss Re. (Foto: Swiss Re)

Zürich – Swiss Re und Softbank finden doch nicht zusammen: Der Rückversicherer und die japanischen Technologiegruppe haben die Gespräche über eine Partnerschaft und eine Minderheitsbeteiligung abgebrochen. Für viele Marktbeobachter kommt der Gesprächsabbruch allerdings nicht überraschend, da sie von Anfang an keine industrielle Logik hinter der Kooperation sahen. Der Markt reagiert mit Kursaufschlägen auf die Nachricht.

Zu den Gründen, die zum Abbruch der Gespräche geführt haben, wollte eine Sprecherin von Swiss Re auf Anfrage von AWP am Montag keine Auskunft geben. Swiss Re sei mit klaren Vorstellungen in diese Gespräche getreten. Offenbar hätten sich die beiden Parteien nicht gefunden, ergänzte sie lediglich. Man habe sich aber freundschaftlich getrennt.

Geprüft würden nun noch Kooperationsideen zwischen einzelnen Geschäftseinheiten des Rückversicherers mit Unternehmen in Softbanks Netzwerk, hiess es weiter. Konkretes zu möglichen Kooperationen könne sie nicht nennen, sagte die Sprecherin jedoch. Dazu sei es noch zu früh. Der Versicherer gehe die Gespräche aber offen an.

Swiss Re bleibe zudem offen für neue Partnerschaften, meinte die Sprecherin zur Frage, ob der Versicherer nun einen neuen Ankeraktionär suche. Die Gesellschaft prüfe generell in allen Gesprächen mit Interessierten, ob eine wie auch immer gestaltete Kooperation Sinn mache.

Gesprächsabbruch kommt nicht überraschend
Schon Anfang Mai hatten in verschiedenen Medien Gerüchte die Runde gemacht, wonach die Gespräche zu einer möglichen Minderheitsbeteiligung von Softbank an Swiss Re ins Stocken geraten seien. Die Unternehmen hatten sich dazu damals noch bedeckt gehalten.

Von einer möglichen Partnerschaft war zuvor seit Februar die Rede gewesen. Zunächst wurde über eine Beteiligung im Umfang von rund einem Drittel von Softbank an Swiss Re spekuliert, später war auch von einem Viertel die Rede. Anfang April hatte Swiss Re im Vorfeld des Investorentags dann mitgeteilt, dass man davon ausgehe, dass sich Softbank wohl mit höchstens 10 Prozent am Rückversicherer beteiligen werde und die entsprechenden Aktien am Markt zukaufe – wozu es nun jedoch auch nicht kommen wird.

Für eine Kooperation hatte sich Swiss Re vor allem aufgrund des grossen Kundenpotenzials der Firmen des japanischen Konglomerats interessiert, wie Finanzchef John Dacey früher hatte verlauten lassen. Auf der Gegenseite hatte Softbank Interesse an den grossen Datenmengen von Swiss Re bekundet.

Wie arbeiten Swiss Re und Softbank künftig zusammen?
Die Swiss-Re-Aktien reagieren mit Kursaufschlägen auf die Nachricht. Bis Börsenschluss gewinnen sie 0,4 Prozent auf 91,02 Franken, während der Gesamtmarkt (SMI) 0,19 Prozent höher steht. Da es bereits Gerüchte über einen Gesprächsabbruch gegeben hat, kommt das definitive Ende für Analysten nicht unerwartet. Etwas zu erzwingen, mache auch keinen Sinn, heisst es in einem Kommentar der Helvetischen Bank. Swiss Re sei grundsätzlich nicht auf einen Ankeraktionär angewiesen, denn Kapital sei so oder so im Überschuss vorhanden.

Uneins sind sich die Analysten indes darüber, wie die angekündigte künftige Kooperation der beiden Gesellschaften zu werten ist. Die Experten der Bank Vontobel gehen davon aus, dass nun wohl nicht mehr allzu viel von Softbank kommen wird. Hingegen scheinen die Analysten der ZKB darauf zu setzten, dass die Suche nach möglichen Kooperationen zwischen einzelnen Geschäftseinheit des Rückversicherers mit Softbank-Unternehmen positives bringen wird. Damit werde der Versicherer vom Know-how der Softbank-Gesellschaften voraussichtlich insbesondere im Bereich Telekom und Medien profitieren.

Mit dem Ende der Gespräche über eine Beteiligung der Softbank sei aber nicht ausgeschlossen, dass es doch noch zu strategischen Partnerschaften kommen werde, schreiben die Experten der Helvetischen Bank weiter. Das stete Ausloten von Weiterentwicklungsmöglichkeiten sei ganz im Sinne des Unternehmens und damit auch des Aktionärs. (awp/mc/ps)

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