GKB-Wirtschaftsmonitor: Graubünden wächst gegen den Trend

GKB-Wirtschaftsmonitor: Graubünden wächst gegen den Trend
(Foto: GKB)

Chur – Die Schweizer Wirtschaft hat im dritten Quartal 2026 deutlich an Schwung verloren. Graubünden behauptete sich in diesem Umfeld mit einem Wachstum gegenüber dem Vorjahresquartal von rund 2.2% jedoch bemerkenswert robust. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem vom Tourismus, einer stabilen Binnenwirtschaft und einer insgesamt widerstandsfähigen Exportwirtschaft. Damit hebt sich der Kanton klar von der nationalen Konjunkturabkühlung und von mehreren Vergleichskantonen ab.

Nach einem starken zweiten Quartal mit 2.7% Wachstum kühlte sich die Schweizer Konjunktur im dritten Quartal spürbar ab. Im Juli und August lag das geschätzte Wachstum noch bei rund 1%, im September deutete der Swiss REco Index der Fachhochschule Graubünden sogar auf einen leicht negativen Wert von -0.15% hin. Auch grosse Kantone wie Zürich, Basel-Stadt, Bern und Waadt verloren an Dynamik.

Graubünden entwickelte sich im gleichen Zeitraum deutlich besser. Nach Wachstumsraten von rund 2.2% im Juli und etwa 3% im August schwächte sich die Dynamik im September zwar auf rund 1.25% ab, blieb aber klar positiv. Damit zählt Graubünden auch im dritten Quartal 2026 zu den stärker wachsenden Kantonen.

Tourismus und Konsum als Stützen

Eine zentrale Rolle spielte der Tourismus. Nach einem schwachen März lagen die Logiernächte von April bis Juli deutlich über den jeweiligen Vorjahreswerten; im Juli betrug das Wachstum rund 12%. Im August flachte die Entwicklung ab und lag wieder etwa auf Vorjahresniveau. Besonders wichtig blieb die Nachfrage aus der Schweiz, deren Logiernächte seit April überwiegend über dem Vorjahr lagen und im Juli um rund 13% zunahmen. Auch Gäste aus Italien und den USA trugen positiv zur Entwicklung bei, während mehrere asiatische Fernmärkte schwächer abschnitten.

Die Bergbahnen bestätigten das positive Bild: Von Mai bis Ende August 2026 lagen die Ersteintritte in Graubünden 11% über dem Vorjahresniveau und 13% über dem Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre. Gleichzeitig entwickelten sich die Kartenzahlungen seit April – mit Ausnahme des Junis – besser als 2025. Das zeigt, dass neben dem Tourismus auch der Binnenkonsum zur robusten Wirtschaftslage beitrug. Feriengäste, Zweitwohnungsbesitzende, Tagesgäste und die einheimische Bevölkerung stützten gemeinsam die Nachfrage im Kanton.

Stabile Exporte, vorsichtige Entspannung am Arbeitsmarkt

Die realen Exporte Graubündens entwickelten sich trotz internationaler Unsicherheiten insgesamt stabil. Die monatlichen Exportvolumen bewegten sich bis September meist in einer ähnlichen Grössenordnung wie 2024 und 2025. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Branchen. Positiv entwickelte sich die Branche Elektronik, Optik und Elektrik, deren Exporte 2026 deutlich über den Vorjahreswerten lagen. Schwach blieben dagegen die Maschinenexporte. Medizinische Apparate und Materialien verloren nach starken Vorjahren zunächst an Dynamik, verzeichneten dank höherer Exporte im September aber im dritten Quartal wieder Wachstum.

Auch am Arbeitsmarkt mehren sich positive Signale. Die Zahl der Online-Stellenanzeigen lag im September 2026 rund 7% über dem Vorjahreswert. Gleichzeitig fiel die Zahl der beim RAV gemeldeten Stellensuchenden im September erstmals leicht unter das Vorjahresniveau. Verbesserungen zeigten sich insbesondere im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen, während die Industrie weiterhin belastet blieb und sich der Handel zuletzt wieder ungünstiger entwickelte.

Graubünden geht damit aus einer starken Position in das Schlussquartal 2026. Entscheidend wird sein, ob Tourismus und Binnenkonsum ihre Dynamik halten können und ob sich exportorientierte Branchen im weiterhin unsicheren weltwirtschaftlichen Umfeld behaupten. (gkb/bk/mc/ps)

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