SZKB-Anlegerpodium 2018: «Chinas langer Marsch bis 2049»

SZKB-Anlegerpodium 2018: «Chinas langer Marsch bis 2049»
Prof. Dr.iur. Dr.phil. Harro von Senger, Moderatorin Karin Frei und Thomas Heller, Chief Investment Officer der SZKB. (Foto: SZKB)

Schwyz – Am Anlegerpodium 2018 der Schwyzer Kantonalbank (SZKB) referierte Prof. Dr.iur. Dr.phil. Harro von Senger. Er ist Professor em. für Sinologie und hat über ein Dutzend Bücher in 15 Sprachen veröffentlicht. Der Chinaspezialist beleuchtete unbekannte und ungewöhnliche Facetten dieses Landes. Thomas Heller, Chief Investment Officer der SZKB, warf danach einen Blick auf die Volksrepublik China aus ökonomischer Sicht und befasste sich unter anderem mit der Frage, welchen Einfluss ein starkes China auf die Weltwirtschaft haben kann.

Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) verfolgt auch unter Xi Jinping ein 1985 verkündetes 100-Jahresziel. Um es zu erreichen, hat die KPCh 2017 einen 30-Jahres-Plan erstellt. Dabei ist mehr Marktöffnung, zugleich aber ein weiterhin starker Staat ein wirtschaftspolitisches Motto der chinesischen Führung. Bis im Jahr 2049 soll China zu einem hochmodernen sozialistischen Staat mit führendem Einfluss auf der Weltbühne werden. Aber was bedeutet dies für die chinesische Bevölkerung, die internationale Politik und die Weltwirtschaft?

Einleitend zum diesjährigen Anlegerpodium referierte Prof. Dr.iur. Dr.phil. Harro von Senger. Er ist Professor em. für Sinologie an der Universität Freiburg im Breisgau (D) und kennt China sowie deren Kultur und die Mentalität bestens. Seit 1981 ist er ausserdem Experte für chinesisches Recht des Schweizerischen Instituts für Rechtsvergleichung in Lausanne. Mit seinem Buch «36 Strategeme» hat Harro von Senger ausserdem das erste westliche Buch über die chinesischen 36 Strategeme («Techniken der List») verfasst. Die Strategeme gelten in China als Allgemeingut und Schullesestoff.

Unbekannte und ungewöhnliche Facetten Chinas
Der Chinaspezialist beleuchtete unbekannte und ungewöhnliche Facetten dieses Landes, so z.B. über die Denkweisen der chinesischen Bevölkerung oder über das Konzept der Zukunftsgestaltung «Moulüe» (was übersetzt Zukunftsgestaltung heisst).

Im Anschluss stellte Thomas Heller, Leiter Research der SZKB, zunächst zwei Fragen: Wie lässt sich die von Prof. Dr.iur. Dr.phil. Harro von Senger skizzierte sehr langfristige Perspektive mit dem doch wesentlich kürzeren Zeithorizont von Anlegern vereinbaren? Und woher stammt überhaupt das Interesse der Anleger an China?

Für Heller spielt etwa die Jahreszahl 2049 bei Anlageentscheiden keine unmittelbare Rolle. Es sei aber wichtig und hilfreich dies im Hinterkopf zu haben. «Man kann davon ausgehen, dass China einen einmal eingeschlagenen Weg nicht so schnell wieder aufgibt und alles unternimmt, um die gesteckten Ziele zu erreichen», beantwortet Heller die erste Frage. Der Grund für das Anlegerinteresse erklärt er mit einer einfachen Formel: «China hat sich geöffnet, ist gross und wächst überdurchschnittlich. Das bietet fast schon offensichtlich Anlagechancen.»

Chancen und Risiken
Den Chancen stehen gemäss Heller auch Risiken gegenüber. Dazu gehört beispielsweise die hohe Verschuldung, insbesondere der Unternehmen. Das Kreditvolumen hat in den letzten Jahren stets deutlich stärker zugenommen als das nominale Bruttoinlandprodukt. Dabei sind von 2010 bis 2017 die notleidenden Kredite (+350%) wesentlich stärker gestiegen als das gesamte Kreditvolumen (+170%). Das kann auf Dauer nicht aufgehen. Der staatlich verordnete Auf- und Umbruch erzeugt somit nicht nur Opportunitäten, sondern auch Ungleichgewichte und Risiken. Anleger brauchen entsprechend manchmal Nerven und auf jeden Fall einen langen Atem. «Vielleicht nicht gerade bis 2049, aber Investoren sollten nicht in Monaten denken, sondern in Jahren», so Heller abschliessend. (SZKB/mc/ps)

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