UBS: Ex-Chefs gestehen Fehler und Versagen im Libor-Skandal ein

Marcel Rohner

Ex-UBS-Chef Marcel Rohner beim Eintreffen vor dem britischen Parlamentsausschuss in London.

London – Ehemalige Chefs der Grossbank UBS haben vor einem britischen Parlamentsausschuss Fehler und Versagen im Libor-Skandal eingestanden. «Ich war geschockt, geniert und beschämt, als ich davon erfuhr», sagte Ex-UBS-Chef Marcel Rohner am Donnerstag in London. «Die Manipulationen passierten in einer Reihe von Skandalen unter meiner Aufsicht und das macht es noch schlimmer», sagte Rohner vor dem Ausschuss mit brüchiger Stimme. Rohner war zwischen 2007 und 2009 knapp 20 Monate UBS-Chef.

Er habe von den Verfehlungen im Jahre 2010 oder 2011 aus der Presse erfahren. Ins selbe Horn stiessen die ehemaligen Chefs der UBS-Investmentbank Huw Jenkins, Jerker Johansson und Alex Wilmot-Sitwell. Während ihrer Amtszeit hätten sie von den Manipulationen nichts gewusst, betonten sie mehrfach auf auf Nachfragen von Ausschussmitgliedern, die das kaum glauben wollten. Der Ausschuss aus Mitgliedern des britischen Ober- und Unterhauses, dem auch der künftige Erzbischof von Canterbury Justin Welby angehört, untersucht die Libor-Affäre, nachdem im vergangenen Sommer die Machenschaften der Banken ans Licht gekommen waren. Die UBS musste deshalb im Dezember umgerechnet 1,4 Mrd CHF zahlen, was eine der höchsten Bussen ist, die je gegen eine Bank verhängt wurde.

Der Libor ist der wichtigste Referenzzinssatz der Welt, an ihn sind unzählige Finanztransaktionen auf der ganze Welt geknüpft. Den Zinssatz, der auf Basis von Eingaben grosser Banken täglich in London errechnet wird, haben zwischen 2005 und 2010 Mitarbeiter einiger dieser Institute manipuliert, um höhere Boni zu bekommen und die Kreditwürdigkeit der UBS in der Krise aufzupolieren. «Ich bin zutiefst betrübt, dass wir das nicht entdeckt haben. Wir haben klar versagt», sagte Jenkins. Die Kontrollmechanismen hätten in einigen Bereichen funktioniert, in anderen nicht, sagte Rohner: «Ich hatte damals nicht den Eindruck, dass unsere Risikokontrolle unzureichend war.»

Mit Überleben beschäftigt
Aber man müsse das vor dem Hintergund der Zeiten sehen, in denen sich die UBS damals befunden habe, sagte Johansson. Auf die Frage, ob die Chefs nicht die hohen Gewinne aus dem strukturierten Libor-Geschäft hätten hinterfragen müssen, sagte Rohner, dass dies in normalen Zeiten der Fall gewesen wäre: «Aber wir kämpften damals ums Überleben.» Die UBS musste damals mehrere Kapitalerhöhungen und Gewinnwarnungen in wenigen Monaten vornehmen.

Er sei damals voll mit der Bewältigung der Krise beschäftigt gewesen, die multimilliardenschwere Verluste beschert habe. Er habe aus Zeitmangel nicht alle warnenden Zeitungsartikel gelesen. «Ich war nicht alarmiert», sagte Rohner.

Rohner: Keine Sorgfaltspflichtverletzung
«Ich übernehme die Verantwortung für all das», sagte Rohner. Diese Vorkommnisse seien zum Teil auch Gründe für seinen Rücktritt von der UBS-Spitze gewesen. Den Vorwurf der Sorgfaltspflichtverletzung wies Rohner aber zurück. «Wir haben so gut gehandelt, wie wir konnten.» Dagegen räumte Johansson auf hartnäckige Nachfragen hin ein, dass das Management die Sorgfaltspflicht verletzt habe, indem es das Fehlverhalten nicht entdeckte. Er bedauerte, dass er keine Kenntnisse über eine während seiner Amtszeit laufende UBS-interne Untersuchung zu den Praktiken der Libor-Abteilung hatte.

Ausschussmitglieder zeigten sich bestürzt über das Ausmass der Unwissenheit der ehemaligen UBS-Verantwortlichen über die Vorgänge in ihrer Bank, nachdem alle vier mehrmals gesagt hatten, von verschiedenen Vorgängen nichts gewusst zu haben. Das Ausmass an Ignoranz scheine an Unglaubwürdigkeit zu grenzen, sagte der Ausschussvorsitzende Andrew Tyrie.

Heute würde Rohner Bonuskultur ändern
Rohner begründete einen Teil der Taten auch mit dem damaligen Gebräuchen bei grossen Banken. Diese hätten alle mit zu viel Fremdkapital geschäftet, weil das Geld zu billig gewesen sei. Da habe die UBS mitmachen müssen, um gegenüber der Konkurrenz nicht in Rückstand zu geraten. Rohner würde heute auch die damalige Bonuskultur ändern: Ein Geschäft sollte nicht wegen der Boni der Mitarbeiter, sondern wegen der Gewinne für die Bank gemacht werden. Heute würde er Boni nur noch an ganze Teams verteilen, nicht mehr Individuen, sagte der Aargauer.

Am Vortag hatte sich die Untersuchungskommission den jetzigen UBS-Investmentbankchef Andrea Orcel zur Brust genommen. Dieser gelobte, dass er in der Bank aufräumen wolle. (awp/mc/ps)

Bernhard Bauhofer zum Reputations-Schaden der UBS:

(Direktlink, falls das Video nicht gestartet werden…)

 

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