Chrysler lenkt ein: Millionen Jeeps sollen in die Werkstätten

Jeep Grand Cherokee

Jeep Grand Cherokee Baujahr 2004.

Auburn Hills – Auf Druck der US-Verkehrssicherheitsbehörde startet Chrysler einen der grössten Rückrufe der Vereinigten Staaten. Die Behörde NHTSA hatte von dem Hersteller verlangt, insgesamt 2,7 Millionen ältere Jeep Grand Cherokee und Jeep Liberty unter die Lupe zu nehmen. Die Beamten fürchten, dass der Tank bersten und ein Feuer entstehen könnte, wenn die Geländewagen von hinten gerammt werden. Die NTHSA zählte bis zurück ins Jahr 1996 Dutzende derartige Unfälle auf mit 51 Todesopfern.

Konzernchef Sergio Marchionne hatte noch vor zwei Wochen einen Rückruf vehement abgelehnt. Die Fiat -Tochterfirma teilte nun am Dienstag mit, die betroffenen Wagen einer «visuellen Inspektion» zu unterziehen und gegebenenfalls die hintere Struktur zu verstärken, um die bei einem Auffahrunfall auftretenden Kräfte besser in den Griff zu bekommen. Der Hersteller bestand aber weiter darauf, dass «diese Fahrzeuge nicht defekt sind und zu den sichersten ihrer Klasse gehören». Der Fall habe jedoch Bedenken bei den Kunden geweckt, hiess es zur Begründung des Einlenkens.

Fragliche Modelle baugleich in Europa angeboten
Die fraglichen Autos sind der Jeep Grand Cherokee der Modelljahre 1993 bis 2004 sowie der kleinere Jepp Liberty aus den Jahren 2002 bis 2007. Bei diesen Fahrzeugen sitzt der Tank hinter statt vor der Hinterachse. Durch diese Konstruktion sei der Tank verwundbarer für rückwärtige Crashs, schrieben die Experten der Behörde Anfang Juni in einem Brief an Chrysler. Nach Angaben des Center for Auto Safety gehört der Rückruf zu den 20 grössten des Landes. Wie der Fall ausserhalb der USA behandelt wird, steht laut Angaben eines Deutschland-Sprechers von Jeep gegenüber dem Nachrichtenmagazin «Spiegel Online» noch nicht fest. Er bestätigte jedoch, dass die beiden Modelle baugleich in Europa angeboten werden. Anrufe von besorgten Käufern beim Kundenservice sind ihm nicht bekannt.

Das Nein Chryslers zum Rückruf hatte Schlagzeilen gemacht, denn es kommt nicht oft vor, dass sich ein Hersteller gegen die NHTSA stellt. Die Autokonzerne fürchten spätestens seit dem millionenfachen Rückruf von Toyota wegen klemmender Gaspedale einen Imageschaden. Zu den erwarteten Kosten schwieg sich Chrysler in seiner Mitteilung aus. Der Hersteller aus Auburn Hills nahe Detroit ist nach seiner Rettung vor der Pleite im Jahr 2009 wieder profitabel. Der US-Automarkt boomt im Gegensatz zu dem in Europa. (awp/mc/ps)

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