Comcast fährt Rupert Murdoch bei Sky-Übernahme in die Parade

Rubert Murdoch
Medienmogul Rupert Murdoch.

London – Auf dem britischen Pay-TV-Markt bahnt sich ein Showdown zwischen TV-Mogul Rupert Murdoch und dem umtriebigen Comcast-Chef Brian Roberts an. Nachdem der Murdoch-Konzern 21st Century Fox seit Monaten um eine Übernahme des Bezahlsenders Sky ringt, fährt ihm nun Comcast mit einer Gegenofferte in die Parade.

Comcast kündigte am Dienstag an, 12,50 britische Pfund je Sky-Aktie bieten zu wollen. Dies seien rund 16 Prozent mehr als Fox offeriert habe und eindeutig das bessere Angebot, teilte der US-Kabelkonzern mit. Sky würde durch die Comcast-Offerte mit 22,1 Milliarden britischen Pfund (25 Mrd Euro) bewertet.

An der Börse sorgte der Vorstoss von Comcast für Furore. Die Sky-Aktie schoss in die Höhe und legte zuletzt rund 22 Prozent auf 13,49 Pfund zu, angetrieben von der Hoffnung auf ein Nachlegen des Murdoch-Clans.

Murdoch im Zugzwang
«Wenn Fox noch zum Zug kommen will, haben sie keine andere Chance, als ihr Angebot zu erhöhen», brachte Analyst Wilton Fry von der Investmentbank RBC Capital Markets die allgemeine Einschätzung auf den Punkt. «Die Murdochs werden toben vor Wut», sagte Hedgefondsmanager Crispin Odey der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Comcast-Ankündigung sei eine Kriegserklärung und eine Antwort von 21 Century Fox dürfte nicht lange auf sich warten lassen.

Mit der Gegenofferte hat Comcast-Chef Roberts nicht nur Murdoch, sondern auch Disney-Chef Bob Iger gegen sich. Der Unterhaltungsriese ist gerade dabei, sich grosse Teile von Fox für gut 52 Milliarden Dollar einzuverleiben und dürfte auf Sky nicht verzichten wollen. Auch Comcast hatte einst versucht, bei Fox zum Zuge zukommen.

Interessant ist Sky dank seiner 23 Millionen Kunden in Europa für die US-Konzerne allemal. Comcast beispielsweise rechnet vor, dass inklusive Sky der Auslandsanteil am eigenen Umsatz auf 25 Prozent steigen könnte, derzeit liegt er bei unter 10 Prozent. Von Grossbritannien aus wolle er die internationale Expansion vorantreiben, sagte Comcast-Chef Roberts und verspricht weitere Investitionen in das Programm. Auch strategisch stehen Comcast und Co unter Druck, seit Streamingdienste wie Netflix oder Amazon Prime immer mehr Kunden weglocken.

Kaum leichtes Spiel für Comcast
Eigentlich hatte Sky sich schon mit Fox auf ein Zusammengehen geeinigt. Der US-Konzern hält bereits 39 Prozent der Anteile. Analysten glauben daher auch nicht, dass Comcast leichtes Spiel haben wird. Der Kabelkonzern hat sich eine Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent plus eine Aktie gesetzt, würde Sky aber auch gerne komplett schlucken.

In die Hände spielen könnte Comcast, dass Rupert Murdoch in Grossbritannien umstritten ist. Ein Abhörskandal bei einer seiner Zeitungen im Jahr 2011 hatte ihn nicht gerade beliebt gemacht. Die Regulierer prüfen zudem intensiv, ob Murdoch, zu dessen Imperium auch die britischen Zeitungen «The Times» und «The Sun» gehören, in Grossbritannien eine zu grosse Marktmacht erhält. Dadurch ist das Vorhaben, Sky zu übernehmen, zu einer Hängepartie geworden. (awp/mc/ps)

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