Saab kann Löhne nicht mehr zahlen

Victor Muller

Saab-Inhaber und Interims-CEO Victor Muller.

Stockholm – Der angeschlagene Autohersteller Saab hat kein Geld mehr für Löhne und Gehälter. Wie das schwedische Unternehmen am Donnerstag in Trollhättan mitteilte, können die fälligen Monatsentgelte für die Beschäftigten nicht ausgezahlt werden. Weiter hiess es, dass Verhandlungen über eine schnelle Lösung des Problems geführt würden, der Erfolg aber unsicher sei.

Saab-Sprecherin Gunilla Gustavs nannte die Lage im Rundfunksender SR «bedauerlich und traurig». Medienangaben über einen angeblich bevorstehenden Insolvenzantrag wollte sie nicht kommentieren. Am Vorabend waren Verhandlungen mit 800 Zulieferern über eine Stundung von Saab-Schulden gescheitert. Die Produktion im westschwedischen Trollhättan mit 3.700 Beschäftigten hat seit mehreren Wochen mit kurzen Ausnahmen stillgestanden.

Geldzusagen aus China
Der niederländische Saab-Eigner Swedish Automobile (früher Spyker Cars) will das langfristige Überleben des Unternehmens durch Kapital des chinesischen Autoherstellers Zheijang Youngman Lotus und des Autogrosshändlers Pang Da sichern. Beide haben zusammen 245 Millionen Euro als neue Teileigner zugesagt, dazu aber bisher nur eine Absichtserklärung unterzeichnet. Bemühungen um kurzfristige Gelder durch Verkauf der Saab-Anlage sind erfolglos geblieben. Bei dem Hersteller von Autos für gehobene Ansprüche sind im ersten Quartal nur 10.000 Wagen und im zweiten fast keine mehr vom Band gerollt. Auch vor dem Verkauf durch den US-Konzern General Motors an den jetzigen niederländischen Eigner Anfang 2010 hatte Saab mit jährlichen Produktionszahlen um 100.000 zu den kleinsten Serien-Herstellern in Europa gehört.

Lage «äusserst düster»
Die schwedische Metall-Gewerkschaft stuft die Lage bei Saab als akut bedrohlich ein. Wenige Stunden nach Bekanntgabe ausbleibender Lohnzahlungen meinte der zuständige Sekretär Veli-Pekka Säikälä am Donnerstag auf der Internetseite der Gewerkschaft: «Man soll die Hoffnung nie aufgeben, aber im Moment sieht es äusserst düster aus.» Die Metallgewerkschaft kündigte sofortige schriftliche Zahlungsaufforderungen an Saab für ihre betroffenen 1.400 Mitglieder an. Nach deren Ablauf ohne Zahlung sei auch ein Insolvenzsantrag durch die Gewerkschaft möglich, erklärte ein Sprecher im Rundfunk. Der vorübergehend bei Saab als Insolvenzverwalter tätige Anwalt Peter Törngren sagte der Internet-Ausgabe der Wirtschaftszeitung «Dagens Industri»: «Das letzte, was ein Unternehmen nicht mehr zahlt, sind Steuern und Löhne.» Törngren war vor dem Saab-Verkauf durch General Motors (GM) an Spyker Cars 2010 als einer von zwei Insolvenzverwaltern in Trollhättan tätig.

Keine Hilfe von Schwedens Regierung
Die schwedische Regierung will keine Initiativen zur Rettung des angeschlagenen Autoherstellers Saab in Gang setzen. Wirtschaftsministerin Maud Olofsson sagte dazu in Stockholm: «Saab hat hier die Verantwortung und muss selbst finanzielle Lösungen finden.» Das Unternehmen konnte am Donnerstag fällige Lohn- und Gehaltszahlungen für eigene Mitarbeiter nicht mehr aufbringen. Die Ministerin meinte weiter, das Unternehmen müsse genügend liquide Mittel für Löhne und Gehälter sowie auch die offenen Rechnungen von Zulieferern aufbringen. Erst danach könne die Regierung Entscheidungen zu den Plänen des Unternehmens treffen. «Ich hoffe wirklich, dass sie das schaffen», sagte Olofsson. (awp/mc/upd/ss)

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