Weichen für Piëch-Nachfolge an VW-Aufsichtsratsspitze gestellt

Hans Dieter Pötsch
Hans Dieter Pötsch, Vorstandsvorsitzender Volkswagen AG. (Foto: Scania)

Hans Dieter Pötsch, designierter Vorstandsvorsitzender Volkswagen AG. (Foto: Scania)

Stuttgart / Wolfsburg – An der Spitze des VW-Aufsichtsrates soll auch in Zukunft ein Österreicher stehen. Der bisherige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch soll im November Ferdinand Piëch an der Spitze des Aufsichtsrats von Europas grösstem Autobauer beerben. Das teilten die Porsche-Holding Porsche SE und die Volkswagen AG am Donnerstag in Stuttgart und Wolfsburg mit.

«Präsidium und Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats der Volkswagen AG unterstützen den Vorschlag, Herrn Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Volkswagen AG und zu seinem neuen Vorsitzenden zu wählen», hiess es bei Volkswagen.

Wahl voraussichtlich im November
Der Manager soll im November auf einer ausserordentlichen Hauptversammlung zunächst in den Aufsichtsrat gewählt werden. Das Kontrollgremium will anschliessend Pötsch zum neuen Vorsitzenden bestimmen. «Es wird angestrebt, Hans Dieter Pötsch zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats der Volkswagen AG zu wählen», ergänzte die Porsche-Dachgesellschaft.

Piëch war im Frühjahr nach einem verlorenen Machtkampf mit VW-Chef Martin Winterkorn von der Spitze des Kontrollgremiums zurückgetreten. Auch Piechs Frau Ursula hatte ihren Platz im Gremium aufgegeben. Für das Paar rückten Ferdinand Piëchs Nichten Louise Kiesling und Julia Kuhn-Piëch nach einem Beschluss des Amtsgerichtes Braunschweig in das Kontrollgremium nach. Den Aufsichtsrat führte seither übergangsweise der frühere IG-Metall-Chef Berthold Huber. Während Kuhn-Piëch ihren Posten nun für Pötsch räumen soll, wird sich Kiesling bei der Versammlung im November zur Wahl stellen.

Zustimmung von Politik und Gewerkschaft
Der 64-jährige Pötsch gilt als ausgewiesener Finanzexperte und auch als einer der Architekten der vollständigen Übernahme von Porsche durch den VW-Konzern am 1. August 2012. Er ist zugleich Finanzvorstand der Porsche SE und soll dies auch künftig bleiben.

«Hans Dieter Pötsch verfügt über eine herausragende Expertise in der Automobilwirtschaft und kennt den VW-Konzern in allen Details», sagte der Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Kontrolleur Stephan Weil (SPD) in Hannover. Pötsch böte «überdies Gewähr für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat».

Auch von der Wolfsburger IG-Metall war umgehend Zustimmung zu hören: Pötsch habe sich in den vergangenen Jahren als klarer und weitsichtiger Denker erwiesen, sagte Hartwig Erb, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wolfsburg.

Ablehnung von Fondsmanager
Die Personalie stösst aber nicht nur auf Zustimmung: Wir schätzen Herrn Pötsch als Finanzvorstand sehr, aber wir sind gegen seinen direkten Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrates», sagte Ingo Speich, Fondsmanager bei Union Investment. Ein Aufsichtsratsvorsitzender brauche aber eine kritische Distanz, um Dinge zu hinterfragen.

Audi -Chef Rupert Stadler gehört nach dpa-Informationen zum Kreis der Kandidaten als Nachfolger von Pötsch als VW-Finanzchef. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, es gebe mehrere Kandidaten, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Konzernkreisen.

Erst am Mittwoch war bekanntgeworden, dass Winterkorns Vertrag als Vorstandschef bei Volkswagen bis Ende 2018 verlängert werden soll. Im Frühjahr hatte der inzwischen 68-Jährige ein wochenlanges Machtgerangel mit Piëch überstanden.

Winterkorn war beim einstigen VW-Patriarchen in Ungnade gefallen. «Ich bin auf Distanz zu Winterkorn», war der damalige Chefaufseher im April vom «Spiegel» zitiert worden. Insidern zufolge soll Piëch Winterkorns Ablösung betrieben haben. Doch Winterkorn entschied den Machtkampf am Ende für sich, Piëch und seine Frau Ursula legten ihre Aufsichtsratsposten nieder. (awp/mc/upd/ps)

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