Axel Förster, CEO Rychiger AG im Interview

Axel Förster

Axel Förster, CEO Rychiger AG. (Foto: Rychiger)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Herr Förster, die Rychiger AG ist vom Swiss Venture Club mit dem Prix SVC Espace Mittelland 2015 ausgezeichnet worden. Was bedeutet Ihnen dieser Preis?

Axel Förster: An erster Stelle ist es natürlich eine Riesenfreude für unsere Mitarbeiter und mich. Wir fühlen uns in unserem Weg, den wir in der Vergangenheit gegangen sind, bestätigt. Dann ist es aber auch ein Ansporn, es in der Zukunft genauso gut oder noch besser zu machen.

Viel war bei der Preisvergabe vom speziellen Geist bei der Rychiger AG die Rede. Sie sprachen vom «Rychiger-Virus». Können Sie uns diesen etwas näher erklären?

Er ist hoch ansteckend und die Inkubationszeit ist sehr kurz. Heilung gibt es nicht. Nein, im Ernst, wir haben wie viele andere KMU’s ein besonderes Betriebsklima, das vom Stolz auf das Produkt und dem Wunsch, unsere Kunden zu begeistern, geprägt ist. Für die gemeinsame Sache stehen wir ein, Egoismen gibt es kaum. Es gelingt uns oft, diese Stimmung oder diesen Virus auf unsere Kunden zu übertragen.

Die Rychiger AG gehört zu den weltweit führenden Herstellern von Verpackungsmaschinen. Am bekanntesten sind dabei die Kaffee-Kapseln wie Nespresso, Dolce Gusto oder Tassimo, aber auch Tiernahrungs-Schalen oder sterile Verpackungen für den Healthcare-Bereich. Wie kommen Sie zu Grosskunden wie Nestlé oder Mondelez?

Wir haben vor über 20 Jahren damit angefangen und sind heute der Experte auf diesem Gebiet. Das spricht sich rum. In der langen Zeit haben wir natürlich auch gelernt, mit diesen Firmen umzugehen.

«Wir haben wie viele andere KMU’s ein besonderes Betriebsklima, das vom Stolz auf das Produkt und dem Wunsch, unsere Kunden zu begeistern, geprägt ist.»
Axel Förster, CEO Rychiger AG

Welches sind die wichtigsten Qualitätsmerkmale Ihrer Maschinen für die Herstellung von Aluminium- und Kunststoffverpackungen?

Manche unserer Kunden bringen das mit „very Swiss“ auf den Punkt: Zuverlässig, langlebig, auf höchstem technischen Niveau.

Welche Schlüsselanforderungen werden an Sie von den Produkteherstellern gestellt?

An erster Stelle müssen wir natürlich das Pflichtenheft erfüllen. Auf dem Papier ist das mancher Firma möglich. Was aber entscheidend ist, ist dass es nachher auch funktioniert. Wir bauen Spezialmaschinen auf Bestellung, da kann man nicht mal eben die Produktion auf eine andere Linie verlagern, weil es oft keine gibt. Vertrauen ist also das, was unausgesprochen ganz wichtig ist.

Kaffee- und Tee-Kapseln oder auch Suppen aus der Kapsel sind heute etabliert. Nun soll die Reihe an Kaltgetränken sein: Zuletzt wurde von Plänen von Coca Cola berichtet, ihre Getränke künftig auch in Kapseln anbieten zu wollen, oder auch von Energy Drinks und Fruchtsäften ist die Rede. Lässt sich prinzipiell jedes Getränk in Kapseln verpacken?

Eigentlich ja, es wird ja auch schon fast alles in Kapseln verpackt. Ein Kaffeerahm z.B. ist Prinzip nichts anderes und Cola aus einer Art Kapsel gibt es auch schon lange, z.B. bei Sodastream. Die Frage ist, wo der Mehrwert liegt und ob die Konsumenten das auch annehmen. Bei einer Kaffeekapsel steckt viel Technologie dahinter. Für einen guten Espresso brauchen sie in jedem Fall Technologie, nämlich eine gute Maschine. Die Kapsel garantiert Ihnen die gleichbleibend hohe Qualität. Bei vielen anderen Portionenpackungen ist das nicht so, da steht eher die Convenience im Vordergrund und die verschiedenen Produktformate stehen stärker im Wettbewerb zueinander.

Wie sieht es mit Lebensmitteln aus?

Wenn man etwas extrahieren oder auflösen muss, dann geht das prinzipiell auch.

Seit 2008 ist Rychiger auch im Healthcare-Bereich tätig. Wo liegen in diesem Segment  die grössten Herausforderungen und welche Lösungen aus Ihrem Hause haben sich durchgesetzt?

Unsere Herausforderung liegt darin, dass wir hier noch kein renommierter Player sind, es fehlen uns die Referenzen. Punkten konnten wir aber schon bei der Abfüllung und Verarbeitung von Diagnostika.

Ein Grund, die Rychiger AG auszuzeichnen, war auch die Bereitschaft des Unternehmens, in Innovation zu investieren. Wie lassen sich Ihre Maschinen stetig verbessern?

Die Innovationszyklen sind heute viel kürzer als noch vor 10 Jahren. Wir investieren in die ständige Verbesserung unserer Maschinen. Oft sind das Details für den Aussenstehenden, aber wichtige Dinge für unsere Kunden. In Summe macht das ja unseren technologischen Vorsprung aus. Alle 3-4 Jahre muss dann aber eine neue Plattform her, weil sich die geänderten Anforderungen irgendwann nicht mehr sinnvoll auf der bestehenden Plattform realisieren lassen.

«Es geht nun aber auch darum, dass die Schweiz ihre Standortvorteile nicht aufgibt. Leider habe ich den Eindruck, dass das in den letzten Jahren schleichend passiert, hausgemacht und ohne jede Not.»

Wie stellen Sie diese Innovationskraft heute und in Zukunft sicher?

Nahe am Markt und den Kunden bleiben und die richtigen Mitarbeiter haben.

Die Rychiger AG weist einen Exportanteil von gegen 90 % auf, 65 % der Exporte gehen in den Euroraum. Was bedeutet die Aufhebung des Euro-Mindestkurses für Ihr Unternehmen und wie haben Sie auf den Entscheid reagiert?

Das bedeutet nichts Gutes, recht hohe Buchverluste und die ersten verlorenen Projekte. Wir haben die Wochenarbeitszeit um 5% erhöht und ein Sparprogramm aufgesetzt. Zudem überarbeiten wir unsere Plattformen und werden den Einkaufsanteil in Euro erhöhen. In der Summe müssen wir die Effizienz um 15% steigern. Es geht nun aber auch darum, dass die Schweiz ihre Standortvorteile nicht aufgibt. Leider habe ich den Eindruck, dass das in den letzten Jahren schleichend passiert, hausgemacht und ohne jede Not.

Herr Förster, herzlichen Dank für das Interview.

Zur Person:
CH/D Doppelbürger, gelernter Werkzeugmacher, studierter Dipl. Ing Maschinenbau/Wirtschaftsingenieur. Seit 2001 Geschäftsführer der Rychiger AG, seit 2007 Mehrheitsaktionär. Zuvor bei Nestlé in Vevey und in der Unternehmensberatung in Deutschland tätig.

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