Erste Corona-Impfstoffdosen in der Schweiz – Offene Fragen wegen Virusmutation

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(Foto: Biontech)

Bern – Der erste Impfstoff gegen das Coronavirus ist am Dienstag in der Schweiz angekommen – just zum gleichen Zeitpunkt, zu welchem eine Mutation des Coronavirus Fragen aufwirft. Sollte sich dieses mutierte Virus in der Schweiz ausbreiten, dürften nach Aussage der Covid-Taskforce weitere Massnahmen nötig werden.

Am Dienstagmorgen nahm die Armeeapotheke die erste Lieferung mit 107’000 Dosen des Pfizer/Biontec-Impfstoffes gegen Covid-19 entgegen. Diese werden nun kontrolliert, umgepackt und gemäss den Bestellungen der Kantone in der Schweiz verteilt, wie Armee-Sprecher Stefan Hofer am Dienstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte.

Am Mittwoch soll in den Kantonen dann die grösste Impfaktion in der Geschichte des Landes anrollen. Als erste Kantone wollen unter anderem Luzern und Appenzell Innerrhoden die ersten Injektionen verabreichen. Beide Kantone kündigten an, als erstes Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen zu impfen.

Das Ankommen des Impfstoffes ist eine gute Nachricht, wie Rudolf Hauri, Zuger Kantonsarzt und Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, am Point de Presse zum Coronavirus auf Fachebene sagte. Grundsätzlich sei die Lage aber weiterhin angespannt, die Stabilität könne trügerisch sein, sagte er.

Zudem werfe die Mutation des Virus neue Fragen auf. Zwar scheine das mutierte Virus nicht stärker krank zu machen, aber die schiere Anzahl der Übertragungen sei ein Problem: Weil es sich offenbar schneller ausbreite, könne das Virus einen weiteren Anstieg der Spitaleintritte nach sich ziehen.

Massnahmen werden wohl nicht genügen
Die wissenschaftliche Covid-Taskforce des Bundes geht denn auch davon aus, dass die geltenden Massnahmen nicht ausreichen würden, um die Ausbreitung der neuen Virusvariante zu stoppen. «Wir beobachten die Situation ständig und werden dann besprechen, welche neuen Massnahmen unter Umständen angezeigt sein werden», sagte Martin Ackermann, Präsident der Taskforce, vor den Medien.

Gemäss Schätzungen erhöhe die Mutation die Reproduktionszahl (R-Wert) um 0,4, sagte Ackermann. Der R-Wert liegt in der Schweiz aber bereits über 1, wodurch das Wachstum der Ansteckungen exponentiell ist. Anders als bei früheren Massnahmen habe der R-Wert trotz zusätzlichen Massnahmen nicht unter 1 gebracht werden können, sagte Tanja Stadler, ebenfalls Mitglied der Taskforce.

Die Taskforce geht denn auch davon aus, dass die neue Virusvariante bereits in der Schweiz ist. Es konnte allerdings noch nicht nachgewiesen werden. Viele Labors würden nun sehr viele Proben von Infizierten sequenzieren, damit die neue Variante erfasst werden kann, hiess es.

Impfung zunächst für über 75-Jährige
Während Fragen zum mutierten Virus abgeklärt werden, muss die Impfung der Bevölkerung anlaufen. Zuerst werden nur über 75-jährige Patienten sowie Hochrisikopatienten mit Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Atemwegsproblemen, Zuckerkrankheit, Übergewicht und Abwehrschwäche geimpft, wie Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen, vor den Medien sagte. In zweiter Priorität kämen dann die 65- bis 74-Jährigen an die Reihe.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde allen, die sich impfen lassen wollten, ein Impfstoff zur Verfügung stehen. Um möglichst viele Impfwillige zu gewinnen, startete das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Dienstag eine nationale Impfkampagne, um den Unklarheiten und der Skepsis mit einer Informationsoffensive zu begegnen. Die Kampagne informiert über den Impfplan, über Argumente zum Impfen sowie zur Funktionsweise und den Nebenwirkungen des Stoffes.

Kantone erlassen weitere Massnahmen
Doch auch wenn das Impfen in der Bevölkerung bevorsteht, kommen die Kantone nicht umhin, ihre Massnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu verschärfen. Dieser Ansicht waren die Kantone Freiburg, Waadt, Neuenburg und Wallis, die ab Samstag Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie Restaurants und Bars schliessen. Sie beziehen sich dabei auch auf die aufgetretene Mutation.

Der Kanton Solothurn zieht zudem mit dem Kanton Aargau gleich und schliesst ab dem 27. Dezember bis zum 31. Januar die Einkaufsläden und die Märkte. Offen bleiben etwa Lebensmittelläden, Apotheken und Blumenläden.

Keine BAG-Zahlen über die Feiertage
Die Zahlen schwanken derzeit um 4000 und 5000 neue Fälle pro Tag. Am Dienstag waren dem BAG 4275 neue Coronavirus-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden. Gleichzeitig wurden 129 neue Todesfälle und 171 Spitaleintritte vermeldet. Die Positivitätsrate – der Anteil der mit dem Coronavirus Angesteckten unter den getesteten Personen – für die vergangenen zwei Wochen lag bei 13,9 Prozent.

Über die Weihnachtsfeiertage will das BAG keine neuen Infektionszahlen zum Coronavirus publizieren. Die Feiertage würden wie Wochenenden behandelt, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im BAG. Die Zahlen an den Wochenenden hätten keinen grossen Wert, weil sie stark schwanken würden. Am Montag werde es wieder Daten geben. (awp/mc/ps)

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