Deutsche Telekom dementiert Bericht über drastischen Stellenabbau

René Obermann
René Obermann, ehemaliger Vorstandsvorsitzender Deutsche Telekom.

Telekom-Chef René Obermann. 

Bonn – Der Vorstand der Deutschen Telekom hat keine Pläne für massive Stellenkürzungen. «Es gibt kein neues Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen», sagte ein Konzernsprecher am Donnerstag und wies anderslautende Medienberichte als «völligen Unsinn» zurück. Danach soll der Bonner Konzern angeblich über die Einsparung von bis 12.000 Mitarbeitern in den Servicesparten des Unternehmens nachdenken. Bisher hatten die Bonner die hohe Belegschaftszahl, die noch aus den Zeiten als Staatsmonopolist stammt, kontinuierlich, aber behutsam verringert.

Telekom-Chef Rene Obermann stellt am Donnerstagabend Investoren die Strategie für die kommenden Jahre vor. Dabei werden Aussagen zur künftigen Dividende sowie zu Gewinnzielen erwartet, zu einem Stellenabbauprogramm dagegen nicht. An der Börse sank die T-Aktie in einem ansonsten freundlichen Umfeld um 0,74 Prozent auf 8,56 Euro und setzte sich damit ans Dax-Ende .

Telekommunikationsbranche unter Druck
Wie andere grosse Anbieter in Europa reagiert die Telekom seit Jahren mit kontinuierlichem Stellenabbau und einer Verschlankung ihrer Prozesse auf den zunehmend härter werdenden Wettbewerb. Bisher blieben ihr aber schlagartige Stellenstreichungen, wie sie France Telecom und Telefonica vorgenommen haben, erspart. 2011 hatte der Konzern im Schnitt 240.000 Vollzeitstellen. 2009 waren es noch 258.000 gewesen. Dieses Jahr hatte die Telekom bereits Kürzungen am Hauptsitz eingeleitet. Bis 2015 sollen 1.300 Arbeitsplätze wegfallen. Bereits gegen diesen vergleichsweise geringen Abbau hatte es Proteste gegeben.

Telekomkonzerne haben es in Europa erheblich schwerer als in den USA. Während dort der Markt weiter wächst und Telefonierer bereit sind, immer mehr Geld besonders für mobiles Internet auszugeben, liegt der monatliche Durchschnittsumsatz in Europa etwa bei der Hälfte. Verbraucher achten angesichts der Schuldenkrise und der schwachen Konjunktur auf Preise und wechseln zu Günstiganbietern. Zudem deckeln Regulierer Einnahmequellen wie Preise für SMS, das Weiterleiten von Anrufen ins eigene Netz und Roaminggebühren im Ausland immer weiter ab. Besonders ehemalige Staatsmonopolisten mit teuren Netzen und einer traditionell sehr grossen Belegschaft sehen ihre Marge kontinuierlich schrumpfen.

Kein Spielraum für hohe Dividende
Anders als der Grossteil der Konkurrenz hat die Telekom sich von ihrem hohen Dividendenniveau noch nicht verabschiedet. Wie für das vergangene Jahr soll die Ausschüttung für 2012 bei 70 Cent je Aktie liegen. Dabei nehmen die Bonner den freien Barmittelzufluss zum Massstab, nicht den Überschuss. Um die Dividende zu bezahlen und Aktionäre angesichts sinkender Aktienkurse bei Laune zu halten, greifen sie aber tief in die Reserven. Hätte Unternehmenschef Obermann wie geplant die amerikanische Mobilfunktochter an AT&T verkaufen dürfen, wären 39 Milliarden Dollar nach Bonn geflossen. Nun, da er die Sparte mit dem US-Anbieter MetroPCS zusammenlegt, muss er noch Geld drauflegen. Spielraum für Dividenden, die den Überschuss übersteigen, bleibt so nicht. (awp/mc/upd/ps)

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