Viele Opfer bei Anschlag in Kabul – 13 US-Soldaten getötet

Viele Opfer bei Anschlag in Kabul – 13 US-Soldaten getötet

Kabul – Bei den Sprengstoffanschlägen in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind zahlreiche Menschen verletzt und getötet worden – darunter nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums auch 13 amerikanische Soldaten. Mehr als 50 Menschen wurden nach Angaben der militant-islamistischen Taliban verletzt. Die genaue Zahl der Anschlagsopfer blieb zunächst offen. Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums haben sich mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe anschliessend das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet, sagte US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando Centcom führt, am Donnerstag in einer Videoschalte mit Journalisten im Pentagon. Zwölf amerikanische Soldaten seien getötet worden, 15 weitere wurden verletzt. Die Evakuierungsmission in Kabul soll dennoch weiter fortgeführt werden. «Wir führen den Auftrag weiter aus», sagte McKenzie. Er geht davon aus, dass noch etwa 1000 US-Amerikaner in Afghanistan sind.

Zahl der Todesopfer könnte deutlich steigen
Auf Videos waren nach dem Anschlag zahlreiche Tote zu sehen; es wurde daher befürchtet, dass die Zahl der Toten und Verletzten noch deutlich steigt. Die BBC berichtete unter Berufung auf einen Offiziellen aus dem Gesundheitswesen bereits von 60 Toten.

Der Sprecher des politischen Büros der Taliban in Doha, Suhail Schahin, erklärte, man verurteile den grausamen Vorfall aufs Schärfste und werde alles unternehmen, um die Schuldigen zur Rechenschaft zu ziehen. Er bestätigte, dass sich zwei Explosionen ereigneten. Eine fand ersten Informationen zufolge an einem der Flughafentore statt, eine weitere bei einem nahe gelegen Hotel.

Der lokale Fernsehsender Tolo-News veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Schubkarren transportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte dem TV-Sender, die Explosion sei sehr stark gewesen. Manche Menschen seien ins Wasser gefallen – an einem Gate ist ein langer Wassergraben – und mehrere ausländische Soldaten seien zu Boden gefallen.

US-Militär rechnet mit weiteren Anschlägen
Die Sicherheitslage rund um den Flughafen hatte sich zuletzt noch einmal deutlich zugespitzt. Die Bundeswehr hatte bereits am Dienstag berichtet, dass zunehmend potenzielle Selbstmordattentäter der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) in Kabul unterwegs seien. Ähnlich hatte sich US-Präsident Joe Biden geäussert. Praktisch täglich versuche ein örtlicher Ableger des IS, den Flughafen anzugreifen, hatte er erklärt. Die Terrormiliz sei auch ein «erklärter Feind» der Taliban. Biden begründete unter anderem mit dieser Terrorgefahr auch sein Festhalten an dem Plan, die US-Truppen bis zum 31. August aus Afghanistan abzuziehen.

Das US-Militär rechnet auch weiter mit Anschlägen. «Wir glauben, es ist ihr Wunsch, diese Angriffe fortzusetzen und wir rechnen damit, dass sich diese Angriffe fortsetzen werden», sagte McKenzie. «Wir tun alles, was wir können, um auf diese Angriffe vorbereitet zu sein.» Dazu gebe es auch Gespräche mit den Taliban, die für die Sicherheit ausserhalb des Flughafens verantwortlich seien.

Tausende wollen noch ausreisen
Tausende Menschen versuchen aus Angst vor der Taliban ins Ausland zu fliehen. Seit mehr als einer Woche versammeln sie sich rund um verschiedene Eingänge des Flughafens, um auf einen Evakuierungsflug zu kommen. Dabei herrschten rund um den Flughafen dramatische Zustände. Der Andrang stieg dabei noch einmal, wie ein Augenzeuge der Deutschen-Presse Agentur berichtete. Die Menschen stünden an einem Tor «so eng aneinander wie Ziegel einer Mauer», es gehe keinen Meter voran.

Nach der Explosion setzten US-Soldaten an einem anderen Flughafentor Tränengas ein, um die Menschen auseinander zu treiben, sagte ein Bewohner Kabuls, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2000 bis 4000 Menschen gewesen, die auf einen Evakuierungsflug ins Ausland warteten. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

USA zur Verlängerung ihres Einsatzes aufgefordert
Einige internationale Partner hatten die USA zu einer Verlängerung des Einsatzes aufgefordert, um noch mehr Zeit für die Evakuierungen zu haben. Der Militäreinsatz ist von den US-Truppen abhängig. Taliban-Kämpfer sollen an ihren Kontrollstellen im Umfeld des Flughafens bereits mehrere Attentäter des IS abgefangen und getötet haben, hiess es aus Militärkreisen.

UNO lädt zu Kristentreffen
Angesichts der chaotischen Situation und angespannten Sicherheitslage in Afghanistan lud UN-Generalsekretär António Guterres die Vetomächte zu einem Krisentreffen ein. Diplomatenkreisen zufolge sollen die Botschafter der USA, Chinas, Russlands, Grossbritanniens und Frankreichs am Montag in New York mit dem UN-Chef zusammenkommen, um sich über die Lage auszutauschen.

Viele Länder stellen Evakuierungen ein
Unter anderem Belgien, Dänemark, Polen und Kanada stellten ebenso wie Deutschland ihre Evakuierungen inzwischen ein, Frankreich plante das für Freitag. Das US-Militär flog binnen 24 Stunden erneut mehr als 13 000 Menschen aus. Nach Angaben des Weissen Hauses flogen die USA und ihre Partner mehr als 95 000 Menschen aus. Auf dem US-Luftwaffenstützpunkt im pfälzischen Ramstein landeten dabei bis Donnerstag mehr als 14 500 Evakuierte.

Unterdessen brechen immer mehr Afghanen in Richtung Pakistan auf. Täglich überquerten mindestens 10 000 Afghanen die Grenze bei Spin Boldak/Chaman, sagte ein Grenzbeamter der dpa. Zuvor seien es an normalen Tagen etwa 4000 gewesen. Die meisten seien auf dem Weg zu Verwandten in Städten und Regionen unweit der Grenze.

Die Balkanländer Albanien und Kosovo erklärten ihre Bereitschaft, insgesamt etwa 6000 Menschen zumindest vorübergehend aufzunehmen. Die EU-Innenminister wollen kommenden Dienstag zur Lage in Afghanistan beraten. Dabei soll es auch um Migrationsbewegungen in Richtung Europa gehen. (awp/mc/pg)

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