Deutlicher Anstieg der Coronavirus-Neuinfektionen – BAG meldet 2125 Fälle

Coronavirus
Darstellung Coronavirus mit Mutation. (Adobe Stock)

Bern – Die Kurve der Neuansteckungen mit dem Coronavirus steigt immer steiler an. So wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Donnerstag für die Schweiz und Liechtenstein innerhalb von 24 Stunden doppelt so viele Fälle gemeldet wie vor einer Woche, nämlich 2125. Zudem registrierte das BAG 41 Spitaleintritte und drei neue Todesfälle.

45 Prozent mehr neue Coronavirus-Ansteckungen zählte das BAG vom 2. bis 8. August, wie es am Donnerstag im neuesten Wochenbericht mitteilte: 7607 nach 5249 in der Vorwoche. Am meisten betroffen war die Altersklasse der 20- bis 29-Jährigen, am wenigsten jene der 0- bis 9-Jährigen sowie der 60-Jährigen und Älteren.

Nachdem das Impftempo in den vergangenen Wochen nachgelassen hatte, sind unterdessen 49,6 Prozent Personen vollständig (zweimal) geimpft und 55,25 Prozent einmal, wie das BAG am Donnerstag weiter mitteilte.

Auf 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner wurden in den vergangenen zwei Wochen 185,97 laborbestätigte Coronavirus-Infektionen gemeldet. Die Reproduktionszahl R, die angibt, wie viele Personen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt, lag vor 14 Tagen bei 1,22. Die dominante Virusvariante Delta ist derzeit für 96,7 Prozent der Ansteckungen verantwortlich.

Bei den Spitaleintritten stieg die Zahl zwischen dem 2. und 8. August von 91 auf 138. Nach einem kontinuierlichen Rückgang seit Ende März/Anfang April war die Zahl der Hospitalisierungen seit Anfang Juli wieder angestiegen.

Trendwende auf Intensivstationen
Auf allen Intensivstationen in den Schweizer Spitälern lagen in der Berichtswoche im Durchschnitt insgesamt 53 Covid-Patienten, das sind 36 Prozent mehr als in der Vorwoche.

Der Anteil der Covid-19-Erkrankten unter den Intensivpflege-Patientinnen und -Patienten wiederum war zunächst bis Mitte Juli auf 3,8 Prozent gesunken. Ende Juli dann stieg der Anteil erstmals wieder an und lag in der Berichtswoche bei 8,8 Prozent.

Die Zahl der Todesfälle hingegen verringerte sich im Vergleich zur Vorwoche von 10 auf 3 und blieb somit nach Einschätzung des BAG auf tiefem Niveau.

Schulzimmer-Pilotprojekt in Luzern
Um zu wissen, wie sich die konsequentere Durchlüftung von Schulzimmern auf die Luftqualität auswirkt, führt der Kanton Luzern im Schuljahr 2021/22 in über 200 Schulzimmern Messungen durch, und zwar nicht nur des CO2-Anteils. Aufgezeichnet werden auch Temperatur, Luftfeuchtigkeit, volatile organische Komponenten und der Luftdruck.

Das Bildungs- und Kulturdepartement kündigte das Pilotprojekt am Donnerstag an. CO2-Messgeräte waren wegen des Coronavirus auch von Lehrerverbänden gefordert worden. Sie sollen anzeigen, wann der Kohlendioxidgehalt in der Luft hoch ist und wann darum gelüftet werden sollte.

Hartnäckige Corona-Spätfolgen
Nicht zu unterschätzen sind die Spätfolgen einer Ansteckung mit dem Coronavirus, wie eine Umfrage des Vereins Long Covid Schweiz zeigt. Unter 400 Betroffenen gaben drei von vier Teilnehmenden an, mehr als drei Monate unter den Spätfolgen einer Covid-19-Infektion zu leiden. Ein Drittel der Befragten war zum Zeitpunkt der Umfrage bereits ein halbes Jahr krank.

Die häufigsten Beschwerden waren demnach anhaltende Erschöpfung (91 Prozent der Befragten), Belastungsintoleranz (84 Prozent), Konzentrations- und Gedächtnisprobleme (75 Prozent), Kurzatmigkeit sowie Atemnot bei Belastung (71 Prozent), Kopfschmerzen (70 Prozent), Schlafstörungen (67 Prozent) und Muskelschmerzen (64 Prozent). Weniger häufig berichteten die Betroffenen von psychischen Beschwerden wie Ängsten (26 Prozent) und Depressionen (36 Prozent).

80 Prozent der Betroffenen hatten sich vor der Erkrankung «topfit» gefühlt, und mehr als die Hälfte hatte an keinen Vorerkrankungen gelitten. Neunzig Prozent der Befragten wurden weder während der Krankheit noch danach im Spital behandelt, zwei Drittel suchten auch ambulant für die Behandlung der Long Covid-Symptome keine Klinik auf.

Guter Schweizer Mittelweg
Nach Ansicht des scheidenden Präsidenten der Covid-19-Task-Force des Bundes, Martin Ackermann, hat die Schweiz in der Corona-Pandemie einen guten Mittelweg gefunden. Es habe sich gezeigt, dass der Staat nicht alles verordnen müsse.

Viele Menschen seien von sich aus vorsichtig, sagte Ackermann in Interviews mit den Tageszeitungen «Neue Zürcher Zeitung», «Blick» und dem Newsportal nau.ch. Was der Staat verordnet habe, habe die Bevölkerung gut umgesetzt. Das sei ein Schlüssel zum Erfolg. (awp/mc/ps)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.