Lufthansa von Nordafrika und Kerosinpreis gebremst

Christoph Franz

Lufthansa-Chef Christoph Franz.

Frankfurt am Main – Die Unruhen in Nordafrika, das Erdbeben in Japan und teures Kerosin haben den Höhenflug der Lufthansa im ersten Halbjahr deutlich gebremst. Obwohl sich die Flugtickets glänzend verkauften, sackte Europas grösste Fluggesellschaft unter dem Strich tief in die roten Zahlen. Im operativen Geschäft schaffte es der Dax-Konzern nur knapp in die Gewinnzone. Dies verdankte sie auch den guten Geschäften der Frachttochter Lufthansa Cargo, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Halbjahresbericht hervorgeht.

Trotz aller Schwierigkeiten hält der Vorstand an dem Ziel fest, 2011 den operativen Gewinn von 876 Millionen Euro aus dem Vorjahr zu übertreffen. Die Lufthansa-Aktie reagierte am Vormittag mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. Kurz nach Handelsbeginn verlor das Papier mehr als fünf Prozent seines Werts und lag zuletzt noch mit 2,76 Prozent im Minus bei 14,075 Euro. Während das Unternehmen den Verlust unter dem Strich überraschend stark eindämmen konnte, hatten Analysten beim operativen Gewinn deutlich mehr erwartet.

Flugausfälle belasten
Zwischen Januar und Juni wuchs der Konzernumsatz um elf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Nachdem die Lufthansa im ersten Quartal tief in die roten Zahlen geflogen war, konnte sie den Verlust im zweiten Jahresviertel gerade so ausgleichen: Zur Jahresmitte stand ein operativer Gewinn von drei Millionen Euro zu Buche. Ein Jahr zuvor hatten die Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island der Gesellschaft sogar ein Minus von 171 Millionen Euro eingebrockt. Unter dem Strich steckt die Lufthansa nach den ersten sechs Monaten allerdings mit 206 Millionen Euro doppelt so tief in der Verlustzone wie ein Jahr zuvor. So hatte die Lufthansa schon im ersten Jahresviertel den Wert von Optionsgeschäften nach unten korrigieren müssen, mit denen sie ihre Einkaufspreise für Kerosin abgesichert hatte. Im zweiten Quartal konnte sie dieses Minus nur teilweise wettmachen.

Fracht boomt
Unterdessen federte das boomende Frachtgeschäft die roten Zahlen der Passagiersparte ab. Die Konzerntochter Lufthansa Cargo erreichte mit einem operativen Gewinn von 133 Millionen Euro fast ihren Rekord aus dem Vorjahr. Die wichtigste Konzernsparte, das Passagiergeschäft, schrieb hingegen Verlust. Als einzige Fluglinie konnte die Schweizer Konzerntochter Swiss schwarze Zahlen vorweisen und ihren operativen Gewinn sogar auf 104 Millionen Euro verdoppeln. Die Fluglinien unter der Marke Lufthansa sowie die Töchter Austrian Airlines (AUA), British Midland (BMI) und Germanwings hielten den hohen Ölpreisen und den Krisen in Japan und Nordafrika hingegen nicht stand. Insgesamt kam die Passagiersparte auf einen operativen Verlust von 239 Millionen Euro. Während die AUA in diesem Jahr weiterhin einen operativen Gewinn erzielen soll, erwartet der Vorstand bei BMI eher ein noch grösseres Minus als im Vorjahr. Jetzt sollen eine neue Verkaufsinitiative und eine stärkere Konzentration der Kräfte dem Unternehmen helfen.

Teurer Treibstoff
Der britischen Tochter machen die gestiegenen Treibstoffkosten noch stärker zu schaffen als dem Gesamtkonzern, wie es im Geschäftsbericht heisst. Insgesamt musste die Lufthansa im ersten Halbjahr gut drei Milliarden Euro für Treibstoff ausgeben, fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr rechnet Finanzchef Stephan Gemkow jetzt damit, dass die Treibstoffkosten statt auf 6,5 Milliarden nur auf 6,4 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren es 5,2 Milliarden Euro gewesen. Die hohen Treibstoffpreise machen auch anderen Fluggesellschaften zu schaffen. Bei dem irischen Billigflieger Ryanair sprangen die Kerosinkosten im vergangenen Quartal um fast die Hälfte in die Höhe und zehrten an den Mehreinnahmen aus dem Ticketverkauf. (awp/mc/ps)

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