Christian Redl, Extremsportler

Christian Redl, Extremsportler

Christian Redl, Extremsportler, mehrfacher Weltmeister im Freitauchen.

Von Helmuth Fuchs

Moneycab: Herr Redl, wie kommt jemand, der früher auch schon in der Finanzwelt gearbeitet hat, auf die Idee, seinen Lebensunterhalt als Profi-Freitaucher zu bestreiten?

Christian Redl: Ich tauche seit meinem 16. Lebensjahr frei und hatte damals schon den Traum, Profi-Freitaucher zu werden. Ich hab dann immer neben meinem Beruf bei Weltmeisterschaften und anderen Wettkämpfen teilgenommen und auch in dieser Zeit schon Weltrekorde aufgestellt. Aber es wurde alles immer aufwändiger, ich musste mehr und mehr Zeit investieren und irgendwann kam der Punkt, wo ich nicht mehr beides zu 100 Prozent schaffen konnte. Deshalb habe ich mit 30 Jahren beschlossen, meinen Traum vom Profi-Freitaucher zu verwirklichen.

«Man erhofft sich, den Hochalpinismus sicherer zu machen und die Bergsteiger besser vorzubereiten. Noch immer sterben sehr viele Menschen beim Versuch, den Mt. Everest zu bezwingen.» Christian Redl, Extremsportler, Profi-Freitaucher

Sie haben am 22. Januar auf der „Boot“ in Düsseldorf angekündigt, dass Sie zusammen mit Robert Kriz in den Gokyo-Seen, die auf einer Höhe zwischen 4‘700 und 5‘160 Metern über Meer liegen, tauchen werden. Was ist der Sinn und Hintergrund des Projektes, welche Erkenntnisse sollen bei diesen Tauchgängen gewonnen werden?

Hierbei geht es nicht um Rekorde oder ähnliches. Wir wollen einfach sehen, wie der menschliche Körper auf diese Situationen reagiert und was man mit gezieltem Training erreichen kann. Beim Freitauchen passiert genau das Gegenteil vom Bergsteigen. Wir werden mit Herrn Dr. Heiko Renner von der Universitätsklinik in Graz zusammenarbeiten. Er wird verschiedene Tests durchführen, so auch in Druckkammern, um zu sehen, ob wir überhaupt in der Lage sind, auf solch extremen Höhen Tauchgänge durchzuführen und wie wir uns darauf vorbereiten müssen.

Man erhofft sich, den Hochalpinismus sicherer zu machen und die Bergsteiger besser vorzubereiten. Noch immer sterben sehr viele Menschen beim Versuch, den Mt. Everest zu bezwingen.

Sie arbeiten unter anderen eng mit dem Tauchartikel-Hersteller Mares zusammen. Welchen Einfluss werden die in diesem Projekt gewonnen Erkenntnisse auf das Freizeittauchen haben?

Wir werden speziell für das Gerätetauchen in Bergseen Forschung betreiben und hoffen so, auch auf diesem Gebiet mehr Sicherheit zu bekommen, zum Beispiel bei Tauchcomputern. Ebenso spielt die Temperatur eine grosse Rolle. Auf dieser Höhe wird es sehr kalt und die höchsten Seen werden zugefroren sein. Das heisst, der Körper wird auch mit diesem Faktor stark belastet. Deshalb trage ich auch spezielle Massanzüge.

«Die Grenze ist nicht nur meine eigene, sondern auch die meiner Sicherungstaucher. Bevor ich ihr Leben gefährde, verzichte ich auf einen Rekord.»

Die Gokyo-Seen sind sowohl den Hindus als auch den Buddhisten heilig. Wird durch Ihr Projekt nicht eine weitere heilige Stätte kommerzialisiert und danach von Nachahmern überflutet, wie dies am nahe gelegenen Mount Everest schon beobachtet werden kann?

Wir arbeiten mit der Universität von Katmandu zusammen. Die Universität hat von 2008 bis 2011 in diesem Gebiet Forschungen unternommen. Es handelt sich bei den Gokyo-Seen um das höchste Süsswasserreservoir der Welt. Noch nie ist jemand in diesen Seen getaucht – wir werden die Ersten sein. Wir respektieren den Glauben und gehen das Projekt mit Respekt und Vorsicht an. Ausserdem bin ich davon überzeugt, dass es hier kaum Nachahmer geben wird. Alleine die Vorbereitung ist enorm. Viele können sich auf dieser Höhe kaum vernünftig bewegen, geschweige denn einen Tauchgang planen oder durchführen.

Freitauchen kommt nebst en spektakulären Rekorden immer wieder auch durch tragische Todesfälle in die Schlagzeilen. Wo setzen Sie sich Grenzen, welche Rekorde möchten Sie noch realisieren?

Die Rekorde sind mir nicht so wichtig, für mich zählt mehr der Weg zu einem Rekord. Es reicht oft, wenn es ein spezieller Tauchgang ist, wie zum Beispiel beim Gokyo-Projekt. Die Grenze ist nicht nur meine eigene, sondern auch die meiner Sicherungstaucher. Bevor ich ihr Leben gefährde, verzichte ich auf einen Rekord. Ich selbst habe noch ein paar Ideen, welche ich noch gerne realisieren möchte.

Der im Juli 2011 verstorbene Freitaucher Patrick Musimu, der erste Mensch, der die 200-Meter Grenze mit einem einzigen Atemzug erreichte, hat sich zum Beispiel die Nasenhöhlen vor einem Tiefentauchgang mit Wasser gefüllt, damit der Druck erträglich blieb. Welche Kniffe wenden Sie an, um die Tauchtiefe und Tauchlänge zu erweitern?

