Coronavirus: Probelauf für Ostern weitgehend geglückt – Kontroverse um Lockerung

Coronavirus
(Adobe Stock)

Bern – Trotz sonnigem und warmem Wochenend-Wetter haben die meisten Menschen in der Schweiz die Behörden-Anordnungen befolgt und sind zuhause geblieben. Eine Trendwende bei den Fallzahlen ist genau einen Monat nach dem ersten Coronavirus-Todesfall nicht abzusehen. Derweil entwickelt sich eine politische Kontroverse um eine vorzeitige schrittweise Lockerung der Massnahmen.

Gesundheitsminister Alain Berset dürfte jedoch entsprechende Ansprüche am Sonntag gleich im Keim erstickt haben. Eine Lockerung der Coronavirus-Massnahmen auf den 20. April hält er nämlich für „illusorisch“. Erst wenn die Zahl der Hospitalisierungen nicht mehr ansteige, könne man daran denken, sagte er im Interview mit der „Sonntagszeitung“.

Die Erfahrung zeige, wer zu früh nachgebe, verlängere die Krise. Der Zeitpunkt der Lockerung sei nicht nur ein politischer Entscheid, er hänge auch von der Wissenschaft ab. Das Virus gebe das Tempo vor, so Berset.

Aus heutiger Sicht sei es aber nicht möglich zu sagen, ab wann erste Lockerungen verantwortbar seien. „Um es klar zu sagen: Es wird keinen Exit oder Ausstieg geben, sondern einen Übergang mit gewissen Lockerungen“, betont Berset.

Läden und Betriebe wieder öffnen
Genau dies forderten am Wochenende die FDP sowie Wirtschaftskreise und stiegen damit auf den Zug auf, den die SVP vor ein paar Tagen in Bewegung gesetzt hat. Geschäfte und Betriebe, die die Sicherheitsmassnahmen des BAG einhalten könnten, müssten nach dem 19. April geöffnet werden.

Gewerkschaften und Grüne forderten vom Bundesrat am kommenden Mittwoch zumindest, Varianten für eine klare Exit-Strategie vorzulegen. Bersets Partei, die SP, dagegen warnte vor verlockenden Schnellschüssen. Die vorsichtige Politik des Bundesrates habe sich bisher ausbezahlt und müsse fortgeführt werden.

21’100 Infizierte in einem Monat
Genau einen Monat nach dem ersten gemeldeten Todesfall ist in der Schweiz die Zahl der nachgewiesenen Covid-19-Infektionen bis am frühen Sonntagabend um 822 auf 21’100 Fälle gestiegen. Die Kantone meldeten neu insgesamt mindestens 676 Tote – 55 mehr als am Vortag.

Dies ergab eine Zählung der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die sich auf die offiziellen Angaben der Kantone stützte. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit Covid-19 mit 559 an.

Die neusten Fallzahlen zeigen, dass die Zahl der Infektionen weiterhin stetig zunimmt. Mittlerweile weist die Schweiz eine der höchsten Raten an Neuansteckungen in Europa auf.

Hunderte Bussen und Ermahnungen
Trotz Sonnenschein und mancherorts frühsommerlichen Temperaturen über 20 Grad sind die Menschen am Wochenende nicht in Scharen ins Freie geströmt. In der ganzen Schweiz waren Polizisten unterwegs, um die BAG-Regeln durchzusetzen. Sie mussten immer wieder Gruppen ermahnen werden, sich aufzulösen und den Abstand einzuhalten.

In rund 130 Fällen musste die Kantonspolizei Basel-Stadt Uneinsichtigkeit feststellen und mit einer Ordnungsbusse von 100 Franken wegen eines Verstosses gegen das Verbot von Menschenansammlungen im öffentlichen Raum reagieren. Seit dem 21. März sind am Rheinknie rund 200 Bussen verteilt worden.

Im Kanton St. Gallen ist die Polizei wegen der Vorschriften gegen die Coronavirus-Pandemie innerhalb eines Tages über hundert Mal ausgerückt. Über das Wochenende stellte die St. Galler Stadtpolizei über 120 Ordnungsbussen aus, wie sie am Sonntag mitteilte.

„Keine 10 Prozent Verkehr“ am Gotthard
Auf der Nord-Süd-Achse am Gotthard blieb es sehr ruhig. Ein Sprecher der Kantonspolizei Uri gab das Verkehrsaufkommen auf der Autobahn mit „keine 10 Prozent“ des üblichen Ausmasses an. Es habe „keine Sekunde“ Stau gegeben. „Die Leute bleiben zuhause.“

Am Flüelapass GR wiederum war der Ansturm so gross, dass die Kantonspolizei Graubünden am Sonntag die Zufahrt sperren musste.

Fortgesetzt wurde das Reptriierungsprogramm für Schweizer im Ausland: Am Sonntag wurden dutzende auf dem Kontinent Australien gestrandete Menschen repatriiert. Eine vom Aussendepartement gecharterte Maschine der Fluggesellschaft Edelweiss mit 194 Passagieren an Bord landete laut Angaben des Flughafens um 06.20 Uhr in Zürich. Im Flieger befanden sich 172 Passagiere aus der Schweiz sowie 22 Personen aus anderen europäischen Ländern. (awp/mc/ps)

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