Bruno Cathomen, CEO Mikron Gruppe

Bruno Cathomen
Bruno Cathomen, CEO Mikron.

Bruno Cathomen, CEO Mikron Gruppe.

Von Bob Buchheit.

Moneycab: Herr Cathomen, im letzten Jahr konnte Mikron den Umsatz um 16 Prozent steigern. Fällt jetzt die 200 Millionen-Umsatzgrenze nachhaltig?

Bruno Cathomen: Wir von Mikron glauben daran, ja. Wie Sie korrekt erwähnen, konnte der Umsatz trotz der unvorteilhaften Währungsentwicklungen erhöht werden. Auch im zweiten Halbjahr sind wir diesbezüglich zufrieden. In unseren Plänen gehen wir davon aus, dass wir dieses Niveau halten und steigern können. Allerdings sind und bleiben wir in einem zyklischen, exportorientierten Geschäft.

Natürlich werden Sie bei der jetzigen wirtschaftlichen Grosswetterlage vorsichtig in die Zukunft blicken. Aber sind Sie nicht bei einer Eigenkapitalquote von 67,7% gut gewappnet?

Der Ausblick in die Zukunft ist in der Tat schwierig. Wir erhalten diesbezüglich sehr unterschiedliche Signale, je nach dem in welchen Branchen und Regionen sich unsere Kunden bewegen. Bei vielen laufen die Geschäfte nach wie vor hervorragend. Unsere hohe Eigenkapitalquote ist wichtig, gibt sie doch die Sicherheit, dass Mikron ein langfristig solider Partner ist, der auch schwierige Zeiten durchstehen wird.

«Grundsätzlich bewegen wir uns in nachhaltigen Wachstumsmärkten, in unseren Spezialgebieten sind wir Weltmarktführer, und wir treffen praktisch nie auf direkte Konkurrenten aus Billiglohnländern.»
Bruno Cathomen, CEO Mikron Gruppe

Sie sind jetzt seit gut einem Jahr CEO eines Unternehmens, das eine lange, lange Durststrecke hinter sich hat. Wie lautet Ihre persönliche Zwischenbilanz?

Ich bin seit gut 2 Jahren bei Mikron, aber erst seit Oktober 2011 als CEO für die Gruppe verantwortlich. Ich habe mir nie viel Zeit genommen in die weiter weg liegende Vergangenheit zu blicken, sondern den Fokus auf die Zukunft gesetzt. Die 2 Jahre als COO der Division Machining waren ausserordentlich intensiv und anspruchsvoll für alle Mitarbeitenden. Die Mikron ist gestärkt aus der Krise von 2008/2009 hervorgegangen und konnte in neuen Märkten Fuss fassen. Sicherlich haben wir in beiden Divisionen noch Potenzial, um Prozesse und Produkte zu optimieren, bestehende und neue Märkte zu bearbeiten und um das Know-how unserer Mitarbeitenden den gestiegenen Anforderungen anzupassen.

Treffen Sie noch häufig den ehemaligen Mikron-Prädsidenten, Bundesrat Schneider-Ammann?

Leider nein. In der Phase der Umstrukturierung im Tessin im Jahr 2009 haben wir uns regelmässig abgesprochen. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat mich persönlich und Mikron in seiner Funktion als VR-Präsident in dieser Zeit sehr unterstützt. Der Einsatz hat sich gelohnt und ich bin ihm für die Unterstützung ausserordentlich dankbar.

Mikron hat einen hohen Wertschöpfungsanteil in der Schweiz. Was bedeutet die Schweizer Franken-Stärke?

Der starke Schweizerfranken stellt eine grosse Herausforderung dar. Zum Glück sind nicht alle unsere Produkte gleich stark betroffen. Wir bewegen uns zudem in Nischenmärkten, wo vor allem höchste Produktivität und Zuverlässigkeit der gelieferten Anlagen sowie technische Kompetenz und Teamwork unserer Mitarbeiter zählen. Trotzdem ist die Frankensärke auch für uns ein Konkurrenznachteil und bedeutet Margen- und Umsatzeinbussen die wir über Produktivitätssteigerungen und Innovation kompensieren müssen.

Kann es erneut zu einer Durststrecke für Mikron kommen? Welchen Plan B haben Sie für den Fall, dass plötzlich wieder alle wie im 2008 ihre Investitionen in neue Maschinen zurückstellen?

Eine Rezession oder eine grössere Krise ist leider nicht auszuschliessen. Strategisch setzten wir auf den Ausbau der weniger zyklischen Service- und Werkzeuggeschäfte und auf eine breitere Abstützung auf verschiedene Regionen und Märkte. Momentan haben wir in verschiedenen Bereichen einen guten bis sehr guten Arbeitsvorrat, und ein relevanter Teil unserer Kapazitäten ist heute bis zu einem gewissen Grad flexibel.

In den letzten besonders verflixten sieben Jahren gab es für Mikron nur gerade ein einziges Mal ein zweistelliges EBIT und das bei einer Marge von nur 4.4 Prozent. Auch jetzt haben sie es gerade knapp über die 4 Prozent-Hürde geschafft. Ist das Geschäftsmodell von Mikron vielleicht einfach zu anspruchsvoll?

Die Anforderungen an unsere Mitarbeitenden und Führungskräfte sind in der Tat sehr hoch. Wir bewegen uns mit den beiden Divisionen global in technologischen Nischen, wo wir jeweils für sehr unterschiedliche Kunden individuelle, komplexe, innovative und höchst produktive Fertigungs- und Automatisierungslösungen entwickeln und bauen. Wir bewegen uns zur Steigerung des Kundennutzens häufig an der Grenze des technisch machbaren. Die globale Verteilung unserer Kunden, die Zyklizität des Geschäftes und die technischen Herausforderungen einzelner Projekte bergen Risiken.

