Beat Hess, CEO Sunstar-Holding

Beat Hess

Beat Hess, Geschäftsführer der Sunstar-Holding.

Von Bob Buchheit

Moneycab, Herr Hess, steht mit dem immer noch horrend teuren Franken der Schweizer Hotellerie der härteste Winter aller Zeiten bevor?

Beat Hess: Ich bin kein Prophet, aber wenn wir unseren jetzigen Buchungsstand und die aktuellen Buchungseingänge anschauen, bereitet uns die Situation schon grosse Sorgen. Aber auch Frau Holle müsste schnellstens aktiv werden…

Ausländische Touristen sind im Schweizer Tourismus immer noch der Hauptgeldbringer. Wo läge denn für sie der Wunschkurs des Frankens?

Über 50 Prozent unserer Gäste stammen aus dem Ausland. Deshalb wäre unser Wunschkurs des Frankens natürlich möglichst hoch. Zurückblickend lag er in den wirklich guten Jahren ja stets bei CHF 1.50. Zusätzlich zu der Kurs-Frage spielen aber auch noch andere Faktoren eine Rolle.

«Der Tourismus aus den Schwellenländern hat mit einem Beitrag von einigen Prozenten erst wenig Anteil an den Sunstar Zielgruppen.»
Beat Hess, CEO Sunstar-Holding

Es fällt auf, dass immer mehr Kunden aus den erfolgreichen Schwellenländern in der Schweiz Urlaub machen, während Europäer und Amerikaner rarer werden. Was bietet die Sunstar-Gruppe speziell für die neuen zahlkräftigen Kunden?

Der Tourismus aus den Schwellenländern hat mit einem Beitrag von einigen Prozenten erst wenig Anteil an den Sunstar Zielgruppen. Die Schwellenländer sind zwar im Vormarsch, aber mehrheitlich nicht unbedingt auf 4-Sterne Hotels fokussiert. Die Reicheren unter ihnen buchen im 5-Sterne Segment, die übrigen eher in günstigen 3-Sterne-Hotels. Unser Angebot in den Bergen ist nicht spezifisch auf die Zielgruppen der Schwellenländer ausgerichtet – diese ziehen Städte mit Shopping oder Sehenswürdigkeiten dem Skifahren oder Bergwandern vor. Ein Beispiel dafür sind Inder oder Chinesen, welche für ihren Aufenthalt in der Schweiz meist ein möglichst günstiges Bett suchen – für diese sind wir nicht der richtige Partner.

Die Hotels der Sunstar-Gruppe sind fast alle viersternig und spielen im oberen Preissegment. Sind sie dadurch besonders verwundbar bei allfälligen Konjunktureinbrüchen?

Innerhalb des Viersterne-Segments bieten wir ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Daher sind wir wahrscheinlich etwa gleich anfällig wie die meisten unserer Mitbewerber auch.

Sunstar hat jüngst zwei Hotels im Wallis und zwar in Zermatt und Saas Fee übernommen. Wie werden sich diese entwickeln?

Über Saas-Fee können wir im Moment noch nichts sagen, da der Start in die erste Saison mit der Eröffnung am 2. Dezember 2011 noch bevorsteht. Unser Hotel in Zermatt startet jetzt in seine erste „richtige“ Wintersaison. Somit ist die Entwicklung beider Hotels im Wallis aus heutiger Sicht noch nicht abschliessend beurteilbar.

Im letzten Jahr ging die Bettenbelegungsquote bei Sunstar von 60 auf 57 Prozent zurück. Das ist immer noch rund die Hälfte besser als im Landesdurchschnitt. Wie werden Sie die Belegungsquote wieder steigern können?

Neben verschiedenen intensivierten internen Anstrengungen benötigen wir dafür auch eine Aufhellung des Umfelds.

Sunstar kompensiert den Kohlendioxidausstoss seiner Hotels vollständig. Was bringt Ihnen diese Umwelt-Verpflichtung ausser einem gewissen PR-Effekt?

Die klimaneutralen Ferien sind ein wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Die 100 Prozent- CO2-Kompensation haben wir 2008 eingeführt, weil sie unserer Philosophie und Einstellung entspricht. Es ging überhaupt nicht darum, einen PR-Effekt zu erzielen. Unser Produkt ist abhängig von einer intakten Natur – dazu möchten wir aktiv unseren Teil beitragen. Zu Beginn kostete uns dies rund 1/4 Million CHF. In  den ersten drei Jahren konnten wir den Ausstoss erfreulicherweise bereits um einen Drittel senken und damit natürlich auch die Kompensationszahlungen entsprechend reduzieren. Profitiert haben wir aber auch vom günstigeren Eurokurs, sodass die heutigen Kompensationskosten gegenüber 2008 halbiert sind.

