Warum man 2016 beim Anlegen sehr wählerisch sein sollte

Andrew Milligan
Andrew Milligan, Head of Global Strategy von Aberdeen Standard Investments. (Foto: Standard Life)

Andrew Milligan, Head of Global Strategy von Standard Life Investments. (Foto: Standard Life)

Edinburgh – Standard Life Investments, der weltweit tätige Vermögensverwalter, erachtet 2016 als schwieriges Jahr für Anleger. Verschiedene Länder und Anlageklassen sind in sehr unterschiedlichen Phasen des Anlagezyklus. In der letzten Ausgabe des Jahres 2015 von Global Perspective zeigt Andrew Milligan, Head of Global Strategy von Standard Life Investments, auf, wie weltweit ausgerichtete Anleger in diesem Umfeld dennoch eine angemessene Rendite erzielen können.

Andrew Milligan empfiehlt einen hoch selektiven, relativen Wertansatz (Relative Value). Vermögenswerte aus Industrieländern werden solchen aus Schwellenländern vorgezogen. Regional hat Standard Life Investments (SLI) eine Präferenz für Europa oder Japan, die beide von den niedrigeren Rohstoffpreisen und einer Erholung ihrer Wirtschaft profitieren werden. Ebenso erhöht SLI die Kapitalstruktur in Unternehmensanleihen, weil die Unternehmens­gewinne weltweit unter Druck kommen. Umgekehrt verkürzt SLI die Laufzeit bei den Staatsanleihen und ist untergewichtig in Aktienmärkten wie den USA oder verschiedenen entwickelten Ländern in Asien, weil dort die Aktienmärkte relativ teuer oder stark dem Druck im Rohstoffbereich ausgesetzt sind.

Im 2015 hat SLI stetig die Risiken in ihren Multi-Asset-Portfolios gesenkt, so dass sie mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit 2012 angelangt sind. Dies spiegelt die Bedenken von SLI aufgrund der aktuellen Bewertungen, der Verlangsamung der Unternehmensgewinne und der Belebung des Stresses an den Finanzmärkten. Im Verlauf des Jahres 2016 sind aus der Sicht von SLI folgende drei Faktoren der Schlüssel, wenn es darum geht, ob die Anlagerisiken weiter gesenkt oder wieder erhöht werden sollen: Erstens gilt es, die Richtung und den Umfang der Bewegungen des Dollars zu beobachten. Zweitens ist der Erfolg der Konjunkturmassnahmen in China von hoher Bedeutung. Drittens gilt, es die Auswirkungen der strafferen Geldpolitik der US-Notenbank auf die hoch verschuldeten Schwellenländer zu verfolgen.

Mit Blick auf verschiedene Schlüsselthemen und Anlageklassen kommentiert Andrew Milligan wie folgt:

Zur Anlagestrategie
«Anlageentscheidungen werden immer komplexer, weil die Wachstumspfade und die Währungspolitik voneinander abweichen. Die Wirtschaft der ‘zwei Geschwindigkeiten’ wird 2016 ein Schlüsselanlagethema sein. Die niedrigeren Rohstoff- und Energiepreise lassenden Konsum der privaten Haushalte und die Dienstleistungsnachfrage von Unternehmen steigen. Im Kontrast dazu sinken die Industrieproduktion und der Welthandel.»

Zur Volatilität
«Die Liste der potenziellen Treiber der Marktturbulenzen ist lang. Insbesondere erwarten wir, dass die US-Geldpolitik, die chinesischen Wachstumssorgen und politische Ereignisse wie die US-Präsidentschaftswahlen und ein mögliches EU-Referendum in Grossbritannien die Marktvolatilität treiben werden. Der Erfolg der chinesischen Konjunkturpolitik wird starken Einfluss auf die Kurse von Vermögenswerten in Industrie- wie auch Schwellenländern haben. Die grosse Frage im Jahr 2016 ist, wie effektiv die chinesische Regierung bei der Stabilisierung und Neuausrichtung ihrer Volkswirtschaft sein wird. In den USA, die in einer späteren Phase des Investitionszyklus sind, erwarten wir ein leicht negatives S&P-500-Gewinnwachstum. Vor dem Hintergrund der restriktiveren Geldpolitik der US-Notenbank erfüllen uns die Verschlechterung der US-Unternehmensbilanzen, die in den vergangenen zwei Jahren durch schleppende Erträge und steigende Nettoverschuldung resultierte, mit Sorge.»

