UBS/PwC: Milliardärinnen auf der Überholspur

Champagner

(Foto: Pixabay)

Zürich – Der Bericht «The changing faces of billionaires» von UBS und PwC zeigt auf, dass immer mehr Frauen dauerhafte Vermögen aufbauen und beschreibt, wie Reichtum am erfolgreichsten über mehrere Generationen hinweg weitergegeben wird. Als Grundlage der Analyse diente der Billionaires Report von UBS und PwC, der im Mai dieses Jahres unter dem Titel «Master architects of great wealth and lasting legacies» herausgegeben wurde.

Gemäss dem neuen Bericht wächst die Anzahl der Milliardärinnen derzeit schneller als die Anzahl ihrer männlichen Pendants. Frauen verfügen über höhere durchschnittliche Vermögen als Männer und gewinnen an Einfluss auf Ebene der Familienunternehmen sowie in den Bereichen Philanthropie und Governance. Der Bericht hebt zudem hervor, wie flüchtig Reichtum sein kann, denn nur 126 Milliardäre bzw. 44% jener, die 1995 in diese Kategorie gehörten, besitzen auch heute noch ein mindestens zehnstelliges Vermögen. Im Bericht werden auch die Strategien beschrieben, mit denen es den erfolgreichen Milliardären gelungen ist, ein dauerhaftes Erbe aufzubauen und zu erhalten.

Josef Stadler, Head Global Ultra High Net Worth bei UBS: «Seit zwei Jahrzehnten steigen immer mehr Frauen und vor allem Frauen aus Asien in die neue Schicht der Milliardäre auf. Dieser Trend dürfte andauern. Obwohl es keinen typischen Milliardär gibt, haben praktisch alle das Ziel, ein dauerhaftes Erbe für die künftigen Generationen aufzubauen. Die Umsetzung dieses Ziel erfordert in zunehmendem Masse strategisches Denken und langfristige Planung.»

Michael Spellacy, Global Wealth Leader bei PwC US: «Dem Bericht nach gilt das alte Sprichwort ‹die erste Generation baut das Unternehmen auf, die zweite führt es zum Erfolg und die dritte ruiniert es› heute nicht mehr. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Wert eines Unternehmens, das die erste Generation geschaffen hat, allzu oft in der zweiten Generation ausgehöhlt wird. Dieser Entwicklung kann nur vorgebeugt werden, wenn die Entscheidungen nicht mehr am Küchentisch, sondern in der Vorstandsetage getroffen werden.»

Der Athena-Faktor
Immer mehr Frauen verfügen über Vermögen in Milliardenhöhe. Die Anzahl der Milliardärinnen stieg um den Faktor 6,6, verglichen mit 5,2 Mal bei den Männern. Verantwortlich für diesen rasanten Anstieg scheinen vor allem Milliardärinnen aus Asien zu sein. In Asien werden heute 8,3 Mal mehr sehr vermögende Frauen gezählt. Ihre Zahl ist in den letzten zehn Jahren von 3 auf 25 geschnellt. In Europa belief sich der Wachstumsfaktor lediglich auf 2,7 (von 21 auf 57) und in den USA auf 1,7 (von 37 auf 63). Knapp ein Fünftel der Milliardärinnen weltweit stammt aus Asien. Sie sind in der Regel jünger als ihre Pendants in anderen Erdteilen. In Europa und in den USA sind dagegen hauptsächlich Milliardärinnen anzutreffen, die ihr Vermögen geerbt haben (93% in Europa, 81% in den USA); sie haben jedoch ebenfalls mehr Einfluss innerhalb ihrer Familien als die vorhergehenden Generationen.

