US-Leistungsbilanz-Defizit sinkt überraschend stark

Konjunktur USA

Washington – Das Defizit in der US-Leistungsbilanz ist im zweiten Quartal stärker als erwartet gesunken. Der Fehlbetrag sei von revidiert 133,6 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf 117,4 Milliarden Dollar gefallen, teilte das US-Handelsministerium am Dienstag in Washington mit.

Volkswirte hatten ein Defizit von 125,0 Milliarden Dollar erwartet. Der Fehlbetrag im ersten Vierteljahr war zunächst mit 137,3 Milliarden Dollar angegeben worden.

USA ziehen deutlich mehr Kapital an
Im Juli haben die USA auch wieder deutlich mehr ausländisches Kapital ins Land gelockt. Nach einem Zustrom von korrigiert 15,1 (zunächst 16,7) Milliarden Dollar im Juni lagen die Zuflüsse aktuell bei 73,7 Milliarden Dollar. Das geht aus Zahlen des Finanzministeriums vom Dienstag hervor. Die am Finanzmarkt besonders beachteten langfristigen Zuflüsse erhöhten sich von 9,3 Milliarden Dollar im Juni auf 67,0 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel als Bankvolkswirte erwartet hatten. Die USA benötigen einen regelmässigen Zufluss an ausländischem Kapital, um ihr hohes Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren.

US-Häusermarkt klettert aus dem Keller
Währenddessen scheint der US-Häusermarkt scheint endgültig wiederbelebt: Der NAHB-Hausmarktindex ist im September auf den höchsten Stand seit Juni 2006 geklettert, wie aus Daten der der nationalen Organisation der Wohnungsbauunternehmen (National Association of Homebuilders – NAHB)  hervorgeht. Vor allem die Erwartungen haben sich deutlich verbessert. Die Mehrheit der Häuserbauer ist mit Blick auf die kommenden sechs Monate optimistisch. Die Rückkehr der Kauflaune der Immobilien-Investoren und die massiven Markteingriffe der US-Notenbank Fed könnten die US-Wirtschaft im kommenden Jahr kräftig anschieben, sagen Experten. Die Fed hatte in der vergangenen Woche angekündigt, in grossem Stil Hypothekenanleihen aufzukaufen, um die US-Wirtschaft anzukurbeln.

Der NAHB-Index kletterte im September um drei Punkte auf 40 Zähler. Am Markt war mit einem geringeren Anstieg auf 38 Punkte gerechnet worden. Das Stimmungsbarometer basiert auf einer monatlichen Umfrage unter den Bauunternehmen. Abgefragt werden die aktuelle Lage und die Erwartungen der Branche – beide Komponenten legten deutlich zu. Auf Sechs-Monatssicht verbesserte sich der Ausblick gegenüber dem Vormonat von 43 auf 51 Punkte – ein Wert über 50 Zählern signalisiert, dass die Mehrheit der Häuserbauer mit einem Aufschwung rechnet.

«Beschleunigte Erholung»
«Die Daten sind ermutigend und deuten auf eine beschleunigte Erholung am Häusermarkt hin», kommentierte Experte Joseph LaVorgna von der Deutschen Bank. In Kombination mit dem jüngst gestarteten Hypotheken-Aufkaufprogramm der Fed sollte der Immobiliensektor der US-Wirtschaft 2013 kräftigen Rückenwind geben.

Der Häusermarkt gilt als Auslöser der Finanzmarktkrise, die ab 2007 von den Staaten aus über die Weltwirtschaft hereinbrach, und ist nach wie vor die Achillesferse der US-Wirtschaft. Trotz exorbitanten Stützungsmassnahmen durch Politik und Notenbank war bis vor Kurzem zweifelhaft, ob es gelingt, den Markt wiederzubeleben. Seit den Spitzenzeiten im Jahr 2006 sind die Häuserpreise um mehr als 30 Prozent gefallen. Zuletzt mehrten sich jedoch die Signale für eine dauerhafte Erholung. Mittlerweile wetten sogar einige Grossanleger auf eine Wiederauferstehung, die seinerzeit aggressiv auf den Kollaps spekuliert hatten.  (awp/mc/pg)

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