US-Inflationsrate erreicht im Juni bei 9,1 Prozent den höchsten Stand seit 40 Jahren

Dollar
(Photo by Frederick Warren on Unsplash)

Washington – In den USA hat sich die Dynamik des Preisanstiegs im Juni weiter verstärkt. Die Inflationsrate stieg auf 9,1 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit über 40 Jahren, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte. Die Teuerung ist so stark wie seit Dezember 1981 nicht mehr. Experten sehen den Höhepunkt der Inflationsdynamik in der grössten Volkswirtschaft der Welt noch nicht erreicht und erwarten weiter steigende Zinsen.

Die Finanzmärkte wurden von der Stärke des Preisschubs überrascht. Analysten hatten zwar mit einem Anstieg der Inflationsrate gerechnet, waren aber im Schnitt nur von 8,8 Prozent ausgegangen. Im Mai hatte die Teuerung bei 8,6 Prozent gelegen.

Auch im Monatsvergleich legten die Preise in den USA stärker als erwartet zu. In dieser Betrachtung meldete das Ministerium für Juni einen Anstieg um 1,3 Prozent, während der Markt nur einen Zuwachs um 1,1 Prozent erwartet hatte.

Weiter steigende Energiepreise
Stärkster Preistreiber bleiben die Kosten für Energie. Hier legten vor allem Kraftstoffe zu. Im Juni sei Benzin um 11,2 Prozent teurer gewesen als im Mai, hiess es weiter in der Mitteilung. Der Anstieg der Preise für Nahrungsmittel viel hingegen im Monatsvergleich mit 1,0 Prozent etwas schwächer aus als der allgemeine Preisanstieg.

Analyst Bernd Krampen von der NordLB wies zudem darauf hin, dass durch gestiegene Immobilienpreise und höhere Einkommen die Mieten weiter nach oben getrieben werden. Seiner Einschätzung nach kann «keinesfalls von einer Wende an der Inflationsfront gesprochen werden».

Der US-Dollar und die Kapitalmarktzinsen in den USA stiegen nach der Veröffentlichung der Preisdaten. Am Devisenmarkt ist der Kurs des Euro im Gegenzug kurzzeitig unter die Marke von einem US-Dollar gefallen. Es ist das erste Mal seit Ende 2002, dass der Euro unter Parität zur US-Währung fällt.

Weitere und deutliche Zinsanhebungen erwartet
Die Reaktion an den Finanzmärkten spricht dafür, dass die Anleger mit weiteren und deutlichen Zinsanhebungen durch die US-Notenbank Fed rechnen. Zuletzt hatte sie die Zinsen um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Bei der nächsten Zinssitzung Ende des Monats wird erneut mit einem grossen Zinsschritt gerechnet.

«Mit halben Massnahmen lässt sich die US-Wirtschaft offenbar nicht ausreichend abkühlen, um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen», sagte Analyst Bernd Weidensteiner von der Commerzbank mit Blick auf die weitere Geldpolitik in den USA. Er geht davon aus, dass die Fed den Leitzins bis Jahresende auf 4,0 Prozent erhöht. (awp/mc/pg)

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