«Government Shutdown»: US-Firmen schicken erste Mitarbeiter nach Hause

Black Hawk

Unternehmen wie United Technologies und das Tochterunternehmen Sikorsky, welches die Armee mit dem Black Hawk-Hubschrauber beliefert, sind vom «Shutdown» stark betroffen. (Foto: Sikorsky)

Washington – Der Verwaltungsstillstand in den USA hat erste Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Industriekonzern United Technologies erklärte am Mittwoch, schlimmstenfalls mehr als 5.000 seiner Mitarbeiter in Zwangsurlaub schicken zu müssen, wenn der «Government Shutdown» bis zum November anhalte. 2.000 Mitarbeiter würden schon ab Montag nach Hause geschickt, 2.000 weitere wohl im Laufe der Woche. Es ist nur die Spitze des Eisbergs. Auch andere Firmen ächzen.

Nachdem sich die Parteien im US-Kongress nicht auf einen neuen Staatshaushalt hatten einigen können, fährt die Regierung seit Dienstag im Notbetrieb. Alle Beamten, die nicht unbedingt gebraucht werden, sind in unbezahlten Urlaub geschickt worden. Touristen stehen vor geschlossenen Nationalparks und Museen, Bürger vor verschlossenen Behörden, bei Unternehmen können Aufträge nicht erledigt werden.

United Technologies: Produktionsstopp wegen fehlender Inspektoren
Zu United Technologies gehören der Hubschrauberbauer Sikorsky, der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney sowie der Luftfahrtzulieferer UTC Aerospace Systems. Diese beliefern auch das US-Militär, etwa mit dem Kampfhubschrauber Black Hawk. Bei der Fertigung müssten staatliche Inspektoren anwesend sein, erläuterte der Konzern. Die fehlten nun aber wegen die Lahmlegung der Regierungsbehörden. Bestimmte Produktionen müssten deshalb angehalten werden.

Militäraufträge liegen auf Eis
Das «Wall Street Journal» gab in seiner Donnerstagausgabe eine Übersicht über die bisherigen Auswirkungen auf die Wirtschaft: Der britische Luftfahrt- und Rüstungskonzern BAE Systems rechnet demnach damit, dass 10 bis 15 Prozent seiner 34.500 Mitarbeiter in den USA von dem Stillstand in Mitleidenschaft gezogen würden. Der Lkw- und Motorenbauer Navistar erklärte, dass alle neuen Militäraufträge auf Eis lägen und die Bezahlung für erledigte Arbeiten verzögert würde.

Lieferverzögerungen auch bei Boeing und Airbus
Bei anderen Firmen platzten in Einzelfällen Aufträge wegen fehlender Dokumente, andere können ihre Produkte derzeit nicht ausliefern. Dabei sind es längst nicht nur Rüstungsfirmen, die als direkte Lieferanten der Regierung in die Bredouille geraten. Auch bei Boeing und Airbus kommt es laut «Wall Street Journal» zu Lieferverzögerungen für Verkehrsmaschinen, weil Beamte der US-Luftfahrtaufsicht FAA ebenfalls in Zwangsurlaub sind.

Export-Firmen besonders betroffen
US-Unternehmen, die einen hohen Exportanteil haben, trifft es dabei besonders hart. Denn sie können Zollformalitäten nicht erledigen. Superior Products, ein Hersteller von Gasventilen, liefert nach eigenen Angaben zwischen 30 und 40 Prozent seiner Produkte ins Ausland. «Wenn wir wegen unerledigtem Papierkram und Kontrollen beim Export gebremst werden, würde uns das ganz schön wehtun», sagte Manager Greg Gens der Zeitung. «Es würde nicht lange dauern, bis unsere Kunden in Übersee anfingen, sich für ihre Bestellungen nach anderen Leuten umzuschauen.»

Illegale Deals an den Finanzmärkten
Bart Chilton von der US-Finanzaufsicht CFTC fürchtet derweil, dass es durch eingeschränkte Kontrollen an den Finanzmärkten vermehrt zu illegalen Deals kommt. «Das ist geradezu eine Einladung, etwas auszuhecken», sagte er am Donnerstag im Wirtschaftssender Bloomberg TV. Derzeit ist vollkommen unklar, wie lange der Stillstand andauert. Der letzte «Government Shutdown» vor 17 Jahren dauerte fast vier Wochen.

US-Finanzministerium warnt vor katastrophalen Folgen des Etatstreits  
Nach Angaben des US-Finanzministeriums könnte der Etatstreit in der grössten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg enden. Sollte der Kongress nicht die Schuldengrenze für den Staatshaushalt erhöhen und das Land damit in eine Zahlungsunfähigkeit stürzen, seien «katastrophale» Folgen möglich, heisst es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht. Sie könnten sogar schlimmer sein als in der Finanzkrise 2008. «Kreditmärkte könnten einfrieren, der Wert des Dollars könnte taumeln und US-Zinsen könnten in den Himmel schiessen», so das Finanzministerium. Selbst bis zur letzten Minute mit einer Erhöhung zu warten, sei schlecht für die Wirtschaft. (awp/mc/upd/pg)

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