Hauptversammlung entlastet Osram-Chef trotz Siemens-Votums

Olaf Berlien

Steht in der Kritik von Siemens: Osram-Konzernchef Olaf Berlien. (Foto: Osram)

München – Das Verhältnis zwischen Siemens und der Führung der ehemaligen Licht-Tochter Osram bleibt schwer gestört. Auf der Hauptversammlung des Lampenherstellers hat der Elektrokonzern – noch immer grösster Einzelaktionär bei Osram – Konzernchef Olaf Berlien das Vertrauen entzogen. Berlien habe mit seinem überraschenden Strategiewechsel bei Osram Börsenwert vernichtet und das Risiko deutlich erhöht, sagte Siemens-Vertreter Christian Bleiweiss am Dienstag in München und kündigte an, gegen Berliens Entlastung zu stimmen. Die übrigen Anteilseigner folgten dem aber nicht: Berlien wurde mit 71 Prozent der anwesenden Stimmen entlastet.

Der Osram-Aufsichtsrat stellte sich nach der Versammlung demonstrativ hinter Berlien. «Die Umsetzung der Strategie ist im Sinne des Unternehmens, seiner Mitarbeiter und seiner Kunden. Sie ist aus Sicht des Aufsichtsrats alternativlos für eine nachhaltige Zukunft des Unternehmens», sagte Aufsichtsratschef Peter Bauer.

Berlien hatte im November überraschend angekündigt, in Malaysia für eine Milliarde Euro eine LED-Fabrik zu bauen, die Leuchtdioden für den Massenmarkt herstellt. Der Aktienkurs war danach um ein Drittel eingebrochen. Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser hatte kritisiert, sein Konzern habe so über Nacht 260 Millionen Euro verloren. Siemens hält 17,5 Prozent an Osram. Inzwischen hat sich die Aktie aber behauptet.

Bleiweiss sagte, der Bau der LED-Fabrik in Malaysia berge ein beträchtliches Risiko. Die Informationspolitik sei zudem mangelhaft gewesen. Berlien habe den Konzern nicht mit der notwendigen Vorsicht und Umsicht gelenkt. Die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank und Vertreter von Kleinaktionären äusserten auf dem Aktionärstreffen dagegen vorsichtige Rückendeckung für Berlien.

«Strategischer Salto mortale»
Die Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, kritisierte, Berlien habe einen «strategischen Salto mortale» locker nebenbei verkündet und durch dieses «Kommunikationsdesaster» die Aktie im November um ein Drittel abstürzen lassen. Aber: «Wir brauchen LED, wir brauchen diesen Bereich, aus meiner Sicht war das eine richtige Entscheidung.»

Deutsche-Bank-Fondsmanager Tim Albrecht lobte: «Heute befindet sich Osram in einer blendenden Verfassung.» Die Halbleitersparte mache glänzende Profite, der Konzern sei schuldenfrei, und der Aktienkurs habe sich besser entwickelt als der MDax . Ob der überraschende Gang aus der Nische richtig sei, «ob es sich um Mut oder Übermut handelt, wird die Zukunft zeigen». Gut sei, dass Osram aus einer Position der Stärke handle.

Berlien sagte, bei Autolampen sei Osram Weltmarktführer – aber sich darauf auszuruhen, hätte die Zukunft des Konzerns gefährdet. Die hochwertigen LEDs für Autos und die Industrie würden von billigen Massen-LEDs verdrängt, deshalb müsse das Unternehmen auch dort mitspielen. Osram erschliesse durch den Bau der neuen Fabrik für LEDs für den Massenmarkt neue Wachstumspotenziale.

Die Abspaltung des traditionellen Lampen- und Leuchtröhrengeschäfts mit inzwischen nur noch 9500 Mitarbeitern laufe auf Hochtouren. Von Kaufinteressenten seien mehrere Angebote eingegangen. (awp/mc/upd/ps)

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