Gerüchteküche: Bayer sondiert Gebot für Monsanto

Marijn Dekkers

Bayer-Chef Marijn Dekkers. (Foto: Bayer)

Leverkusen / Frankfurt / New York – In der Agrarchemie brodelt die Gerüchteküche: Während am Donnerstagmorgen am Markt noch der weltgrösste Chemiekonzern BASF als möglicher Interessent an dem Saatguthersteller Monsanto herumgereicht wurde, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Nachmittag unter Berufung auf mit der Materie vertraute Personen, dass der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer intern ein Milliardengebot für den US-Konzern auslote.

Intern und mit Beratern seien erste Diskussionen geführt worden, berichtete die Agentur. Dabei gehe es auch um Finanzierungsmöglichkeiten. Monsanto wird am Markt derzeit mit 40 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Agentur zufolge ist aber noch keine endgültige Entscheidung gefallen. Auch andere Formen der Zusammenarbeit seien möglich. Ein Bayer-Sprecher wollte auf Anfrage keinen Kommentar zu Marktgerüchten abgeben. Auch ein Monsanto-Sprecher lehnte gegenüber Bloomberg einen Kommentar ab.

Bayer-Aktien unter Druck – Monsanto-Aktien stark gefragt
Am Markt fielen die Spekulationen auf fruchtbaren Boden. Bayer-Aktien büssten am Nachmittag 4,35 Prozent ein und waren damit schwächster Dax -Wert. Auch BASF-Aktien standen leicht unter Druck. Monsanto-Aktien legten in den USA im frühen Handel um 8,70 Prozent zu. Vorbörslich waren die Aktien bereits stark gefragt gewesen. Die Experten von Bernstein halten eine entsprechende Transaktion unterdessen für «sehr unwahrscheinlich». Entsprechende Signale habe das Unternehmen selbst zuletzt ausgesendet.

Schon vor einigen Wochen hatte es entsprechende Spekulationen gegeben. Damals hielt Analyst John Klein von der Privatbank Berenberg zwar eine Kooperation von Monsanto mit Bayer oder BASF für möglich, Übernahmen oder Fusionen zwischen den drei Unternehmen seien hingegen schwierig zu realisieren.

Fusionskarussell dreht sich schnell
Das US-Unternehmen Monsanto, das wegen seiner gentechnisch veränderten Produkte immer wieder in der Kritik steht, will sein Saatgutgeschäft seit längerem stärken und hatte dazu selbst immer wieder eigene Übernahmen oder Partnerschaften im klassischen Pflanzenschutz ins Auge gefasst. In jüngster Zeit war Monsanto aber mehrfach mit seinen Zukaufsplänen in Europa gescheitert. So blitzte der Konzern etwa im vergangenen Jahr beim schweizerischen Konzern Syngenta ab. Diesen will nun der chinesische Konzern ChemChina für 43 Milliarden US-Dollar schlucken. Nun ist Monsanto also offenbar selbst zu einem Übernahmekandidaten geworden.

Angesicht niedrigerer Preise für Agrarrohstoffe, den Turbulenzen in den Schwellenländern und der Rezession in Brasilien steht die Branche seit einiger Zeit unter erheblichem Druck. Daher kam zuletzt Bewegung ins Fusionskarussell. So planen die US-Konzerne Dow Chemical und Dupont ihren Zusammenschluss. Sie würden damit erst einmal den Branchenprimus BASF vom Thron stossen. Allerdings wollen sich die beiden US-Konzerne nach der geplanten Fusion in drei börsennotierte Unternehmen aufspalten. (awp/mc/ps)

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