Kirchner Museum Davos: Kirchner. Picasso
Davos – 1933 schrieb Ernst Ludwig Kirchner selbstbewusst, er erwarte eine internationale Ausstellung, in der seine Werke neben jenen von Pablo Picasso gezeigt würden. Was damals Wunsch blieb, wird nun Realität: Kirchner.Picasso bringt zwei der prägendsten Künstler der Moderne erstmals in einen direkten visuellen Dialog.
Die Ausstellung lädt dazu ein, zwei grosse Namen der Kunstgeschichte neu zu sehen – differenziert, vergleichend und überraschend aktuell.
Kunst in einer Zeit des Umbruchs
Beide Künstler arbeiteten in einer Epoche tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen. Industrialisierung, Urbanisierung und politische Spannungen forderten neue künstlerische Antworten. Kirchner wie Picasso entwickelten eigenständige Bildsprachen, mit denen sie auf ihre Gegenwart reagierten und die Moderne nachhaltig prägten.
Im Zentrum der Ausstellung steht die Malerei, ergänzt durch ausgewählte grafische Arbeiten, Zeichnungen und Skulpturen. Rund 100 Werke und zahlreiche internationale Leihgaben aus bedeutenden Sammlungen eröffnen neue Perspektiven auf das Werk von Kirchner und Picasso.
Impulse, Brüche, Weiterentwicklungen
Picasso gilt als Schlüsselfigur des Kubismus, Kirchner als zentrale Stimme des Expressionismus. Beide stehen für künstlerische Erneuerung. Ein besonderer Fokus liegt auf dem Jahr 1932, als Kirchner die grosse Picasso-Retrospektive im Kunsthaus Zürich besuchte. Die intensive Auseinandersetzung mit Picassos Werk wirkte nach und führte bei Kirchner zu einer markanten Weiterentwicklung seiner Malerei, insbesondere im sogenannten Neuen Stil.
Die Ausstellung hinterfragt die lange gepflegte Trennung ihrer Werke und lädt dazu ein, Kirchner und Picasso neu zu betrachten – nicht hierarchisch, sondern auf Augenhöhe. Sichtbar werden Unterschiede ebenso wie unerwartete Nähe, formale Parallelen ebenso wie unterschiedliche künstlerische Haltungen. (Kirchner/mc/hfu)