Weniger Schäden aus Naturkatastrophen – Kein Grund für Entwarnung
Zürich – In der ersten Jahreshälfte 2026 haben Katastrophen weltweit deutlich weniger Schäden verursacht als in den vergangenen Jahren. Der Rückgang deute aber nicht auf eine Entspannung hin, betonen die Experten des Rückversicherers Swiss Re. Das zeigten etwa die zunehmenden Waldbrandrisiken in Europa.
Von Januar bis Juni haben Katastrophen wie Stürme, Gewitter und Waldbrände weltweit wirtschaftliche Schäden in Höhe von 107 Milliarden US-Dollar verursacht, wie das Swiss Re Institute schätzt. Gegenüber dem Vorjahr nahmen sie somit laut einer Mitteilung vom Dienstag um gut ein Drittel ab und im Langfristvergleich um rund 10 Prozent.
Noch einschneidender war der Rückgang bei den von Versicherungen gedeckten Naturkatastrophenkosten: Diese halbierten sich laut den Schätzungen zum Vorjahr auf 42 Milliarden und lagen um 16 Prozent unter dem Zehnjahresschnitt. Im ersten Halbjahr 2025 hatten schwere Waldbrände im Grossraum Los Angeles allein Schäden von rund 40 Milliarden verursacht.
Waldbrand-Risiko nimmt zu
Schwere Gewitter seien nun mit geschätzten 28 Milliarden Dollar an versicherten Schäden Haupttreiber in der Halbjahresbilanz 2026 gewesen, so die Studie. Doch auch sie lagen klar unter dem langfristigen Trend. Die von Gewitterfronten besonders exponierten Regionen der USA, darunter Texas, blieben in diesem Jahr weitgehend verschont.
Ein stetig grösser werdendes Problem stellen Waldbrände dar. Die Rekordhitze im Juni und die anhaltende Trockenheit hätten die Voraussetzungen für eine aktive Waldbrandsaison in Europa und in anderen Teilen der Welt geschaffen, hiess es. Im Juli waren insbesondere Frankreich und Spanien von schwerwiegenden Bränden betroffen.
Europa sei der weltweit sich am schnellsten erwärmende Kontinent und verzeichne heute 64 Prozent mehr Hitzetage mit Höchsttemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius als in den 1950er-Jahren. Auch weltweit zählen die Waldbrände zu den am schnellsten wachsenden Naturgefahren. Laut dem Institut nahmen die versicherten Waldbrandschäden seit 1970 inflationsbereinigt jährlich geschätzt um 8 bis 11 Prozent zu.
«El Niño» prägt die Wetterlagen
Eine ruhigere erste Jahreshälfte bedeute nicht automatisch ein ruhiges 2026, so das Swiss Re Institute weiter. Ein einziger grosser Hurrikan, ein starkes Erdbeben oder ein schwerer Waldbrand könne das Bild rasch verändern. Immerhin dürfte der «El-Niño»-Effekt die Hurrikanaktivität im Atlantik dämpfen.
Mit «El Niño» verschwindet das Hurrikanrisiko aber nicht ganz von der Bildfläche. Seit 1950 seien 22 Prozent der Hurrikane in den USA während «El Niño»-Phasen auf Land getroffen, so die Swiss Re.
Das Wetterphänomen erwärmt die Meeresoberfläche im tropischen Pazifik und beeinflusst das Wetter weltweit. Die Folgen: Tendenziell weniger Hurrikane in den USA, Dürren in Australien, Stürme im Pazifik oder vermehrt Überschwemmungen im Westen Südamerikas. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) erwartet, dass sich «El Niño» zu einem starken Ereignis entwickelt und zwischen November und Februar den Höhepunkt erreicht. (awp/mc/ps)