Ich selbst versuche eher, mich im mentalen Bereich zu pushen, deshalb die Tauchgänge unter Eis oder in Höhlen. Für mich ist dieser Bereich wichtiger, als der Körperliche. Ich hab einfach Spass im Wasser und versuche immer wieder etwas tiefer und länger zu bleiben. Ich strebe aber keine dieser extremen Tiefen an.

Sie führen auch normale Freizeittaucher in das Thema Freitauchen ein und wetten, dass jedermann seine Zeit, die er mit einem Atemzug unter Wasser sein kann, innerhalb eines Tages verdoppelt. Wie oft haben Sie die Wette schon verloren und worin liegt das Geheimnis für die Verdoppelung der Unterwasserzeiten bei Amateuren?

Eigentlich fast nie. Wir haben das richtige Atmen und durch die richtigen Techniken verlernt. Das erneute Erlernen, kombiniert mit etwas Mentaltraining und es ist kein Problem, seine Unterwasserzeit zu verdoppeln.

Offenbar sind neben den körperlichen Voraussetzungen die mentalen Fähigkeiten beim Freitauchen mit entscheidend. Was muss jemand mitbringen, um wie Sie, Weltrekorde im Freitauchen zu realisieren und wie sieht Ihr Trainingsalltag aus?

Also ich bin der Überzeugung, dass 90% der Leistung im Kopf passiert. Das heisst, man muss mental in guter Verfassung sein. Ich habe viel durch meine Rekorde und auch durch meinen Freund Felix Baumgartner, den BASE-Jumper aus Österreich, gelernt. Die Voraussetzungen sind je nach Rekordversuch etwas unterschiedlich, aber man kann davon ausgehen, dass das Training ungefähr sechs Monate dauert. Am Anfang ist es nur im Ausdauerbereich und gegen Ende werden die Wassereinheiten intensiviert.

Teilweise nehmen die Rekordversuche im Freitauchen schon fast selbstmörderische Züge an, da das Risiko in zunehmender Tiefe exponentiell steigt. Kommt Ihnen da bei Ihrem Beruf nicht die Genuss-Dimension abhanden?

Ich bin ja nicht nur Profi-Freitaucher und lebe nicht nur von meinen Rekorden. Das wäre mir zu eindimensional. Ich schreibe zusätzlich Bücher, unterrichte das Freitauchen und halte Vorträge für Unternehmen und ich reise sehr viel. Somit ist mein Beruf sehr vielseitig und macht extrem viel Spass. Deshalb tauche ich immer noch mit viel Vergnügen und Genuss.

«Ich selbst versuche eher, mich im mentalen Bereich zu pushen, deshalb die Tauchgänge unter Eis oder in Höhlen.»

Freitaucher perfektionieren das Atmen und die Bewegung, um sich im Wasser mit möglichst geringer Anstrengung fortzubewegen. Wären das nicht auch Qualitäten, die zu Beginn jeder Ausbildung auch bei den Freizeit- und Sporttauchern vermittelt werden müssten, zum Beispiel in PADI (Professional Association of Diving Instructors) Lehrgängen?

Daran arbeite ich seit Jahren und ich denke, dass es langsam durchdringt. Sehr viele Verbände nehmen sich dem Thema an und setzen teilweise in ersten Schritten die Erkenntnisse um. Durch das Freitauchen wird ja auch die Sicherheit beim Gerätetauchen erhöht. Der Luftverbrauch sinkt automatisch und der Spassfaktor nimmt auch zu.

Zum Schluss des Gespräches haben Sie zwei Wünsche frei. Wie sehen diese aus?

Das ist ganz einfach: Erstens wünsche ich mir, dass meine Träume und Visionen nie aufhören und zweitens, dass ich diese auch realisieren kann.

Der Gesprächspartner:
Christian Redl, geboren am 21. April 1976,
Nationalität: Österreicher, Berufe: Freitaucher, Stuntman, Schauspieler, Model, Moderator, Vortragender

Highlights:

2011
Projekt Iceman: Weltrekord 61 m Tieftauchen unter Eis (Variabel), Kärnten
Küstenwache (Schauspieler)

2010
Projekt 100: Weltrekord 100 m Streckentauchen unter Eis, Kärnten
Buch: «Grenzbereiche meistern durch mentale Stärke – Sicher tauchen»

2009
Projekt Arctic 2.0: Weltrekord 93 m Streckentauchen unter Eis, Kärnten
Buch: «Freitauchen – Schwerelos in die Tiefe»

2008
Projekt The Pit: Weltrekord 71 m Tieftauchen in einer Höhle, Mexiko

2007
Projekt Angelita: Weltrekord 60 m Tieftauchen in einer Höhle, Mexiko
Eishockey unter Eis-Weltmeisterschaft, Kärnten

2006
Buch: «Freitauchen – Meine Welt in Bildern»
Projekt C.A.V.E: Weltrekord über 101 m in einer Höhle, Mexiko
SOKO Donau (Schauspieler)

2003
Operation Triton (Österreichischer No Limit Rekord 55m)
Projekt ARCTIC: Weltrekord Streckentauchen unter Eis 90 m mit Flossen und 150 m mit Scooter, Kärnten

2001
3. Weltmeisterschaft im Freitauchen Ibiza/Spanien

1999
Medicopter 117 (Stuntman)
2. Weltmeisterschaft im Freitauchen Sardinien/Italien (Österreichischer Statik Rekord 4’50»)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.