«Die klimaneutralen Ferien sind ein wichtiger Baustein unserer Nachhaltigkeitsstrategie.»

Grindelwald und Davos machen die Hälfte des Sunstar-Umsatzes. Wie gross ist damit für Sie, bei insgesamt 12 Hotels, das Klumpenrisiko?

Rund die Hälfte des Volumens stammt aus diesen beiden Grossbetrieben, entsprechend wichtig sind die beiden. Aber auch unsere kleineren Betriebe ermöglichen gewisse Synergien und reduzieren dadurch das Klumpenrisiko. Schon deshalb ist weiteres Wachstum sinnvoll.

In der Hotellerie ist es sicherlich einfach, gute Führungskräfte zu rekrutieren, oder?

Nein, dies ist nicht unbedingt zutreffend. Es gibt zum Beispiel meist eine grössere Auswahl an Direktoren. Die Herausforderung liegt jedoch darin, zum richtigen Zeitpunkt die richtige Person zu finden, die zu uns passt. Der Markt für Fachkräfte, aktuell beispielsweise derjenige der Gouvernanten,  ist zudem häufig Schwankungen unterworfen, was die Rekrutierung nicht immer einfach macht, insbesondere wenn Sie sich noch an einheimische Bewerber richten wollen.

Was halten Sie speziell vom Schweizer Führungsnachwuchs im Gastgewerbe?

Es ist erfreulich, dass es interessierte und fähige einheimische Fachkräfte gibt. Unser Ziel ist, noch stärker an diese Nachwuchskräfte zu gelangen und sie noch mehr zu fördern. Auch auf diesem Gebiet hilft uns ein immer grösseres Sortiment an Betrieben.

Sunstar-Aktien notieren nur noch etwa zum  Nennwert von 1000 Franken. Durch die Dividendenkürzung ergibt sich nur noch eine Bruttorendite von einem Prozent, (wenn man einmal den Hotelgutschein von 30 Franken, der weiteren 3 Prozent entsprechen würde, ausser Acht lässt). Weshalb sollte ein Anleger Sunstar-Aktien kaufen?

Die Sunstar-Aktien sind primär für Klein- und Kleinstaktionäre attraktiv. Beim Partizipieren geht es wohl nicht in erster Linie um die Bardividende, sondern eher um die Sympathie zum Unternehmen und dessen Philosophie und allenfalls um die umfangreichen Vergünstigungen.

Die Besitz- und Machtverhältnisse sind bei Sunstar ebenfalls klar. Von Fritz Buser ging das  Zepter auf Peter Grogg über. Wen von beiden sehen Sie häufiger in den Hotels?

Beide kommen gerne in unsere Hotels. Während Peter Grogg meist auf einen Apéro oder einen Kurzaufenthalt vorbeischaut, geniesst die Familie Buser doch eher längere Ferien-aufenthalte.

Zur Person:
Beat Hess (lic. oek. HSG, geb. 1960)  ist als Geschäftsführer seit 1998 für die gesamte Sunstar Gruppe verantwortlich inklusive aller Hotels, der Holding und des Ferienclubs Privilège. Von 1987 bis  1997 war er in leitenden Funktionen bei der Hapimag Gruppe, Baar, davon die letzten fünf Jahre als geschäftsführender Direktor. Beat Hess ist Verwaltungsrat und Besitzer der Tourcons AG, Rothenburg, welche zu 25 % am Aktienkapital der Ferienclub Privilège AG beteiligt ist

Zum Unternehmen:
Die 1969 gegründete und an der SIX Swiss Exchange kotierte Sunstar-Holding AG mit Sitz in Liestal/BL besitzt und betreibt heute neun Sunstar Ferienhotels überwiegend im 4-Sterne-Segment in den Schweizer Bergen (Arosa, Davos (2), Flims, Klosters, Lenzerheide, Grindelwald, Wengen und Zermatt) mit insgesamt 1’765 Betten (bzw. ab Dezember 2011 ebenfalls in Saas-Fee mit weiteren 88 Betten und ab Dezember 2013 auch in Pontresina mit zusätzlichen 120 Betten). Als weltweit erste Hotelgruppe garantiert Sunstar seit 2008 klimaneutrale Ferien in allen Betrieben.


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