Ernst Uhler, CEO Energie Zürichsee Linth AG, im Interview

Ernst Uhler
Ernst Uhler, CEO Energie Zürichsee Linth AG. (Foto: zvg)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Uhler, die Energie Zürichsee Linth AG vertreibt viel Erdgas. Wie ist die Liefersituation?

Ernst Uhler: Die Märkte sind aktuell genügend liquid, so wird Europa auch mit Gas aus Russland gut beliefert. Die Beschaffungspreise sind jedoch sehr volatil und hoch, was einen vernünftigen Einkauf erschwert. Wir hoffen die Situation möge sich bald wieder ein wenig entspannen.

Führt der Ukrainekrieg zu einem Switch Richtung Biogas? Im Moment liegt bei Ihnen ja das Umsatzverhältnis bei 3 zu 1 für Erdgas…

Ja, die Anfragen insbesondere für Biogas aus der Schweiz sind sprunghaft angestiegen. Wir sind in einige Produktionsprojekte involviert. Wir wollen das Portfolio zeitnah sukzessive auszubauen. Ebenfalls beschaffen wir auch Zertifikate aus dem nahen Ausland.

«Die Anfragen insbesondere für Biogas aus der Schweiz sind sprunghaft angestiegen.»
Ernst Uhler, CEO Energie Zürichsee Linth AG

In Ihrem Einzugsgebiet Schwyz, St. Gallen, Glarus wird fleissig mit umweltschonenden Gas-Fahrzeugen gefahren. Dank der Tankstellen, welche die Energie Zürichsee Linth (EZL) beliefert. Wie viele hat es – Stand heute?

Die Nachfrage ist im Geschäftsjahr 2021 um 25 Prozent gestiegen. Auch in den ersten sechs Monaten des aktuellen Geschäftsjahres konnten wir den Absatz erneut um 10% erhöhen. Die Treibstoffabgabe erfolgt über neun Abgabestellen. Erfreulich – aufgrund der hohen Treibstoffpreise steigt die Nachfrage nach Gas CNG, Compressed Natural Gas.

Im letzten Geschäftsjahr (beendet im September 2021) stieg der Energieabsatz auf rekordhohe 609 GWh. Ich bin wahrscheinlich kein Hellseher, wenn ich für das Geschäftsjahr 2021/2022 einen niedrigeren Absatz und einen höheren Erlös vorhersage?

Nach den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres liegen wir minimal (Index 98.5 Punkte) unter dem Vorjahr. Der April ist aber wärmer wie im 2021 ausgefallen. Der Erlös wird infolge des deutlichen höheren Preisniveaus zweifellos steigen.

Worauf waren die höheren Abschreibungen auf die Sachanlagen im letzten Jahr im Detail zurückzuführen?

In Anlehnung an die vorgegebenen Klimaziele des Bundes, Netto-Null Emissionen bis zum Jahr 2050, haben wir entschieden, das bestehende Asset «Gasnetz» von bisher 50 auf neu 20 Jahre abzuschreiben. Daraus resultiert, dass die Abschreibungen um über 700’000 Franken oder plus 40% auf insgesamt 2,5 Millionen angestiegen sind.

«In Anlehnung an die vorgegebenen Klimaziele des Bundes, Netto-Null Emissionen bis zum Jahr 2050, haben wir entschieden, das bestehende Asset «Gasnetz» von bisher 50 auf neu 20 Jahre abzuschreiben.»

Wie wird sich die EBIT-Marge, die ja letztes Jahr einen kleinen Knick bekam, entwickeln?

Kurz- und mittelfristiges Ziel wird es sein, ein absolutes EBIT über 5 Millionen, analog den Vorjahren wieder zu erreichen. In Prozenten ausgedrückt zu den Vorjahren eher tiefer, da die Energiebeschaffungskosten sich in nie dagewesenen Rekordhöhen bewegen.

Die EZL-Aktie ist günstig bewertet, mit einem Kurs/Umsatzverhältnis knapp über eins und einer Dividendenrendite von rund dreieinhalb Prozent. Letztes Mal wurde die Dividende trotz geringerem Reingewinn um 5 Franken erhöht. Wie wird die Ausschüttungspolitik in den nächsten Jahren ausschauen?

Wir sind mit der Entwicklung des Aktienwertes sehr zufrieden. Mit den vielen Investitionen im Wärmegeschäft, unserer Transformation, sehen wir zur Zeit nur begrenzten Spielraum für weitere Erhöhungen. Vorrangiges Ziel ist auch bei der Dividende eine Kontinuität gegenüber dem Aktionär.

«Wir sind mit der Entwicklung des Aktienwertes sehr zufrieden.»

70 Prozent der Aktien halten die Stadt Rapperswil und die Anlagestiftung der Crédit Suisse. Welches sind darüber hinaus die Aktionäre ausserhalb des Einzugsgebietes?

Wir verspüren in den letzten Monaten ein stärkeres Interesse von Vorsorgeeinrichtungen für ein Engagement in EZL-Aktien. Aktuell haben wir ein sehr breites Aktionariat mit über 800 Aktionären.

Für die nächsten Jahre planen Sie viel Interessantes. So zum Beispiel das Projekt Seerose. Hier soll die Wärme aus dem Obersee für das Heizen von Gebäuden verwendet werden. Wie viele Privathaushalte wollen Sie erreichen?

Im aktuell definierten Versorgungsperimeter befinden sich rund 200 Liegenschaften. Mit der zur Verfügung stehenden Leistung sollen circa 4’000 Wohnungen mit Wärme oder Kälte beliefert werden. Unter den Liegenschaften befinden sich auch Schulen und Einkaufszentren wie kleinere Gewerbebetriebe.

Wie läuft’s bei Power-to-Gas?

Unsere Beteiligung bei der Limeco in Dietikon hat den Betrieb aufgenommen und nimmt Fahrt auf. Es wird für die Schweiz ein wichtiger Startschuss sein. Nach langem Zögern hat auch unser Staat die Wichtigkeit der Speicherung von Strom in einem chemischen Energieträger erkannt. Noch hinken wir bei diesen Projekten den Aktivitäten in der EU deutlich hinterher.

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