Deutschland: Starker Anstieg des ZEW-Indikators deutet Konjunkturwende an

Deutschland: Starker Anstieg des ZEW-Indikators deutet Konjunkturwende an
ZEW-Präsident Achim Wambach. (Foto: ZEW)

Mannheim – Die Konjunkturerwartungen deutscher Finanzexperten haben sich im November stark verbessert. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stieg um 20,7 Punkte auf minus 2,1 Zähler, wie das Institut am Dienstag in Mannheim mitteilte. Volkswirte wurden vom Ausmass der Verbesserung überrascht. Sie hatten nur mit einem Anstieg des Stimmungsindikators auf minus 13,0 Punkte gerechnet.

Damit erreichte der Indikator für die Konjunkturerwartungen der Finanzprofis den besten Wert seit Mai. Nach Einschätzung von Ökonomen könnte die deutsche Wirtschaft die Talsohle durchschritten haben. Im August war der Indexwert für die Konjunkturerwartungen noch bis auf minus 44,1 Punkte gefallen und damit auf den tiefsten Stand seit Ende 2011.

Hoffnung keimt auf
„Die Hoffnung steigt, dass sich das internationale wirtschaftspolitische Umfeld in der näheren Zukunft verbessern wird“, kommentiert ZEW-Präsident Achim Wambach. Die Chancen auf ein Abkommen zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union und damit auf einen geregelten Austritt Grossbritanniens seien inzwischen erkennbar grösser geworden. Ausserdem verwies Wambach auf die jüngste Entwicklung im Handelskonflikt zwischen den USA und China. Hier scheine eine Einigung etwas näher zu rücken.

Die aktuelle konjunkturelle Lage wird von den befragten Finanzexperten im November ebenfalls besser eingeschätzt. Hier legte der entsprechende Stimmungsindikator aber nur leicht zu, um 0,6 Zähler auf minus 24,7 Punkte. Bei der Einschätzung der Lage und der Konjunkturerwartungen für die Eurozone zeigten die ZEW-Daten für November hingegen jeweils eine deutliche Verbesserung.

Schlimmstes an Hiobsbotschaften vorüber?
„Möglicherweise liegt also vorerst das Schlimmste an Hiobsbotschaften hinter der deutschen Volkswirtschaft“, kommentierte der Chefvolkswirt der VP-Bank, Thomas Gitzel. „Die Hoffnungen auf einen glimpflichen Ausgang des Handelsstreits, ein möglicher geregelter Brexit, jüngste Zahlen aus der Industrie sowie die Rekordjagd an den Aktienmärkten dürften die befragten Finanzmarktexperten optimistisch gestimmt haben“, sagte Experte Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg.

Experte Marco Wagner von der Commerzbank warnte aber vor zu viel Optimismus. Seiner Einschätzung nach dürfte sich die Weltwirtschaft in den kommenden Monaten zwar beleben. Allerdings sei nur „mit einer recht sanften Erholung“ zu rechnen.

An der Umfrage des ZEW-Instituts haben sich 200 Analysten und institutionelle Anleger im Zeitraum vom 4. bis 11. November beteiligt. An diesem Donnerstag werden erste Daten zum deutschen Wirtschaftswachstum im dritten Quartal erwartet. Analysten rechnen im Schnitt mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 Prozent. Es wäre der zweite Rückgang in Folge, was Ökonomen als eine „technische Rezession“ bezeichnen. (awp/mc/ps)

ZEW

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