Steigende Armut: Corona eliminiert in Lateinamerika 34 Millionen Arbeitsplätze

Argentinien
Blick auf die argentinische Hauptstadt Buenos Aires. (Photo by Andrea Leopardi on Unsplash)

Lima – Mindestens 34 Millionen Menschen in Lateinamerika und der Karibik haben wegen der Corona-Pandemie im ersten Halbjahr 2020 ihre Jobs verloren. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) am Mittwoch in der peruanischen Hauptstadt Lima vorstellte. Dieser beruht auf Daten aus neun Ländern mit zusammen mehr als 80 Prozent der Gesamtbevölkerung der Region.

Die UN-Organisation warnte vor einer beispiellosen Krise der Arbeitsmärkte und „einem drastischen Schrumpfen von Erwerbstätigkeit, Arbeitszeit und Einkommen.“

Beschäftigungsquote auf historischem Tiefststand
Lateinamerika und die Karibik ist nach diesem Bericht die Weltregion mit dem grössten prozentualen Rückgang bei Arbeitszeit und Arbeitseinkommen. Die Beschäftigungsquote – der Anteil der Erwerbstätigen an der Bevölkerung – fiel demnach im ersten Quartal dieses Jahres auf einen „historischen Tiefstand“ von 51,1 Prozent. Im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahres sei dies ein Rückgang um 5,4 Prozentpunkte in der Region mit rund 600 Millionen Einwohnern.

Bestehende Ungleichheiten und strukturelle Probleme verschlimmert Manche der Jobverluste seien temporär. Erste Informationen aus dem dritten Quartal deuteten zudem eine Erholung an. Die Pandemie habe bestehende Ungleichheiten und strukturelle Probleme jedoch verschlimmert. Dies könne sich auch in einer Erholung fortsetzen, hiess es von der ILO. „Das Defizit an formeller Arbeit wird noch deutlicher werden für bestimmte Arbeitgruppen wie junge Menschen, Frauen und Erwachsene mit niedrigeren Qualifikationen.“

Einige Länder, die bisher am meisten unter der Corona-Krise gelitten haben, liegen in Lateinamerika. Brasilien und Mexiko sind unter den vier Ländern mit den meisten Todesfällen. Zu den neun Staaten mit den meisten Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 gehören Brasilien, Kolumbien, Peru, Argentinien und Mexiko.

Armut in Argentinien nimmt in Corona-Pandemie zu
Argentinien zeigt deutlich auf, wie in diesen Ländern die Armut zunimmt. In dem einst reichen Land leben inzwischen 40,9 Prozent der Menschen unter der Armutsgrenze. Das sind 5,5 Prozentpunkte mehr als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres. 10,5 Prozent der Menschen leben demnach in extremer Armut – 2,8 Prozentpunkte mehr als im Vergleichzeitraum ein Jahr zuvor.

Um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen, hatte die Regierung bereits Mitte März recht strenge Ausgangsbeschränkungen erlassen, die zumindest im Grossraum Buenos Aires noch immer gelten. Die harten Restriktionen trafen auch die Wirtschaft, vor allem informell Beschäftigte können seit Monaten nicht ihrer Arbeit nachgehen.

Das wirtschaftlich stark angeschlagene südamerikanische Land steckt seit 2018 in einer Rezession. Die Inflationsrate lag in der zweitgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas im vergangenen Jahr bei 54 Prozent. Das Land leidet unter einem aufgeblähten Staatsapparat, geringer Produktivität der Industrie und einer grossen Schattenwirtschaft, die dem Staat viele Steuereinnahmen entzieht. (awp/mc/pg)

ILO

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