Fallzahlen steigen wieder leicht an – Weitere Entwicklung ungewiss

Fallzahlen steigen wieder leicht an – Weitere Entwicklung ungewiss

Bern – Die Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus und die Inzidenz gehen nicht mehr zurück, sondern steigen eher wieder leicht an. Für die Experten des Bundes ist die weitere Entwicklung nicht klar abzuschätzen.

Am Dienstag wurden dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) 1378 neue bestätigte Fälle gemeldet, das sind 22 Prozent mehr als vor einer Woche. Der 7-Tages-Schnitt lag gemäss einer Berechnung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA im Vergleich zur Vorwoche rund vier Prozentpunkte höher und der R-Wert verharrte vor 10 Tagen – wie bereits seit Mitte Februar – weiterhin über 1 (1,09).

Auch die mutierten, ansteckenderen Varianten legten weiter zu, wenn auch nicht mehr so schnell wie früher. Mittlerweile könnten sie aber in 70 Prozent der Proben nachgewiesen werden und seien in der Schweiz dominant, sagte Virginie Masserey, Leiterin Sektion Infektionskontrolle im Bundesamt für Gesundheit (BAG), vor den Medien.

Stagnation oder Anstieg
Bei all diesen Eckwerten beobachtete das BAG eine Stagnation oder einen leichten Anstieg. Lediglich die Zahl der Todesfälle gehe eher zurück, sagte Masserey. Und bei den Personen über 65 Jahre gebe es keine Übersterblichkeit mehr. Angesichts der Lockerungen von letzter Woche müsse die Lage aber weiterhin sehr gut beobachtet werden.

Auch für Martin Ackermann, Präsident der wissenschaftlichen Task Force des Bundes, ist es zur Zeit «schwierig zu sagen, in welche Richtung sich die Fallzahlen entwickeln werden.» Der beste Weg um einen Anstieg der Fallzahlen zu vermeiden, seien weniger Kontakte und eingeschränkte Mobilität sowie häufiges Testen etwa in Betrieben und Schulen.

Gemäss Rudolf Hauri, Kantonsarzt Zug, Präsident der Vereinigung der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte, stellt die neue Teststrategie des Bundes die Kantone vor eine logistische Herausforderung dar. Nicht möglich seien Massentests in der ganzen Schweiz bis zum 15. März.

Pandemie bekämpfen
Mit diese Massentests werde die Schweiz die Pandemie zwar besser managen können, «mit den Impfungen aber können wir sie bekämpfen», sagte Ackermann. Bislang sind 332’585 Personen vollständig geimpft, das entspricht 3,8 Prozent der Bevölkerung. Bei 286’634 Personen wurde die Erstimpfung durchgeführt.

Gemäss Masserey haben 30 Prozent der Personen über 80 Jahre mindesten eine Dosis erhalten, die meisten Alters- und Pflegeheime seien durchgeimpft. Das BAG habe deshalb in der vergangenen Woche erste Lockerungen der Schutzmassnahmen zugelassen. So könnten die Bewohnerinnen und Bewohner wieder Kontakt untereinander haben, Besuche empfangen und ausgehen.

Das BAG gehe weiterhin davon aus, dass es das Ziel, bis Ende Juni alle Impfwilligen zu impfen, sagte BAG-Vizedirektorin Nora Kronig. Im ersten Quartal habe es eine gewisse Knappheit gegeben, für das zweite Quartal werde mit mehr Dosen gerechnet. Im Januar habe die Schweiz eine halbe Million Dosen erhalten und im Februar 640’000. Für den März werde mit einer Million Dosen des Unternehmens Moderna gerechnet.

Einzige Hoffnung Impfung
Für eine Normalisierung seien die Impfungen «der absolut entscheidende Faktor», betonte Ackermann. Wenn alle impfwilligen Personen das Vakzin erhalten hätten, bedeute das eine grosse Entlastung für alle. Das Virus werde damit zwar nicht verschwinden. Aber das Ziel sei es, dass Sars-Cov-2 keine Bedrohung für die Gesellschaft mehr darstelle.

Doch bis dahin müsse man vorsichtig bleiben. Denn die meisten Leute seien noch nicht immun und die Zahl der Infektionen könne rasch wieder ansteigen. Und ein Jo-Jo-Effekt mit weiteren Schliessungen wäre sehr belastend für die Bürgerinnen und Bürger. Er erwarte deshalb keinen einzelnen grossen Schritt in eine normale Welt, sondern eine schrittweise Normalisierung.

Was die Zukunft und das Coronavirus angeht, so glaubt Ackermann, «dass ich viel öfters eine Maske tragen werde, als ich das früher gemacht habe». Aber dieses Opfer – zum Beispiel während der kalten Saison im öffentlichen Verkehr – werde er gerne in Kauf nehmen, um ein Wiederaufflammen der Epidemie zu verhindern. (awp/mc/ps)

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