Preiskampf hält Munich Re in Atem – Steuerbescheid hilft

Nikolaus von Bomhard

Nikolaus von Bomhard, Vorstandschef Munich Re. (Foto: Munich Re)

München – Der Preiskampf im Rückversicherungsgeschäft hält den weltweiten Marktführer Munich Re in Atem. Trotz äusserst geringer Katastrophenschäden sank der Überschuss im ersten Quartal um knapp fünf Prozent auf 919 Millionen Euro, wie der Dax-Konzern am Donnerstag in München mitteilte. Ohne die deutlich gesunkene Steuerlast wäre der Rückgang heftiger ausgefallen. An dem geplanten Jahresgewinn von drei Milliarden Euro hält der Vorstand um Konzernchef Nikolaus von Bomhard dennoch fest.

Die Aktie des Rückversicherers reagierte mit Kursverlusten auf die Nachrichten. Um die Mittagszeit lag das Papier mit knapp zwei Prozent im Minus bei 156,15 Euro und war damit einer schwächsten Werte im Dax. Analyst William Hardcastle von Merrill Lynch wertete die Ergebnisse als kleine Enttäuschung.

Angekündigter Gewinnrückgang
Konzernchef von Bomhard hatte die Aktionäre bereits Ende April auf einen leichten Gewinnrückgang vorbereitet. Während von den Prämien in der Rückversicherungssparte weniger übrig blieb als ein Jahr zuvor, lief es bei der Erstversicherungstochter Ergo besser. Allerdings kamen dem Unternehmen auch aussergewöhnliche Effekte zugute: Die im Vergleich zu Anfang 2013 verringerte Steuerlast und die höheren Einnahmen aus dem Verkauf von Wertpapieren halfen Munich Re jeweils in der Grössenordnung von 200 Millionen Euro.

Im Gesamtjahr soll der Steuerbescheid allerdings wieder höher ausfallen, wie Finanzchef Jörg Schneider schon früher klargestellt hatte. Im Gesamtjahr 2013 hatte die Munich Re dank einer äusserst geringen Steuerlast 3,3 Milliarden Euro verdient. Im laufenden Jahr soll der Gewinn mit 3 Milliarden um zehn Prozent geringer ausfallen. Unterdessen rechnet die Munich-Re-Spitze nur noch mit Beitragseinnahmen von 48 Milliarden statt 50 Milliarden Euro, wie zuvor gedacht. Grund seien Währungseffekte.

Preiskampf
Wie andere Rückversicherer muss sich die Munich Re in ihrem Kerngeschäft einem teils heftigen Preiskampf stellen. Vor allem Pensions- und Hedgefonds haben Gefallen am Geschäft mit Naturkatastrophen gefunden. Sie wetten etwa durch Anlagen in Katastrophenanleihen auf Wirbelstürme und andere Katastrophenrisiken, vor allem in den USA. Wenn hohe Schäden ausbleiben, streichen sie kräftige Gewinne ein. Im anderen Fall kann das Geld weg sein. Das durch neue Anleger entstandene Überangebot an Versicherungsschutz setzt auch klassische Rückversicherer unter Druck. «Das Preisniveau im nichtproportionalen Naturkatastrophengeschäft in den USA ist an der Grenze, dass wir es gerade noch halten können», sagte Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek.

Bei der Erneuerung der Verträge in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung zum 1. April musste die Munich Re im Schnitt rund acht Prozent niedrigere Preise hinnehmen. Bei der Absicherung gegen Naturkatastrophen ging es noch weiter nach unten. Ein Teil des Rückgangs kam allerdings aus Japan, wo Rückversicherer ihre Preise nach der Tsunami-Katastrophe von 2011 laut Jeworrek um bis zu 100 Prozent erhöht hatten. Die Konditionen kämen dort nun auf ein normales Niveau zurück.

Praktisch keine Grossschäden im Q1
Im ersten Quartal musste die Munich Re nach eigenen Angaben so gut wie keine Grossschäden verkraften. Naturkatastrophen und von Menschen verursachte Grossschäden summierten sich auf weniger als 40 Millionen Euro nach gut 100 Millionen ein Jahr zuvor. Von den Beitragseinnahmen blieb dennoch weniger übrig als ein Jahr zuvor. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote verschlechterte sich von 85,7 auf 86,9 Prozent. Ohne die Auflösung von Schadenreserven hätte sie bei über 90 Prozent gelegen.

Besser lief es bei der Erstversicherungstochter Ergo. Sie steigerte ihren Quartalsgewinn um 15 Prozent auf 138 Millionen Euro. Allerdings zogen Rückgänge im deutschen Industriegeschäft und der Rechtsschutzversicherung im Ausland die gesamten Beiträge nach unten. Ergo-Chef Torsten Oletzky hofft, die Beitragseinnahmen im Gesamtjahr zumindest leicht zu steigern. In der Lebensversicherung setzt Ergo seit Mitte 2013 wegen der anhaltenden Niedrigzinsen auf neuartige Verträge ohne klassischen Garantiezins, die den Kunden die Chance auf eine höhere Rendite bieten sollen. Von Januar bis März hätten Ergo-Kunden 4500 bis 5000 solcher Verträge unterschrieben, sagte Oletzky. (awp/mc/upd/ps)

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