Kantone verlängern Massnahmen – Berset besorgt über Verweigerer

Alain Berset
Gesundheitsminister Alain Berset. (Screenshot)

Bern – Angesichts der weiterhin hohen Covid-19-Fallzahlen verlängern mehrere Kantone ihre Corona-Massnahmen. Bundesrat Alain Berset zeigte sich bei einem Besuch im Tessin besorgt darüber, dass eine wachsende Zahl von Menschen die Massnahmen nicht mehr umsetzen wolle.

Die derzeitige Situation sei „ernst“. Das Infektionsniveau habe sich zwar stabilisiert, jedoch auf „sehr hohem Niveau“, sagte der Gesundheitsminister am Donnerstag vor den Medien in Lugano. Die erste und die zweite Wellen der Corona-Pandemie seien kaum miteinander vergleichbar. Diesen Herbst sei nichts mehr von dem noch im Sommer spürbaren Optimismus vorhanden. Es stehe nun ein langer Winter bevor.

Auf das sinkende Vertrauen der Bevölkerung in den Bundesrat angesprochen, sagte Berset, dies sei verständlich. „Alle sind müde, und die Massnahmen sind von Kanton zu Kanton verschieden. Die Leute sind verunsichert.“

Was die Landesregierung jedoch stärker beunruhige, sei die Tatsache, dass eine wachsende Zahl von Menschen die Massnahmen nicht mehr umsetzen wolle. In der Schweiz sei im Unterschied zu anderen europäischen Ländern mit rigideren Massnahmen „noch viel mehr möglich“, erklärte Berset. Aber das setze die Mitarbeit aller voraus.

Lob für Tessiner Bevölkerung
Der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi lobte in seiner Rede die Tessiner Bevölkerung. Dank deren hoher Eigenverantwortung seien im Südkanton während der ersten Welle die „schlimmsten Szenarien“ nicht eingetreten.

An die Eigenverantwortung ihrer Bevölkerung appellierten auch die Kantonsregierungen von Bern und Neuenburg. Gleichzeitig verlängerten sie die über die Regeln des Bundes hinaus gehenden Massnahmen bis zum 7. Dezember.

Auch wenn ein Rückgang der Ansteckungen festzustellen sei, bleibe die Gesundheitslage sehr angespannt, teilte die Neuenburger Regierung mit. Deshalb würden die geltenden Einschränkungen um zwei Wochen verlängert, die Restaurants blieben geschlossen. Der Kantonsrat forderte die Bevölkerung auf, sich weiterhin an die Regeln zu halten, damit eine Wiedereröffnung der Restaurants in gut zwei Wochen möglich werde.

Auch die Berner Kantonsregierung beschloss nach einer Lagebeurteilung, die strikten Massnahmen zu verlängern. Museen, Kinos und Konzertlokale bleiben geschlossen. Die Regierung hoffe, steht in einer Mitteilung, in zwei bis drei Wochen Lockerungen „in Richtung der Bundesmassnahmen beschliessen zu können“.

Stabilisierung auf hohem Niveau
Dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) wurden am Donnerstag 5007 neue Covid-19-Ansteckungen innerhalb von 24 Stunden in der Schweiz und in Liechtenstein gemeldet. Zudem registrierte das BAG 79 neue Todesfälle und 221 weitere Spitaleintritte.

In Woche 46 ging die Anzahl Neuinfektionen im Vergleich zur Vorwoche um 23,4 Prozent zurück. Vom 9. bis 15. November verzeichnete das BAG insgesamt 39’339 neue laborbestätigte Ansteckungen mit dem Coronavirus.

Bis am Donnerstag wurden für diesen Zeitraum 1076 neue Spitaleintritte im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung gemeldet, das sind weniger als in der Vorwoche. Aufgrund fehlender oder verzögerter Meldungen könne aber erst von einer Stabilisierung und noch von keiner klaren Abnahme der Hospitalisationen gesprochen werden, so das BAG.

Im Durchschnitt befanden sich in der besagten Woche 494 Patienten und Patientinnen mit einer Corona-Erkrankung in Intensivpflege, 21 Prozent mehr als in der Woche davor. Und auch die Anzahl Todesfälle pro Woche im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung steigt weiter: Dem BAG wurden 537 Fälle gemeldet, nach 489 Todesfällen in der Vorwoche. Nachmeldungen seien noch zu erwarten, schreibt das BAG. (awp/mc/ps)

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