Das klingt reichlich riskant…

Der Fokus auf ausgewählte Nischen bietet aber auch viele Chancen. Grundsätzlich bewegen wir uns in nachhaltigen Wachstumsmärkten, in unseren Spezialgebieten sind wir Weltmarktführer und wir treffen praktisch nie auf direkte Konkurrenten aus Billiglohnländern. Wenn es uns gelingt mit Projektrisiken besser umzugehen und wenn uns der Schweizerfranken keinen Strich durch die Rechnung macht wie dieses Jahr, dann sind Margen über den von Ihnen erwähnten 4.4% sicherlich  erreichbar. Diesen Wert nachhaltig zu übertreffen ist sicherlich auch unser  Ziel.

Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat mich persönlich und Mikron in seiner Funktion als VR-Präsident in dieser Zeit sehr unterstützt.

Wie anspruchsvoll sind Sie bezüglich Ihres Personals?

Von unseren Mitarbeitenden erwarte ich neben Loyalität, Kunden- und Zielorientierung, Teamwork und Einsatzbereitschaft je nach Einsatzgebiet vor allem hervorragende technische Kompetenz, Erfahrung, Sprachkenntnisse und Reisebereitschaft. Zum Glück haben wir bei Mikron viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diesen Ansprüchen gerecht werden. Wir legen viel Wert auf die Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Kompetenzen.

Finden Sie in der Schweiz ausreichend Führungsnachwuchs?

Leider nur mit grosser Mühe. Wie bereits erwähnt benötigen wir häufig technisch erfahrene, exzellente Ingenieure und Fachkräfte, welche bereit sind echte und volle Verantwortung für komplexe Projekte und technisches Personal zu übernehmen. Zudem sind die sprachlichen Anforderungen hoch. Es werden in der Schweiz generell zu wenige Ingenieure ausgebildet, welche dann auch in der Maschinenindustrie  Arbeit suchen. In der Westschweiz ist die Nachfrage nach Fachkräften sehr gross, was auch für Mikron die Ausgangslage schwierig macht. Viele Tessiner Ingenieure verbleiben nach ihrem Studium leider in der Deutschschweiz Aus diesem Grunde sind viele unserer Führungspositionen vor allem im Tessin mit Ausländern besetzt.

Wie rekrutieren Sie am liebsten?

Wir benutzen alle üblichen Rekrutierungskanäle. Persönliche Kontakte spielen häufig ebenfalls eine wichtige Rolle und sind eine der zuverlässigsten Quelle gute Führungskräfte und Mitarbeitende zu finden.

Im Krisenjahr 2003 hat Mikron gerade nochmal die Kurve gekriegt. Haben Sie gar keine Angst, dass sich die Geschichte wiederholen könnte?

Angst ist ein schlechter Berater. In unserer Branche müssen wir leider mit Einbrüchen rechnen, weshalb wir Kapazitätsausbauten auch sehr vorsichtig angehen. Ich habe Vertrauen in unser Führungsteam, unsere Mitarbeitenden und unsere Investoren, dass wir bei einem nächsten gravierenden Abschwung entsprechend rasch reagieren werden und wie in diesem Jahr auch vom Aufschwung profitieren können.

Der Börsenkurs liegt mit knapp über 6 Franken  auf tiefstem Niveau. Welche Botschaft haben Sie für die langjährigen Aktionäre, die Mikron treu geblieben sind?

Ich möchte im Namen von Mikron allen Investoren für die Treue danken. Das stabile Aktionariat war vor allem in den Krisenjahren sehr wichtig und gibt unseren Mitarbeitenden und Kunden auch heute vertrauen. Wir werden alles daran setzen die Ertragskraft von Mikron zu steigern und wir haben auch bereits erste gute Zwischenresultate erreicht. Der Aktienkurs widerspiegelt meines Erachtens diese Fortschritte nicht angemessen.

Zum Unternehmen
Die Mikron Gruppe ist ein weltweit tätiger, führender Anbiter von Fertigungs- und Automatisierungslösungen. Hauptmärkte sind die Automobilzulieferindustrie, die Pharma- und Medizinalindustrie, die Schreibgeräteindustrie, die Elektronik- sowie die Uhrenindustrie. Umfassende Serviceleistungen runden das Leistungsangebot von Mikron ab. Operativ besteht die Mikron Gruppe aus den Divisionen Mikron Machining und Mikron Automation. Die Gruppe beschäftigt knapp tausend Mitarbeitende, den grössten Teil davon an den beiden Hauptstandorten Agno (Schweiz) und Boudry (Schweiz). Weitere Produktionsstandorte befinden sich in Rottweil (Deutschland), Denver und Monroe (USA), Singapur und Shanghai (China).

Zur Person
Bruno Cathomen übernahm per 1. Oktober 2011 die operative Führung der Mikron Gruppe als CEO, zusätzlich zu seiner Funktion als Leiter der Division Mikron Machining. Er arbeitet bei der Mikron Gruppe seit dem Jahr 2009. Von 2001 bis 2009 war er bei der Firma Elcoteq Network Corporation; von 2001 bis 2004 als Geschäftsführer in Deutschland, von 2002 bis 2004 als Director Operations Industrial Electronics Europe und von 2003 bis 2009 als Vize-Präsident Communications Networks. Von 1994 bis 2001 arbeitete Cathomen in verschiedenen Führungsfunktionen beim Technologiekonzern ABB, wo er zuletzt für das strategische Outsourcing der Elektronik-Produktion in der Schweiz zuständig war.

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