Booster-Impfung für alle kommt wohl Ende Monat und ist nur Teil der Lösung

Coronaimpfung
(Photo by Sam Moqadam on Unsplash)

Bern – Die dritte Covid-19-Impfung soll Ende November auch für Personen unter 65 Jahren möglich sein. Die zuständigen Stellen beim Bund arbeiten an der Anpassung der Impfempfehlung. Sie betonen aber, dass neben der Auffrischimpfung, dem sogenannten Booster, für den Winter eine höhere Grundimmunisierung sowie das Einhalten der Abstand- und Hygieneregeln nötig seien.

Die Auffrischimpfung für alle solle dann kommen, «wenn alle älteren Menschen die Gelegenheit hatten, eine Auffrischimpfung zu bekommen», sagte Christoph Berger, Präsident der zuständigen Impfkommission (Ekif), am Dienstag vor den Medien in Bern. Diese hätten weiterhin höchste Priorität. Bei allen anderen sollte die dritte Impfung frühestens sechs Monate nach der zweiten Dosis erfolgen. Es sei genügend Impfstoff für alle vorhanden.

Berger hielt fest, dass die Booster-Impfung nicht die Lösung für die Corona-Pandemie darstelle. Das Ziel sei es, schwere Erkrankungen zu verhindern. «Die Erstimpfung bleibt klar die wirksamste Massnahme», sagte er. Weil die Impfquote noch immer zu tief ist, rechnet Berger mit einem «Winter mit einer Belastungsprobe für die Gesundheitsversorgung». Es sei gut möglich, dass erneut weitere «einschneidende Massnahmen» erforderlich seien.

Nachdenken über Hürden für Virus
Es könnte zum Beispiel wieder Einschränkungen in Innenräumen oder in Bezug auf Menschenansammlungen geben, sagte zudem Rudolf Hauri, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Solche Massnahmen müsse man prüfen, um dem Virus Hürden aufzustellen. Nach der durchzogenen Bilanz der nationalen Impfwoche ruft Hauri daher dazu auf, sich wieder stärker an die Hygienemassnahmen zu halten.

Dazu gehörten zum Beispiel sofortiges Testen bei Symptomen, Abstand einhalten etwa in Warteschlangen, Masken tragen in Menschenansammlungen – beispielsweise beim Verlassen des Zuges – und regelmässiges Händewaschen. Zudem mahnte Hauri dazu, wieder mehr Zurückhaltung beim Händeschütteln, bei Begrüssungsküsschen oder Umarmungen an den Tag zu legen. Es brauche alle Massnahmen, um die Ausgangslage für den Winter zu verbessern, sagte er.

Impfen im Halbjahresrhythmus nicht nötig
Dass sich die Bevölkerung nun im Halbjahresrhythmus gegen das Coronavirus impfen muss, davon geht der Impf-Chef nicht aus. Die Empfehlungen würden ja in Anlehnung an die epidemiologische Lage gemacht. «Ich gehe nicht davon aus und hoffe nicht, dass wir diese Lage im kommenden Jahr haben», sagte Berger.

Die Empfehlung wird die Ekif wohl erteilen, ohne dass Swissmedic vorab die Zulassung erteilt hat. «Im Normalfall fällt das übereinander», sagte Berger. «Aber hier scheint es uns wichtig, diese Empfehlung auch den Jüngeren zur Verfügung zu stellen.»

Die Verabreichung der Impfung ist aber trotz fehlender Zulassung kein Problem. Beim sogenannten Off-Label-Use liege es in der Verantwortung der Ärzte, aufgrund der Patientenunterlagen und mit deren Zustimmung die dritte Impfung zu verabreichen, erläuterte Hauri.

Schweiz in neuer Infektionswelle
An der Medienkonferenz informierte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) ausserdem über die nationale Impfwoche. Das BAG hatte vorab keine Ziele festgelegt – jede zusätzlich verabreichte Impfung sei ein Gewinn, hiess es. Gemäss Michael Beer, Leiter der Impfoffensive, waren es schliesslich 35’000 Erstimpfungen und mehr als 15’000 zusätzliche Impfungen.

Der Abnahmetrend bei den Corona-Erstimpfungen habe gebrochen werden können. Der Bund habe mindestens 27 Millionen Franken ausgegeben. Insbesondere in der Zentral-, der Ostschweiz und im Tessin sei mehr geimpft worden.

Zur epidemiologischen Lage sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle beim BAG: «Wir befinden uns in einer neuen Infektionswelle.» Die Zahlen würden sich aktuell alle zwei Wochen verdoppeln.

Dem BAG wurden am Dienstag 4297 neue Coronavirus-Ansteckungen, sechs neue Todesfälle und 76 Spitaleintritte im Zusammenhang mit Covid-19 gemeldet.

Die Auslastung der Intensivstationen in den Spitälern beträgt zurzeit 73,5 Prozent. 15 Prozent der verfügbaren Betten werden von Covid-19-Patienten belegt. Weiterhin ist der Grossteil der Personen, die in Spitalpflege müssen, ungeimpft. Bei jenen auf den Intensivstationen seien 90 Prozent ungeimpft, bei jenen in normaler Spitalpflege etwa 70 Prozent, erläuterte Masserey. (awp/mc/ps)

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