Zu den Schwellenländern
«Die Verlangsamung in den Schwellenländern wurde durch die Abschwächung in China und die Rezessionen in Brasilien und Russland zusammen mit den Auswirkungen der niedrigen Ölpreise auf viele Ölexporteure ausgelöst. Wir sehen dies als eine Pause in der Mitte des Zyklus. Politische Antworten in den Schwellenländern sollten die Situation stabilisieren. Jedoch würde ein stabilerer US-Dollar die globalen Rohstoffpreise stützen und könnte globale Anleger ermutigen, wieder in Vermögenswerte in Schwellenländern zu investieren. »

Zu den Aktienmärkten
«In den vorhergehenden Jahren war eine aktienfreundliche Haltung die richtige Strategie, 2015 war dies jedoch anders. Die globalen Aktienkurse stehen heute im Jahresvergleich wieder auf unverändertem Niveau, obwohl sie zwischenzeitlich 15% höher waren. Wir erwarten, dass 2016 ähnlich wird: Eine bescheidene Gesamtrendite wird begleitet von starken Marktzyklen. Wir favorisieren europäische Aktien aufgrund der günstigeren Aussichten auf der Ertragsseite, wenn sich die Verkaufszahlen erholen, während die Kosten im Griff bleiben.»

Zu den festverzinslichen Anleihen
«Die Laufzeiten in unseren Portfolios sind kurz aufgrund unserer Bedenken hinsichtlich des Aufwärtsdrucks auf die Renditen nach der Verschärfung der Geldpolitik der US-Notenbank, der Erhöhung der Gesamtinflation im Jahr 2016 und des Rückzugs der Finanzströme in ‘sichere Häfen’. Unsere schwächeren Positionen in US-amerikanischen, britischen und japanischen Staatsanleihen werden durch grössere Positionen in europäischen Anleihen ausgeglichen, welche durch die niedrige Inflation in der Eurozone und die expansive EZB-Politik unterstützt werden. Wir ziehen es auch vor, die Kapitalstruktur zu erhöhen, indem wir mehr Investment-Grade-Unternehmensanleihen halten. Das Ausfallrisiko steigt zwar, aber die Bewertungen von Investment-Grade-Anleihen sind attraktiv, solange sich keine Rezession abzeichnet».

Zur wirtschaftlichen Entwicklung
«Es bleibt eine Welt der niedrigen Zahlen, in Bezug auf Wachstum, Inflation, Anleihen- und Dividendenrenditen wie auch Zinssätze. Wir erwarten, dass das globale reale BIP-Wachstum von etwa 3,0% im Jahr 2015 auf 3,25% im Jahr 2016 steigen wird. Dabei gehen wir davon aus, dass die USA weiter mit 2 bis 3% p.a. wachsen, dass China eine weiche Landung erlebt (mit einem Wachstum von rund 6% p.a.) und dass sich das Wachstum in Europa in Richtung 1 bis 2% p.a. beschleunigt. Die gute Nachricht ist, dass es Anzeichen der globalen Wirtschaftskraft in vielen Schlüsselbereichen und Ländern gibt. In 2016 werden wir zusätzliche, unterstützende fiskalpolitische Massnahmen sehen. Die Aussichten sind immer noch positiv für die Gewinne in Europa und Japan. Die tieferen Rohstoff- und Energiepreise unterstützen die Haushaltseinkommen und die Margen der Unternehmen. Ausserdem verbessert sich stetig die Situation am Arbeitsmarkt in den meisten grösseren Volkswirtschaften.»

Die vollständige Ausgabe von Global Perspective (auf Englisch) ist hier erhältlich. (Standard Life Investments/mc/ps)

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