Die Volatilität der grossen Vermögen
Dem Bericht zufolge sind grosse Vermögen sehr volatil. Mehr als die Hälfte der Milliardäre aus dem Jahr 1995 gehören heute nicht mehr zu dieser Kategorie. Die verbleibenden Milliardäre konnten ihren Reichtum allerdings deutlich steigern. Zwei Drittel der Vermögen, die heute noch bestehen, wurden in der Konsumgüter-, Einzelhandels-, Technologie- und Finanzdienstleistungsbranche geschaffen. Im Technologiesektor sind die standhaftesten Milliardäre anzutreffen, während Vermögen in Sektoren wie Industrie, Immobilien und Gesundheit weniger dauerhaft sind.

Im Jahr 1995 erfasste der Bericht 289 Milliardäre. Aus dieser Gruppe bleiben heute nur noch 126. Die anderen sind infolge ihres Todes, der Auflösung ihrer Familie oder des Untergangs ihrer Unternehmen von der Liste gestrichen worden. Seitdem sind jedoch 1221 neue Vermögen im zehnstelligen Bereich entstanden, sodass die Welt im Jahr 2014 insgesamt 1347 Milliardäre zählte. Die 126 verbleibenden Milliardäre konnten USD 1 Billion an Vermögen schaffen, d. h. rund 21% des Reichtums, den alle Milliardäre in diesem Zeitraum produziert haben. Bis 2014 stieg das durchschnittliche Vermögen der Milliardäre, die sich seit 1995 behaupten, von USD 2,9 Milliarden auf USD 11 Milliarden, das heisst um den Faktor 3,8, während das globale BIP nur um den Faktor 2,5 wuchs.

Die Analysen ergeben konsequent drei Persönlichkeitsmerkmale, die für den Geschäftserfolg beider Geschlechter wesentlich sind. Erfolgreiche Milliardäre gehen wohl überlegte Risiken ein, fokussieren sich «obsessiv» auf das Geschäft und zeichnen sich durch sehr grosse Beharrlichkeit aus.

Vermögen erhalten
In der Untersuchung wurde festgestellt, dass die meisten Vermögen deshalb über mehrere Generationen übertragen werden konnten, weil die Erben die ursprünglichen Unternehmen ganz oder zumindest zum Teil fortführten. Oft hängt es von der Branche ab, in welchem Mass die Nachkommen das ursprüngliche Unternehmen behalten. Milliardäre, die im Konsumgüter- und Einzelhandelsbereich reich wurden, fahren am besten, wenn sie die Kontrolle über das ursprüngliche Unternehmen behalten und so dessen Wert steigern.

Milliardäre aus dem Finanzsektor erzielen den grössten Erfolg mit einer Kombination aus dem Verbleib im ursprünglichen Unternehmen und einer Hybridstrategie. Zwei Drittel der Milliardäre sind älter als 60 und stehen vor der wesentlichen Frage der Vermögensübertragung. Mehr als drei Viertel der aktuellen Milliardäre haben zwei oder mehr Kinder. Um das Vermögen in den kommenden Generationen nicht zu verwässern, brauchen sie eine klare Strategie, die den Fortbestand des Erbes gewährleistet.

Das Vermächtnis der Milliardäre muss auch vor externen Kräften geschützt werden. Die negative Haltung von Politikern gegenüber vermögenden Menschen, steigende Steuern und immer strengere globale Regulierungen sind nach Ansicht der Milliardäre eine grössere Gefahr für ihr Vermögen als eventuelle Wirtschaftskrisen. Dies unterstreicht die Bedeutung von kompetenter Steuer- und Rechtsberatung, um diese Herausforderungen zu meistern.

In diesem Rahmen unterstreichen die Verfasser des Berichts, wie wichtig klare Governance-Strukturen sind, um das Vermögen zu erhalten und in den künftigen Generationen zu mehren. Für den langfristigen Erfolg sind Managementkompetenzen wichtiger als Familienbande, obwohl auch Milliardärsdynastien eine starke Identität brauchen, um langfristig zu bestehen. Zusammen mit einer guten Governance und einem gut ausgestatteten Family Office ist dies ein zentraler Faktor für den Fortbestand des Familienerbes.

«The changing faces of billionaires»

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