A.T. Kearney: Schweiz bleibt für ausländische Direktinvestitionen attraktiv

Markus Stricker
Markus Stricker, Partner und Managing Director von A.T. Kearney Schweiz. (Foto: A.T. Kearney)

Zürich – Im 17. Foreign Direct Investment (FDI) Confidence Index der Strategieberatung A.T. Kearney liegt die Schweiz auf Platz 12. Damit verliert sie zwar einen Rang gegenüber dem Vorjahr, hält sich aber zum vierten Mal in Folge unter den Top 15. Ausländische Investoren haben somit nach wie vor ein hohes Interesse an der Schweiz. Die konjunkturellen Aussichten der Schweiz werden positiver beurteilt als vor Jahresfrist. Zudem punktete die Schweiz bei den besonders relevanten Standortfaktoren. Europa insgesamt bleibt eine bevorzugte Region für ausländische Direktinvestitionen. Deutschland überholt China und liegt neu auf dem 2. Platz. Das Vereinigte Königreich klettert auf Rang 4. Die USA behaupten die Spitzenposition und Kanada rundet die Top 5 ab.  

„Die hervorragende Standortqualität bleibt die Stärke der Schweiz. Faktoren wie politische und wirtschaftliche Stabilität, Rechtssicherheit, Innovationskraft sowie Transparenz im regulatorischen Umfeld werden von den befragten Führungskräften als entscheidende Investitionsanreize genannt – noch vor der absoluten Marktgrösse und der Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeitskräften. Diesen Stärken gilt es Sorge zu tragen“, kommentiert Markus Stricker, Partner und Managing Director von A.T. Kearney Schweiz, die jüngsten Ergebnisse des FDI Confidence Index. Der Index zeigt alljährlich basierend auf einer Umfrage unter den Führungskräften der 1‘000 weltweit grössten Unternehmen die 25 attraktivsten Zielländer für ausländische Direktinvestitionen.

2017 hat die Schweiz auf der Liste der attraktivsten Investitionsziele zwar einen Rang eingebüsst und liegt neu auf Platz 12. Sie hält sich damit aber im vierten Jahr in Folge unter den Top 15. Für ausländische Firmen, die ihre Profitabilität und ihr Wachstum unter stabilen Rahmenbedingungen ankurbeln wollten, bleibt die Schweiz attraktiv. „Die Schweiz nimmt in der Rangliste einen Spitzenplatz ein, wenn man Faktoren wie Marktgrösse berücksichtigt“, so Stricker weiter, „Für viele Unternehmen im Technologie- und Dienstleistungsumfeld, zum Beispiel, ist das Land erste Wahl“.

75 Prozent planen Investitionen
Trotz Kritik an der Globalisierung und protektionistischer Stimmung in vielen Ländern suchen die Unternehmen verstärkt nach neuen Chancen durch Direktinvestitionen im Ausland. Die grosse Mehrheit der befragten Unternehmer (75 Prozent) plant, ihre Investitionen jenseits ihrer heimischen Märkte innerhalb der nächsten drei Jahre auszubauen – das entspricht einer Steigerung um 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Befragten sehen darin den besten Hebel, um ihre Profitabilität zu steigern und sich Wettbewerbsvorteile zu sichern. Bei verlangsamtem Wachstum des globalen Handelsvolumen und zunehmenden
Handelshemmnissen bietet der Aufbau einer lokalen Präsenz in Schlüsselmärkten eine Alternative.

Safety First, Marktgrösse Second
Was die Weltwirtschaft betrifft, sind die Investoren durchaus positiv gestimmt. Während sie im vergangenen Jahr gespalten waren, gehen dieses Jahr 60 Prozent der Unternehmen optimistisch in die Zukunft. Allerdings sehen die befragten Führungskräfte ein Ansteigen geopolitischer Spannungen als das höchste Risiko für die Weltwirtschaft. Diese politischen Risiken lassen sie vorsichtiger werden: 7 der 10 wichtigsten Entscheidungsfaktoren für Direktinvestitionen betreffen den Bereich Governance und Regulierung. Besonders wichtig sind den Investoren ein stabiles politisches Umfeld, Rechtsicherheit, eine niedrige Abgabenquote sowie ein transparentes regulatorisches Umfeld. Dagegen sind Investitionsanreize wie die absoluten Marktgrösse und das Arbeitskräftepotential weniger Ausschlag gebend. Interessant ist insbesondere, wie die Marktgrösse an Bedeutung verloren hat. Sie fällt von Platz 1 im Jahr 2016 auf Platz 6 zurück.

USA bleiben an der Spitze, Europa die bevorzugte Region
Die USA halten bereits im fünften Jahr in Folge den Spitzenplatz im FDI Confidence Index. Die Investoren sind auch optimistischer bezüglich der US-Konjunkturaussichten als für jede andere Volkswirtschaft auf dem Index.

Wachstumschancen sehen die befragten Topmanager vor allem in Europa, das 11 Länder (13 Länder 2016) unter den Top 25 vorzuweisen hat. Deutschland besetzt als Europas Wirtschaftsmotor erstmals den zweiten Platz (Rang 4 im Jahr 2016). Mit seiner politisch stabilen und wirtschaftlich soliden Basis ist Deutschland – trotz Flüchtlingskrise – der attraktivste Investitionsstandort in Europa. Erste Schatten wirft hingegen der Brexit voraus. Zwar schaffte Grossbritannien noch den Sprung auf den vierten Rang (Rang 5 im Jahr 2016), da viele Unternehmen, die derzeit nur in Kontinentaleuropa eine Niederlassung haben, versuchen, noch rasch einen Fuss in den britischen Markt zu bekommen. Langfristig rechnen Investoren aber damit, dass Investitionen zukünftig verstärkt in Kontinentaleuropa getätigt werden. Als mögliche Brexit-Gewinner sehen die Studienautoren Schweden (von Rang 22 auf 15), Italien (von Rang 16 auf 13) und Irland (von Rang 23 auf 20). Leicht zulegen konnte Frankreich (von Rang 8 auf 7) und Spanien (von Rang 13 auf 11).

Schwellenländer holen auf
Obschon Industriestaaten das Ranking dominieren, holen Schwellenländer weiter kräftig auf. Zählte der Index vergangenes Jahr noch fünf Schwellenländer, waren es dieses Jahr schon sieben. Neu im Index sind die Vereinigten Arabischen Emirate, Neuseeland und Südafrika. Damit sind zum ersten Mal überhaupt ein afrikanisches und arabisches Land im Index vertreten. Das zeigt auch die steigende Risikobereitschaft unter den Investoren. Grösstes Sorgenkind bleibt Brasilien, das im Index zum zweiten Mal in Folge abrutscht. Innerhalb von zwei Jahren fiel das Land von Rang 6 (2015) auf Rang 16 zurück. Auf Erholungskurs befindet sich wieder Mexiko, das nach dem Absturz im vergangenen Jahr einen Platz gutmachen konnte. (A.T. Kearney/mc/ps)

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