Deutschland: Ifo-Geschäftsklima überraschend leicht eingetrübt

Clemens Fuest
Clemens Fuest, Präsident des Ifo-Instituts. (Foto: CESifo-Gruppe)

Ifo-Präsident Clemens Fuest. (Foto: Ifo-Institut)

München – Die Stimmung in deutschen Unternehmen hat sich im April überraschend eingetrübt. Der Indikator verweist aber weiter auf Wachstum. «Die deutsche Wirtschaft bleibt in einem moderatem Aufschwung», sagte Ifo-Chef Clemens Fuest am Montag. Das Ifo-Geschäftsklima fiel zum Vormonat leicht um 0,1 Punkte auf 106,6 Zähler, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Volkswirte hatten dagegen mit einem Anstieg auf 107,1 Punkte gerechnet. Experten führen die enttäuschenden Daten auf die Börsenturbulenzen zum Jahresbeginn und auf einen schwächelnden Exportsektor zurück.

Im März war der Index nach drei Rückgängen in Folge wieder gestiegen. Im Februar hatte der Zähler den tiefsten Stand seit Dezember 2014 erreicht. Ausschlaggebend für die Stimmungseintrübung im April war die Einschätzung der aktuellen Lage. Der Zähler sank von 113,8 auf 113,2 Punkte. Experten hatten mit einem unveränderten Wert gerechnet. Die Erwartungen an künftige Geschäfte haben sich dagegen leicht aufgehellt. Allerdings fiel der Anstieg von 100,0 auf 100,4 Punkte schwächer als erwartet aus.

Schwache Dynamik
Die Daten verwiesen auf eine weiterhin schwache konjunkturelle Dynamik, sagt Viola Julien, Analystin bei der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Insgesamt befinde sich der Indikator aber noch immer auf hohem Niveau. Es bleibe daher bei einem moderaten Wachstumsszenario für die deutsche Wirtschaft.

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, führt die enttäuschenden Daten auf Nachwirkungen der Börsenturbulenzen vor einigen Monaten zurück. «Der Stachel der Finanzmarktturbulenzen zu Jahresbeginn sitzt noch tief», sagte Gitzel.

Sorgenkind Exportwirtschaft
«Unter der Oberfläche solider Daten, zeichnet sich ein bedenklicheres Bild ab», sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei der Bank Ing-Diba. Die Industrie und die Exportsektorten hätten noch immer Probleme, Fuss zu fassen. Statt auf den alten langjährigen Wachstumstreiber Exportwirtschaft stütze sich die Wirtschaft derzeit auf den Konsum, den Bausektor und die Dienstleistungen. «Es bleibt noch zu beobachten, ob das wirklich ein nachhaltig erfolgreicher Weg sein wird», so Brzeski.

Einen etwas optimistischeren Blick auf die Exportwirtschaft hat Experte Gitzel. Er führt den leicht gestiegenen Optimismus der Unternehmer mit Blick nach vorn auf neue Hoffnungen in Anbetracht verbesserter Konjunkturdaten aus China und den USA zurück. Dem stünden allerdings auch erhebliche Risiken gegenüber, allen voran ein möglicher Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union sowie der Skandal um manipulierte Abgaswerte, der sich ursprünglich allein auf den Autobauer Volkswagen bezog, nun aber weitere Kreise ziehen könnte.

Finanzmärkte reagieren gelassen
An den Finanzmärkten zeigten die Ifo-Daten keine nachhaltigen Auswirkungen. Der deutsche Aktienindex Dax gab nur vorübergehend leicht nach. Der Euro reagierte kaum. Der Ifo-Geschäftsklimaindex basiert auf einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter etwa 7000 Unternehmen, die einmal im Monat durchgeführt wird. (awp/mc/upd/ps)

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