Preiskampf setzt Autobauer in Europa unter Druck

Dieter Zetsche

«Ein Markt, in dem mit sehr harten Bandagen gekämpft wird, ist Deutschland»: Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Paris – Wachstum ja, Entwarnung nein: Europa bleibt für die Autobranche ein heisses Pflaster. Obwohl die Verkaufszahlen mühsam nach oben klettern, kann sich kaum ein Hersteller dem Preiskampf um die verunsicherten Kunden entziehen. Selbst die grossen Namen der Oberklasse bekommen das zu spüren. Der heftige Markteinbruch in Russland drückt zusätzlich die Stimmung auf dem Pariser Autosalon. Ford kostet das schwache Russland-Geschäft sogar die für 2015 fest eingeplante Rückkehr in die schwarzen Zahlen.

Das Preisniveau auf dem Heimatkontinent sei schlechter als zu Jahresbeginn erwartet, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer am Donnerstag in Paris. Das schlage zwar noch nicht auf die Gewinnziele durch – aber vor allem in Deutschland habe sich die Lage zugespitzt: «Das ist wirklicher Wettbewerb mit Konsequenzen für den Preis», sagte Reithofer. Das sieht auch Daimler-Chef Dieter Zetsche so: «Ein Markt, in dem mit sehr harten Bandagen gekämpft wird, ist Deutschland», sagte er.

Dank ihrer jüngsten Modellwechsel können die Stuttgarter laut Zetsche aber wieder höhere Preise durchsetzen. In Europa und auch weltweit seien die Rabatte bei Mercedes-Benz zurückgegangen, sagte er. Insgesamt sei der Markt in Europa aber «nicht so begeisternd». Audi -Chef Rupert Stadler sprach von «riesigen Herausforderungen» für die Branche. Es gebe viele Turbulenzen.

Opel-Verkäufe brechen in Russland ein
Die bekommt Opel vor allem in Russland zu spüren. In den ersten acht Monaten brachen die Verkaufszahlen der Rüsselsheimer dort um fast ein Fünftel ein. Das könne der Autobauer aber kompensieren, sagte Opel-Chef Karl-Thomas Neumann und hält an seinem Gewinnziel für 2016 fest. «Wir gewinnen im Moment in 14 europäischen Ländern Marktanteile dazu, dazu gehören Deutschland, England und Spanien.» Dabei helfe, dass Opel seine veraltete Modellpalette gerade Stück für Stück modernisiere.

Der Manager räumte aber ein, dass in einigen Ländern ein ziemlich hohes Rabattniveau herrsche. Daran habe sich Opel bei einzelnen Fahrzeugen beteiligt. «Aber in der Summe spüren wir deutlich, dass die Marke Opel wieder Rückenwind hat und die Kunden gerade neue Produkte wie den Mokka in der Regel ohne Nachlässe kaufen.»

Härter trifft es Ford: Der US-Konzern verkaufte in Russland sogar 43 Prozent weniger Autos als im Vorjahr und kassierte Anfang der Woche sein Gewinnziel. Wann das Europa-Geschäft wieder Geld abwirft, liess Europa-Chef Stephen Odell offen: «Wir geben noch keine Prognosen für die Jahre nach 2015.» Zum Ende des Jahrzehnts strebe Ford-Europa aber drei bis fünf Prozent Gewinnmarge an.

«Porsche lebt nicht auf einer Insel»
Selbst die Sportwagenschmiede Porsche – einer der profitabelsten Autobauer der Welt – lässt die Krise nicht kalt. «Porsche lebt nicht auf einer Insel», sagte Vertriebsvorstand Bernhard Maier. In Russland etwa sei der Rückgang der Verkaufszahlen seit Juli «sehr zu spüren».

Auf Kurs ist dagegen Toyota : Die Nummer eins der Branche konnte in den ersten acht Monaten in Russland sogar leicht zulegen und dürfte sein Absatzziel für Europa leicht übertreffen, sagte Europa-Chef Didier Leroy. Keine Entwarnung gab Vorstandskollege Karl Schlicht unterdessen für den Preiskampf in Europa: «Die Rabattschlacht ist weiterhin hart.» (awp/mc/ps)

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