Ukraine: Viele Todesopfer bei Beschuss der Grossstadt Winnyzia

Ukraine: Viele Todesopfer bei Beschuss der Grossstadt Winnyzia

Kiew – Bei russischen Raketenangriffen sind in der Ukraine erneut zahlreiche Zivilisten und Soldaten getötet worden. Im Zentrum der Grossstadt Winnyzja in der Zentralukraine ist Behördenangaben zufolge ein Bürozentrum getroffen worden. 12 Menschen seien ums Leben gekommen, weitere 90 seien verletzt worden, teilte der Vizechef des Präsidentenbüros, Kyrylo Tymoschenko, mit.

Selenskyi spricht von «terroristischem Akt»
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reagierte auf den Raketenangriff umgehend: «Was ist das, wenn nicht ein offener terroristischer Akt?», schrieb er im Nachrichtendienst Telegram. Russland töte jeden Tag Zivilisten. «Unmenschen. Mörderstaat. Terrorstaat», schrieb Selenskyj.

Russland betont seit dem Einmarsch in die Ukraine immer wieder, im Nachbarland nur militärische Ziele anzugreifen. Auch die südukrainische Hafenstadt Mykolajiw wurde in der Nacht erneut mit Raketen beschossen. Von den insgesamt neun Raketen seien etwa ein Hotel und mindestens eine Schule getroffen worden. In einem am Samstag zerstörten Wohnhaus in Tschassiw Jar wurden den Behörden zufolge insgesamt 48 Leichen geborgen.

Ukrainische Armee beschiesst Ziele rund um Cherson
Die ukrainische Armee hat eigenen Angaben zufolge erneut Ziele im von Russlands Truppen besetzten Gebiet Cherson im Süden beschossen. Dem Sprecher der Odessaer Militärverwaltung, Serhij Bratschuk, zufolge wurden in der Stadt Nowa Kachowka zwei Kommandopunkte und ein Landeplatz attackiert.

Das Kommando Süd teilte in der Nacht zum Donnerstag mit, es seien 13 feindliche Soldaten getötet und mehrere gepanzerte Fahrzeuge zerstört worden. Das liess sich zunächst nicht überprüfen. Nach russischen Angaben sind von den 30 Raketen viele abgefangen worden, niemand sei getötet worden. Auch mithilfe westlicher Waffen will die Ukraine Gebiete zurückerobern, die von russischen Soldaten besetzt wurden.

Beratungen über strafrechtliche Verfolgung
Der Chefankläger des Weltstrafgerichtes, Karim Khan, hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, sich für die strafrechtliche Verfolgung von Kriegsverbrechen in der Ukraine stark zu machen. Das Recht dürfe keine zweitrangige Rolle spielen, sagte Khan bei der Eröffnung einer internationalen Konferenz zur Verfolgung von Kriegsverbrechen in der Ukraine am Donnerstag in Den Haag. «Das Recht kann kein Zuschauer sein.»

Mehr als 30 Minister und Ankläger Europas sowie anderer westlicher Staaten beraten in Den Haag über gemeinsame Strategien, Kriegsverbrechen in der Ukraine strafrechtlich zu verfolgen. Die Justiz in der Ukraine ermittelt nach eigenen Angaben zu mehr als 15 000 mutmasslichen Fällen.

EU-Aktionsplan für etwaigen Gas-Notstand
Die deutsche Aussenministerin Annalena Baerbock begrüsst die Vorbereitung eines EU-Aktionsplans für den Fall eines Gas-Notstands in Europa. Es sei «sehr, sehr wichtig und richtig, dass die EU-Kommission hier Vorschläge macht für unterschiedliche Szenarien», sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag in Rostock. «In Zeiten, wo die Unsicherheit grösser ist als zu normalen friedlichen Zeiten, muss man vorbereitet sein.»

Es wird befürchtet, dass Russland seine Gaslieferungen nach Europa weiter drosseln oder sogar kappen könnte und dann nicht mehr genug Gas für private Haushalte und Wirtschaft zur Verfügung stehen könnte. In einem Entwurf wird erwogen, öffentliche Gebäude, Büros und kommerzielle Gebäude ab Herbst nur noch bis maximal 19 Grad zu beheizen.

Ermutigende Zeichen bei Getreide-Export
Der mögliche Kompromiss zu Getreidelieferungen aus der Ukraine stösst bei Hilfsorganisationen auf ein positives Echo. «Es ist ermutigend, dass die Verhandlungen substanzielle Fortschritte machen, denn es hängt so viel davon ab», sagte der Direktor des UN-Welternährungsprogramms in Deutschland, Martin Frick, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Wenn Seewege weiter versperrt blieben, falle ein zentraler Akteur in der globalen Nahrungsmittelversorgung aus. Über Flüsse und Schienen seien im Juni 2,5 Millionen Tonnen Getreide transportiert worden. «Das ist ein bemerkenswerter Erfolg, aber dennoch nur die Hälfte dessen, was die Ukraine in Friedenszeiten monatlich exportiert.» Aktuell warteten 20 Millionen Tonnen Getreide in Silos in der Ukraine auf die Ausfuhr. (awp/mc/pg)

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