UBS-Desaster noch grösser: 2,3 Mrd USD verloren

Oswald Grübel

UBS-CEO Oswald Grübel.

Zürich – Das Milliardendesaster bei der UBS ist noch grösser, als bislang bekannt war. Durch die verbotenen Geschäfte eines Händlers in London seien 2,3 Mrd USD Verlust entstanden, gab die UBS am Sonntag bekannt. Bisher hatte die Bank von rund 2 Mrd USD gesprochen. Der Verlust sei durch unerlaubte Spekulationen mit verschiedenen Futures auf die Aktienindices S&P 500, den deutschen DAX und EuroStoxx im Verlauf der letzten drei Monate entstanden. Dabei habe der Händler die Risikolimiten überschritten.

Dies habe er aber dadurch verdeckt, dass er Schein-Absicherungsgeschäfte getätigt habe. Dies habe die tatsächliche Dimension des Risikos verfälscht, das die UBS eingegangen sei. Und so schien es, als ob die durch die Spekulationen eingegangenen Positionen sich in einem üblichen Rahmen bewegt hätten. Dafür hätten sie allerdings korrekt abgesichert sein müssen, was sie aber nicht waren. Hier muss der Händler das Computersystem überlistet haben. Wie genau, ist offenbar noch nicht klar. Kundengeld sei bei der Fehlspekulation nicht verloren gegangen, bekräftigte die UBS in ihrer Mitteilung am Sonntag.

Händler angeklagt
Es liefen weitere Untersuchungen, um zu klären, wie die Sicherheitsvorkehrungen umgangen worden seien, sagte UBS-Sprecher Serge Steiner auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. «Nachdem die UBS-Kontrollstellen die Positionen des Händlers geprüft und Rückfragen an ihn gerichtet hatten, gab dieser am vergangenen Mittwoch seine unerlaubten Aktivitäten zu», hiess es weiter. In der Nacht auf Donnerstag wurde der Händler in London verhaftet. Gegen ihn wurde Anklage wegen Betrugs und Missbrauches seiner Stellung erhoben.

Finma und FSA prüfen Fall
Auch die Finanzmarktaufsichten der Schweiz (Finma) und Grossbritanniens (FSA) untersuchen den Fall. Der UBS-Verwaltungsrat habe einen speziellen Ausschuss eingesetzt, um eine unabhängige Untersuchung zu den unerlaubten Handelsaktivitäten und deren Bezug zu den UBS-Kontrollen durchzuführen, hiess es weiter. Der Ausschuss stehe unter dem Vorsitz von David Sidwell, Senior Independent Director, und werde an den Verwaltungsrat rapportieren. Die weiteren Mitglieder des Ausschusses sind Ann Godbehere und Joseph Yam, so die Mitteilung.

Grübel: Kein Rücktritt
Trotz der milliardenschweren Fehlspekulation des Händlers will UBS-Chef Oswald Grübel nicht zurücktreten: «Ich denke nicht über einen Rücktritt nach», sagte Grübel der Zeitung «Der Sonntag». Diese Frage sei Sache des Verwaltungsrates. Er halte nichts von den Rücktrittsforderungen, wie sie vor allem von linken Schweizer Politikern kommen: «Das ist rein politisch», sagte Grübel. Er habe zwar die Verantwortung für alles, was in der Bank passiere. «Aber wenn Sie mich fragen, ob ich mich schuldig fühle, dann sage ich nein», sagte Grübel. Wenn jemand mit krimineller Energie vorgehe, könne man nichts machen. «Das wird es in unserem Job immer geben.» Keine näheren Angabe wollte Oswald Grübel in Gespräch mit dem Sonntag dazu machen, wann er selber von dem Milliarden-Verlust erfahren hat: «In dem Zeitpunkt, wo wir es entdeckt haben», sagte er auf die entsprechende Frage.

Bundesrat Maurer: System versagt
Bundesrat Ueli Maurer sagte in einem Interview mit der Zeitung «Zentralschweiz am Sonntag», der Fall werfe ein denkbar schlechtes Licht auf die Schweizer Banken. Er habe den Eindruck, dass das System versagt habe. «Man darf doch nicht einem 31-Jährigen, der erst seit fünf Jahren in der Bank tätig ist, eine solche Machtfülle in die Hände geben», sagte Maurer. Entweder habe er tatsächlich eine grosse kriminelle Energie entwickelt, oder dann habe schlicht die Kontrolle versagt. Die Politik müsse sich künftig noch intensiver überlegen, ob man einer Bank wirklich unter die Arme greifen wolle, wenn es ihr schlecht gehe. «Es darf ja nicht sein, dass der Steuerzahler eine Bank rettet, die dann einen 31-Jährigen mit 2 Mrd «hopps» gehen lässt. So etwas geht nicht», sagte Maurer. (awp/mc/ps)

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