US-Wirtschaft schrumpft erstmals seit dreieinhalb Jahren

Konjunktur USA

Washington – Trotz einer hochexpansiven Geldpolitik hat die weltgrösste Volkswirtschaft USA zum Jahresende 2012 einen herben Dämpfer erlitten. Wie aus Regierungszahlen vom Mittwoch hervorgeht, war die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren rückläufig. Das annualisierte Minus von 0,1 Prozent kam zwar nicht gänzlich überraschend, Bankvolkswirte hatten mit einer Wachstumsverlangsamung gerechnet. Die Erwartungen von plus 1,1 Prozent wurden aber klar verfehlt.

Auf den zweiten Blick fallen die Zahlen etwas weniger trübe aus. Denn wird die Wachstumsrate nicht auf das Jahr hochgerechnet, wie etwa in Europa üblich, bewegt sich Wirtschaftswachstum nahe der Nulllinie. Über eine Stagnation kam die US-Wirtschaft im Schlussquartal jedoch nicht hinaus. An den Finanzmärkten fiel die erste Reaktion enttäuschend aus. Vor allem der amerikanische Dollar geriet unter Druck.

US-Wirtschaft bremst ab
Verglichen mit dem dritten Quartal, als die US-Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen war, hat die US-Wirtschaft zum Jahresende hin deutlich abgebremst. Die Wachstumsschwäche geht vor allem auf das Konto rückläufiger Staatsausgaben. Besonders tief im roten Bereich lagen die Rüstungsausgaben, die mit gut 22 Prozent so stark wie selten zuvor nachgaben. Zudem war der Lageraufbau rückläufig, die Unternehmen produzierten also weniger «auf Halde». Vom Aussenhandel wurde die Entwicklung durch schwache Exporte belastet.

Gestützt wurde die US-Konjunktur indes durch höhere Ausgaben der Verbraucher. Auch die Investitionen der Unternehmen und die Bauausgaben verhinderten ein stärkeres Minus. Die Aussenhandelsbilanz wurde durch geringere Importe in ein etwas günstigeres Licht gerückt.

Erholung nicht zu Ende
Bankvolkswirte zeigten sich von dem konjunkturellen Rücksetzer überrascht, verwiesen aber auf positive Aspekte. Genannt wurde insbesondere der Zuwachs bei den Konsumausgaben, die für die USA als Wachstumstreiber schlechthin gelten. Der Anstieg der Investitionsausgaben deutet demnach auf grössere Zuversicht der US-Unternehmen hin, während sich die Erholung des krisengeschüttelten Immobilienmarkts – Auslöser der Finanzkrise von 2008 – fortzusetzen scheint. Mithin sahen die meisten Ökonomen keinen Grund, das Ende der moderaten Erholungskurses auszurufen.

Beschäftigung im US-Privatsektor steigt stärker als erwartet
Die Beschäftigung des Privatsektors im Januar ist stärker gestiegen als erwartet. Im Monatsvergleich erhöhte sich die Beschäftigtenzahl um 192.000, wie der Arbeitsmarkt-Dienstleister Automatic Data Processing (ADP) mitteilte. Dies ist der stärkste Zuwachs seit Februar 2012. Bankvolkswirte hatten mit einem Zuwachs um 165.000 Stellen gerechnet. Im Vormonat war die Zahl der Beschäftigten um revidiert 185.000 (bisher 215.000) gestiegen. Die offiziellen Arbeitsmarktdaten wird das US-Arbeitsministerium an diesem Freitag veröffentlichen. Die ADP-Daten gelten als Indikator hierfür. (awp/mc/pg)

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