Chinas Wirtschaft wächst etwas schneller – aber Probleme bleiben
Peking – Chinas Wirtschaft hat im Sommer etwas an Tempo gewonnen, doch die Probleme im eigenen Land bleiben gross. Das Bruttoinlandsprodukt der zweitgrössten Volkswirtschaft stieg im dritten Quartal um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt in Peking mitteilte. Damit fiel das Wachstum etwas stärker aus als von Volkswirten erwartet. Im zweiten Quartal hatte das Plus noch bei 4,3 Prozent gelegen, nach 5,0 Prozent zum Jahresauftakt.
Für die ersten neun Monate meldete das Statistikamt ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent. Damit bewegt sich China bislang innerhalb des Wachstumsziels der Regierung von 4,5 bis 5 Prozent für das Gesamtjahr.
Statistikamtssprecher Mao Shengyong zeigte sich zuversichtlich, dass China sein Jahresziel erreichen kann. Die Voraussetzungen dafür seien gut, sagte er. Die Abschwächung im zweiten Quartal erklärte er mit der Entwicklung der Ölpreise infolge der Lage im Nahen Osten. Für das Schlussquartal erwarte er eine Verbesserung.
Exportboom sorgt für Handelsspannungen
Chinas Wirtschaft entwickelt sich weiterhin sehr unterschiedlich. Vor allem das Auslandsgeschäft boomt. In den ersten neun Monaten stiegen die Exporte nach Angaben des chinesischen Zolls in US-Dollar gerechnet um 21,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Allein im September betrug das Plus sogar 36,3 Prozent. Besonders die weltweite Nachfrage nach Technologieprodukten, etwa Halbleitern und Elektronik für künstliche Intelligenz (KI), treibt das Geschäft an.
China verkaufte von Januar bis September Waren für rund 938 Milliarden US-Dollar (rund 834 Milliarden Euro) mehr ins Ausland, als es von dort bezog. Der riesige Handelsüberschuss sorgt zunehmend für Spannungen mit wichtigen Handelspartnern. Vor allem in Europa wächst die Sorge, dass günstige chinesische Produkte heimische Hersteller unter Druck setzen.
Auch die Industrie bleibt eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Im September stieg die Produktion grösserer Industriebetriebe im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent, nach 5,2 Prozent im August.
Immobilienkrise verschärft sich weiter
Im eigenen Land sieht die Lage dagegen deutlich schlechter aus. Zwar stiegen die Einzelhandelsumsätze im September um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit stärker als erwartet. Dennoch bleibt der Konsum schwach. Viele Verbraucher halten sich weiterhin mit grösseren Anschaffungen zurück.
Noch deutlicher zeigt sich die Schwäche bei den Investitionen. In neue Fabriken, Maschinen, Gebäude und Infrastruktur floss insgesamt weniger Geld als im Vorjahr. Die sogenannten Anlageinvestitionen gingen von Januar bis September gemessen am Vorjahreszeitraum um 7,2 Prozent zurück. Besonders schwer wiegt die anhaltende Immobilienkrise. Die Investitionen in die Immobilienentwicklung brachen in den ersten neun Monaten um 20,6 Prozent ein.
Die Immobilienkrise belastet die Wirtschaft gleich mehrfach. Viele Wohnungen verlieren an Wert. Das verunsichert die Besitzer, die deshalb weniger Geld ausgeben. Bauunternehmen starten weniger neue Projekte und vergeben dadurch auch weniger Aufträge. Gleichzeitig fehlt vielen Städten Geld. Sie haben lange gut daran verdient, Grundstücke an Bauunternehmen zu vergeben. Doch seit der Immobilienkrise sind diese Einnahmen stark gesunken.
Peking versucht gegenzusteuern
Die Regierung versucht mit zusätzlichen Hilfen, die Nachfrage im Inland zu stärken. Seit Oktober gibt es etwa unter bestimmten Voraussetzungen staatliche Zinszuschüsse für neue Kredite zum Kauf einer ersten Wohnung.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Wachstumserwartungen für China zuletzt leicht gesenkt. Für dieses Jahr rechnet er mit einem Plus von 4,5 Prozent, für 2027 nur noch mit 4,0 Prozent. Der Fonds warnt vor den Folgen der schwachen Nachfrage im Inland und fordert stärkere Unterstützung für den Konsum. Denn auf Dauer könnte es für China schwieriger werden, seine wirtschaftlichen Probleme mit immer höheren Exporten auszugleichen. (awp/mc/pg)