Coronavirus-Kurve flacht leicht ab – mehrere Kantone verschärfen Massnahmen

Coronavirus-Kurve flacht leicht ab – mehrere Kantone verschärfen Massnahmen
Darstellung eines Coronavirus. (Bild: Centers for Disease Control and Prevention CDC)

Bern – Der Bund beobachtet erstmals seit längerem eine leichte Abflachung der Corona-Infektionskurve. Die Spitaleinweisungen hält er aber nach wie vor für besorgniserregend. Mehrere Kantone haben am Dienstag denn auch härtere Massnahmen beschlossen. Freiburg und die Waadt gehen am weitesten und schliessen Restaurants und Freizeiteinrichtungen.

„Wir sehen eine leichte Abflachung der Kurve“, sagte Virginie Masserey vor den Medien in Bern. Masserey ist Leiterin der Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Entwicklung bei den Spitaleinweisungen sei aber weiterhin besorgniserregend: Derzeit lägen 3200 Personen auf Intensivstationen von Schweizer Spitälern, 45 Prozent davon Covid-Patienten.

Eine leicht positive Tendenz zeigt sich auch in den tagesaktuellen Zahlen. Dem BAG sind innert 24 Stunden aus der Schweiz und Liechtenstein 6126 neue bestätigte Coronavirus-Ansteckungen gemeldet worden. In der zweiten Hälfte der vergangenen Woche hatten sich die Zahlen zwischen gut 8000 und knapp 10’000 bewegt. 72 Covid-19-Erkrankte sind verstorben, 316 Infizierte sind neu ins Spital eingeliefert worden. Die Zahl der Todesfälle seit Beginn der Pandemie stieg auf auf 2202.

Armee und Frankreich helfen
Auf den Intensivstationen gibt es laut Masserey noch 27 Prozent Kapazität. Wenn die Zahlen weiter steigen wie aktuell, seien die Intensivstationen aber in fünf Tagen voll. Genügend Vorrat gebe es bei den Beatmungsgeräten. Laut Rudolf Hauri, dem Präsidenten der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, hat Frankreich angeboten, Patienten aus der Schweiz zu übernehmen. Im Frühjahr hatte die Schweiz Patienten aus Frankreich aufgenommen.

Auch die Armee bereitet sich vor. Sie hat vergangene Woche rund 5000 Armeeangehörige gefragt, ob sie in Spitälern Corona-Einsätze leisten wollen. Die ersten 200 rücken am Mittwoch ein.

„Wir müssen uns am Riemen reissen“
Welche Wirkung die seit Ende Oktober geltenden strengeren Massnahmen auf Bundesebene haben, lässt sich laut Virginie Masserey noch nicht detailliert eruieren. Erste Indizien deuteten darauf hin, dass die Mobilität der Bevölkerung abnehme: „Das sollte uns darin bestärken, die Massnahmen weiterhin umzusetzen.“ Auch Rudolf Hauri mahnte: „Wir müssen uns alle am Riemen reissen.“ Der Anschein eines Rückgangs reiche nicht – „der Rückgang muss nachhaltig sein“. Auch dürfe die Quarantäne nicht aufgeweicht werden.

Mehrere Kantone haben denn am Dienstag auch schärfere Massnahmen beschlossen. Am weitesten gehen die Waadt und Freiburg. Sie schliessen Restaurants, Bars, Kinos, Museen und weitere Freizeiteinrichtungen. Jura, Genf und Neuenburg haben öffentliche Einrichtungen und andere Infrastrukturen bereits geschlossen. Vor zwei Wochen hatte das Wallis den Anfang mit Einschränkungen der Restaurant-Öffnungszeiten und der Schliessung von Kulturstätten gemacht.

Nur wichtige Operationen in Luzern
Doch auch Deutschschweizer Kantone verschärfen die Massnahmen. Das Luzerner Kantonsspital reduziert am Standort Luzern die Kapazität für nicht dringlichen Eingriffe und schafft mehr Beatmungsplätze auf der Intensivstation. Uri und Nidwalden senken die Obergrenze für Veranstaltungen auf 30 Personen. Sie folgen damit Obwalden und Schwyz.

Der Kanton Graubünden wiederum passt sich bei der Maskentragpflicht an den Schulen der Mehrheit der übrigen Kantone an. Ab dem nächsten Montag müssen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen der Sekundarschulstufe 1 Masken aufsetzen.

Die schweizweite Sperrstunde von 23 Uhr wirkt sich ab kommendem Wochenende auf den öffentlichen Verkehr aus: Bis auf Weiteres fahren keine Nachtzüge und -busse mehr. Die Transportunternehmen stellen die Nachtnetze ein. (awp/mc/ps)

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