Zalando wächst langamer und schreibt rote Zahlen

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(Foto: Zalando)

Berlin – Der Online-Modehändler Zalando will nach Rückschlägen im dritten Quartal zum Jahresende hin Gas geben. Im vierten Quartal werde der Umsatz wieder um 20 bis 25 Prozent zulegen, kündigte Zalando-Vorstand Rubin Ritter am Dienstag in Berlin an. Das Weihnachtsgeschäft und die Cyber-Woche Ende November sollen die Geschäfte ankurbeln.

Im dritten Quartal musste Zalando ordentlich Federn lassen. Beim Umsatz wuchs Zalando lediglich um 11,7 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, da der heisse Sommer die Nachfrage nach Herbst- und Wintermode schmälerte. In den ersten beiden Quartalen hatte der Konzern jeweils noch um mehr als ein Fünftel zugelegt. Die Börse reagierte enttäuscht. Die im MDax notierte Aktie verlor am Vormittag fast 6 Prozent. Analyst Andreas Riemann von der Commerzbank bezeichnete in einem ersten Kommentar das Umsatzziel für das vierte Quartal als «ziemlich ambitioniert». Seit Jahresbeginn haben Zalando-Papiere rund ein Viertel an Wert eingebüsst.

Rabatte und höhere Kosten für Transport, Service und Logistik
Um die Lager zu räumen, musste Zalando Rabatte gewähren, was auf dem Ergebnis lastete. Hinzu kamen höhere Kosten für Transport, Service und Logistik. Unter dem Strich stand ein Verlust von knapp 42 Millionen Euro. Damit fiel das Minus etwa viermal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Auch operativ lief es schlechter. Bereinigt um Sondereffekte und vor Zinsen und Steuern (Ebit) wies Zalando einen Verlust von rund 39 Millionen Euro aus, nach einem kleinen Gewinn von 0,4 Millionen im Jahr zuvor.

Weniger Geld pro Bestellung
Der Trend zu weniger gut gefüllten Warenkörben setzte sich fort. Zalando gewinnt zwar weiter Kunden hinzu, die auch fleissig bestellen, allerdings geben diese im Schnitt weniger Geld pro Bestellung aus. Um die Zahl der Retouren zu verringern, will der Konzern nun die Grössenempfehlungen verbessern. In Italien will der Konzern zudem eine Mindestbestellsumme einführen, ab welcher der Transport kostenlos ist. In dem Land würden Wettbewerber ebenso verfahren, sagte Ritter. Für andere Länder sei so etwas nicht geplant.

Belastend wirkten sich im dritten Quartal auch interne Patzer aus. So entstanden dem Konzern nach eigener Aussage höhere Kosten durch die ineffizientere Aufbereitung zurückgeschickter Artikel, etwa wenn diese gereinigt oder gebügelt werden müssen. Laut Ritter wurden die Probleme inzwischen behoben.

«Wir sind mit unserem finanziellen Ergebnis im dritten Quartal ganz klar nicht zufrieden», sagte Ritter. «Das ändert nichts an unserem Ziel, unser Geschäft bis 2020 auf 10 Milliarden Euro Bruttowarenvolumen zu verdoppeln.» Der Konzern hatte bereits zweimal in diesem Jahr mit seiner Prognose zurückrudern müssen – zuletzt im September. Für das Geschäftsjahr 2018 erwartet Zalando ein Umsatzwachstum rund um das untere Ende der angestrebten Spanne von 20 bis 25 Prozent. Das operative Ergebnis dürfte von 215 Millionen Euro im Vorjahr auf 150 bis 190 Millionen Euro sinken. 2019 will Zalando den Fokus weiter auf das Umsatzwachstum legen, auch wenn das zu Lasten der Profitabilität geht. (awp/mc/pg)

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