Philips erleidet Gewinneinbruch

Frans van Houten
Philips-Konzernchef Frans van Houten.

Philips-CEO Frans van Houten.

Amsterdam – Der Elektronikkonzern Philips hat im Schlussquartal 2011 mit einem schwachen Europageschäft und hohen Belastungen aus dem Konzernumbau gekämpft. Unter dem Strich rutschten die Niederländer stärker in die roten Zahlen als befürchtet. Verschiebungen bei Lieferungen in der Gesundheitstechnik und ein Lagerabbau im Lichtgeschäft hätten zudem auf dem Quartal gelastet, sagte Vorstandschef Frans van Houten am Montag in Amsterdam.

Auf das laufende Jahr blickt der Manager mit Sorge. Er rechnet zudem mit weiteren Belastungen aus dem Umbau, zu dem auch ein Stellenabbau gehört.

Auch der deutsche Rivale Siemens berichtete unlängst über zögerliche Kunden und Spuren, die die ungelöste Schuldenkrise in der Realwirtschaft hinterlassen habe. Trotz eines Einbruchs schrieb Siemens aber weiterhin einen Milliardengewinn. An der Börse enttäuschten die Philips-Zahlen. Die Aktie fiel am Morgen um 2,92 Prozent auf 15,125 Euro. Sie war damit grösster Verlierer im Eurostoxx50 der um 0,70 Prozent nachgab.

Mittelfristziele stehen
Die ehrgeizigen Mittelfristziele für 2013 hätten weiterhin Bestand, bekräftigte van Houten. So soll 2013 ein jährliches Umsatzwachstum von vier bis sechs Prozent zu Buche stehen. Bei der berichteten Gewinnspanne vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (EBITA) sollen es weiterhin zehn bis zwölf Prozent sein. Zum Vergleich: Im abgelaufenen Quartal lag sie bei 7,5 Prozent.

Unter dem Strich stand zwischen Oktober und Dezember ein Minus von 160 Millionen Euro, deutlich mehr als Analysten erwartet hatten. Der Umsatz legte hingegen wegen des insgesamt robusten Konsumelektronikgeschäfts und ersten Erfolgen aus den Umbaumassnahmen um 3 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro zu. Operativ und vor Zinsen und Steuern (EBIT) blieben 262 Millionen Euro übrig. Vor einem Jahr waren es noch 796 Millionen Euro.

Preisdruck im Lichtgeschäft
Aufträge und Erlöse im Gesundheitsgeschäft, in dem Philips mit Siemens konkurriert, legten insgesamt zu. Wobei in der Region Europa ein deutlicher Rückgang von 14 Prozent bei den Bestellungen zu Buche stand. Zudem verlangten viele europäische Kunden eine spätere Auslieferung. Da aber die Auftraggeber in Nordamerika und den Schwellenländer mehr bestellten, konnte Philips die Schwäche im Heimatmarkt mehr als ausgleichen. Bei den Gewinnen schlugen Einmaleffekte und die verzögerten Auslieferungen hingegen durch und schmälerten das Ergebnis der wichtigen Sparte merklich.

Wie die Siemens-Tochter Osram spürte auch Philips den Preisdruck im Lichtgeschäft. So wuchsen zwar die Umsätze und die Nachfrage aus der Automobilindustrie brummt weiterhin, dafür sanken die Preise bei Lampen für Privathaushalte und auch für die Leuchtdioden, die langfristig die herkömmlichen Energiesparlampen ablösen sollen. Zudem vermiesten eine ganze Reihe von Effekten die Gewinnbilanz. Etwa für den Lagerabbau oder Abschreibungen auf den Markenwert.

TV-Sparte sorgt noch einmal für dickes Minus
Bei der Konsumelektronik legte der Umsatz mit einem Plus von einem Prozent noch minimal zu. Haushaltsgeräte und elektrische Rasierer oder Zahnbürsten verkauften sich gut, während die Unterhaltungselektronik ein zweistelliges Umsatzminus verdauen musste. Höhere Werbeausgaben und Einmalkosten für den Umbau lasteten auf den Ergebnissen. Von der verlustträchtigen TV-Sparte, die Philips im laufenden ersten Quartal an den langjährigen chinesischen Partner TPV abgeben will, gab es auch in der Zeit zwischen Oktober und Dezember teure Hiobsbotschaften. So kamen zu Verlusten aus dem TV-Absatz noch Kosten für die Ausgliederung und Abschreibungen auf den Unternehmenswert. Insgesamt belief sich der Verlust im TV-Geschäft auf 325 Millionen Euro, der sich damit fast verachtfachte.

Bis Ende 2014 will Philips 800 Millionen Euro einsparen. Etwa in der Verwaltung, der IT, im Finanzressort sowie im Personalwesen und Immobilienmanagement des Konzerns. Zunächst einmal kosten die Einschnitte aber Geld. Mit insgesamt 373 Millionen Euro Kosten und Investitionen in fast der selben Höhe kalkulieren die Niederländer. Davon dürfte mit 200 Millionen Euro der grösste Block im laufenden Jahr anfallen. Einen gewichtigen Anteil daran dürfte auch der weltweite Abbau von rund 4.500 Stellen haben. Vorstandschef van Houten hatte im Herbst gesagt, dass Philips noch in den ersten Etappen eines mehrjährigen Aufarbeitungsprozesses sei, um ein mehr unternehmerisch denkender und schlankerer Konzern zu werden. Insgesamt beschäftigte Philips Ende Dezember 121.888 Mitarbeiter. (awp/mc/pg)

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