Vaudoise steigert Gewinn im Halbjahr deutlich

Philippe Hebeisen
Vaudoise-CEO Philippe Hebeisen.

Vaudoise-CEO Philippe Hebeisen.

Lausanne – Der Westschweizer Versicherer Vaudoise hat – klammert man die im vergangenen Jahr verkaufte liechtensteinische Tochter Valorlife aus – das Geschäftsvolumen im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. In erster Linie hat sich die Vaudoise in der «lukrativen» Sachversicherung deutlich besser geschlagen als der Schweizer Markt. Zum Gewinnanstieg haben aber auch Verkäufe von Kapitalanlagen einen wichtigen Beitrag geleistet.

Die Vaudoise steigerte den Gruppengewinn in einem von rekordtiefen Zinsen und Währungsschwankungen geprägten Marktumfeld überraschend deutlich um 8,8% auf 89,8 Mio CHF, wie der Versicherer am Dienstag mitteilte. Das Volumen sank dagegen um 4,6% auf 713 Mio, allerdings hatte die per Ende November 2014 verkaufte Valorlife die Vergleichszahl aus dem Vorjahr noch mit rund 77 Mio begünstigt.

Wachstum im Motorgeschäft
Stark hat sich das Geschäft mit Sachversicherungen entwickelt. Im mit Abstand grössten Teil der Gruppe nahmen die gebuchten Prämien um 6,8% auf 632 Mio CHF zu, womit das vergleichbare Marktwachstum (+1,4%) bei weitem übertroffen wurde. Stark habe etwa das Volumen in der für Vaudoise wichtigen Motorfahrzeugversicherung (+4,3%) zugelegt, hiess es. In einem sehr guten Licht präsentierte sich gleichzeitig auch der Bereich Personenversicherungen Nichtleben (+12%).

Der Schaden-Kostensatz (Combined Ratio) in der Nichtlebenversicherungen stieg beziehungsweise verschlechterte sich um 4,5 Prozentpunkte auf 94,2%. Den Anstieg führt die Vaudoise auf die höhere Schadenbelastung im laufenden Jahr zurück, wobei die Schadenkosten im Vorjahr speziell günstig ausgefallen waren. Das versicherungstechnische Resultat der Sparte verbesserte sich trotzdem auf 53,4 Mio CHF von 47,2 Mio.

Im Leben-Geschäft nahm das Geschäftsvolumen um 2,5% auf 81,1 Mio CHF zu. Aufgrund der nach wie vor historisch tiefen Zinssätze sah sich die Vaudoise allerdings gezwungen, die traditionellen Einmalprämienversicherungen weiterhin nur zurückhaltend anzubieten. Die Vaudoise Leben habe jedoch eine neue Produktpalette entwickelt, die weniger sensibel auf Zinsschwankungen reagiere. Neue Produkte wie Serenity Plan oder TrendValor hätten schliesslich zu den höheren Einmalprämien geführt.

Anlagegewinne realisiert
Einen willkommenen Zustupf zum Gruppenergebnis leisteten die Kapitalanlagen, die im Halbjahr nicht annualisiert eine Rendite von 2,4% (VJ 1,8%) erreichten. Der leichte Rückgang der Anlageerträge sei mit gegenüber dem Vorjahr höheren Gewinnrealisierungen durch den Verkauf von Wertpapieren mehr als kompensiert worden, so die Vaudoise.

Die Kapitalisierung der genossenschaftlich ausgerichteten Versicherung lässt sich weiterhin sehen. Das Eigenkapital der Gruppe beläuft sich per Ende Juni auf 1,44 Mrd CHF bei einer annualisierten Eigenkapitalrendite von 12,4% (11,1%). Die Solvabilität ging seit Ende Jahr zwar um 15 Prozentpunkte zurück, lag aber immer noch auf hohen 511% und vermittelt Stabilität.

Die Stabilität, die sich aus der Genossenschafts-Strategie ergibt, sieht Generaldirektor Philippe Hebeisen in der Mitteilung als einen möglichen Grund für die «erfreuliche» Wachstumsdynamik. Auch für das zweite Halbjahr sei die Gruppe gut aufgestellt.

Dabei dürfte das versicherungstechnische Ergebnis im Gesamtjahr 2015 erneut auf einem «hohen Niveau» zu liegen kommen. Und wenn man den Verkaufsgewinn von Valorlife aus dem Vorjahr abzieht, dann dürfte auch das Gruppenergebnis ähnlich positiv wie 2014 ausfallen. Damals hatte das um die Veräusserung bereinigte Ergebnis vor Steuern mit 183 Mio CHF einen Rekord erreicht.

Erwartungen übertroffen
Mit den Halbjahreszahlen übertraf die Vaudoise die Vorgaben der Bank Vontobel sowohl mit dem Gewinn als auch mit dem Geschäftsvolumen. Beim Ergebnis hätten die Gewinnrealisierungen auf den Wertschriften entscheidend dazu beigetragen, so der Analyst. Das Nichtleben-Wachstum sowie die Eigenkapitalrendite hätten sich derweil «erfreulich» entwickelt. An der Börse legen Vaudoise am frühen Nachmittag in einem seitwärts tendierenden Gesamtmarkt um 1,3% zu. (awp/mc/upd/ps)

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