UBS-Chef gerät im ING-Fall ins Visier der niederländischen Justiz

Ralph Hamers
UBS-CEO Ralph Hamers. (Foto: UBS)

Zürich – Der neue UBS-Chef, Ralph Hamers, wird von seiner Vergangenheit bei ING eingeholt. Die niederländische Justiz rollt einen 2018 mit einem Vergleich beigelegten Geldwäsche-Fall während seiner Zeit als ING-Chef neu auf, wie die Grossbank am Mittwoch mitteilte.

Ein niederländisches Gericht habe angeordnet, dass die Staatsanwaltschaft Hamers Rolle in der Sache untersuche. „UBS hat volles Vertrauen in die Fähigkeit von Ralph Hamers, UBS zu führen“, erklärte das Institut weiter.

UBS-Präsident Axel Weber unterstrich das Bekenntnis zu Hamers, der im November den langjährigen UBS-Chef Sergio Ermotti abgelöst hat, in einer Mitteilung an die Mitarbeiter. Die UBS habe im Rahmen ihrer Beurteilung von CEO-Kandidaten Hamers‘ Hintergrund umfassend überprüft.

Dazu habe auch eine Bewertung des Geldwäsche-Falls bei seinem früheren Arbeitgeber ING durch unabhängige Dritte gehört. „Wir waren mit den Ergebnissen dieser unabhängigen Beurteilungen und der damaligen Einschätzung des niederländischen Staatsanwalts vollauf zufrieden“, so der UBS-Präsident.

Auch der Finanzmarktaufsicht Finma war der Fall bekannt, wie sie auf Anfrage von AWP mitteilte. Entsprechend habe sie diesen selbstverständlich im Zuge des Nominationsverfahrens untersucht und thematisiert. Aufgrund der zur Verfügung stehenden Informationen sowie der Beurteilung anderer Aufsichtsbehörden habe sie Hamers die sogenannte „Gewähr“ bestätigt.

Geldwäsche-Fall wird neu aufgerollt
ING musste 2018 wegen mangelnder Kontrolle von Kundenkonten 775 Millionen Euro zahlen. Es war die grösste Geldwäschestrafe in der niederländischen Geschichte. Die Staatsanwälte hatten dem Institut vorgeworfen, Geldwäsche und andere über ihre Konten laufenden strafbare Aktivitäten über Jahre nicht entdeckt zu haben. Dies könne aber nicht einer bestimmten Person angelastet werden.

Das Verfahren endete zwar mit einem Vergleich, doch ein niederländisches Gericht setzte die Untersuchung fort, weil Investoren mit dem Entscheid nicht zufrieden waren.

Das Berufungsgericht erklärte nun, dass der Vergleich mit ING immer noch Bestand habe. Gleichzeitig ordnete es an, dass die Staatsanwaltschaft eine neue Untersuchung zur Rolle Hamers` einleite.

„Das Gericht hält es für wichtig, dass in öffentlichen Strafverfahren der Standard bestätigt wird, dass Manager einer Bank nicht ungestraft davonkommen, wenn sie tatsächlich für verbotenes Verhalten verantwortlich sind“, erklärte das Berufungsgericht in Den Haag.

Keine Anklage erhoben
Dass das Gericht die Verantwortlichkeit von Hamers prüfen lassen will, kam für Experten überraschend. Anklage wurde bisher nicht erhoben. Einem Experten zufolge kann die Staatsanwaltschaft im Zuge ihrer Untersuchung auch feststellen, dass die Voraussetzungen für eine Anklage nicht gegeben sind.

Einen Zeitplan für den weiteren Verlauf des Verfahrens konnte eine Sprecherin der niederländischen Staatsanwaltschaft für Finanzdelikte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters nicht nennen.

Der Experte geht davon aus, dass sich das Verfahren über Monaten hinziehen und im kommenden Jahr noch kein Urteil vorliegen dürfte. Die strafrechtliche Verfolgung eines Vorstandschefs eines grossen niederländischen Unternehmens ist sehr selten.

Sieben Jahre an der Spitze
Hamers leitete die grösste niederländische Bank von 2013 bis Juni 2020. Als ING-Chef erwarb er sich den Ruf eines radikalen Erneuerers, der das vor allem auf den Massenmarkt ausgerichtete Institut auf digital trimmte. Bei der UBS, wo er das Steuer Anfang November übernahm, soll er das Geschäft mit reichen Privatkunden und Profi-Anlegern sowie das Investmentbanking vorantreiben.

Hamers sei wohl dabei, sich bei der UBS voll einzuarbeiten, um seine eigene Strategie zu entwickeln, erklärte Fondsmanager David Moss von BMO Global Asset Management. (awp/mc/pg)

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