Frankie Ng, CEO SGS, im Interview

Frankie Ng
SGS-CEO Frankie Ng. (Foto: SGS)

von Robert Jakob

Moneycab.com: Monsieur Ng, mit 88’000 Mitarbeitenden ist die Société Générale de Surveillance eine der grössten Firmen der Schweiz. Trotzdem ist sie beim Volk wenig bekannt. Ist das eher Vor- oder Nachteil?

Franke Ng: Sie haben Recht. Wir sind wenig bekannt in der Schweiz. Das hat zwei Hauptgründe. Zum einen beschäftigen wir in der Schweiz nur gerade 400 Personen, obschon wir den Hauptsitz hier haben. Zum anderen sind wir im Business-to-Business tätig. Unsere Kunden sind Firmen oder Regierungen, keine individuellen Kunden oder Bürger. Aber die Dinge entwickeln sich: Unsere Aktivitäten verlagern sich immer mehr ins Internet und daraus ergibt sich jetzt ein völlig neuer Marktauftritt.

Akquiriert die SGS aktiv Kunden oder kommen diese eher von selbst?

Natürlich sind wir aktiv. Aber ich kann Ihnen auch verraten, dass unser Markenname und unsere Erfahrung uns einen grossen Teil der Kunden zuführen.

Die Warenprüfung von primären Rohstoffen macht 44 Prozent Ihres Umsatzes. Glauben Sie, dass der Wind dort gedreht hat, und die Preise und damit die Gewinne, allen voran beim Erdöl, steigen werden?

Mit den 44 Prozent meinen Sie unser Engagement im Energiesektor, also all unsere Dienstleistungen für die Öl- und Gasindustrie und die Minen. Nicht zu vergessen unsere Aktivitäten rund um die Produktions- und Verteilungsinfrastruktur bis hin zu den Windrädern. Ich denke wir haben den Tiefpunkt bei den Minen hinter uns. Beim Erdöl wäre ich da vorsichtiger. Dort ist das Problem nicht unbedingt der Preis, sondern die Überproduktion.

Weil sie nicht mehr verteilt, sondern nur gelagert wird?

Genau.

Im Moment leidet vor allem die Landwirtschaft. Die Preise sind im Keller. Wirkt sich das sehr negativ auf ihr Geschäft aus?

Es stimmt, das Geschäft läuft eher verhalten. Aber anfangs Jahr haben wir unsere Landwirtschaftsaktivitäten mit unseren Aktivitäten im Nahrungsmittelsektor zusammengelegt, darin eingeschlossen die Gesundheitsbranche. Dadurch haben wir ein grosses Kompetenzzentrum für Ernährung gebildet. Davon versprechen wir uns deutliche Wachstumsimpulse.

«Ich wollte, ich hätte die Macht, die Preise festzusetzen!»
Frankie Ng, CEO SGS

Sie sehen aber auch mögliche Zukäufe. Und zwar in einer Grössenordnung von 100 bis 400 Millionen. In welchem Ihrer neun Geschäftssegmente?

Im bereits erwähnten Segment Ernährung, aber auch im Transport, wo unsere Aktivitäten rund ums Auto und Flugzeug, später auch Zug und Marine zusammengefasst werden. Selbstredend werden wir gar kein Segment ausschliessen. Wir werden ganz einfach dort zukaufen, wo es Sinn macht.

Als Weltmarkführer haben Sie eine Preisfestsetzungsmacht. Gibt es eine Domaine, wo die staatlichen Autoritäten versuchen, die Preise zu kontrollieren?

Ich wollte, ich hätte die Macht, die Preise festzusetzen! Aber wir sind in einem Wettbewerbssystem, wo nur die Qualität und der Wert der Dienstleitung den Preis rechtfertigen, was wiederum unsere Kunden, die Gesellschaften, Individuen und Regierungen sehr gut verstehen.

Genau wie bei Nestlé hat die niedrigere Prognose fürs organische Wachstum auch bei der SGS zum Sturz des Aktienkurses geführt. Muss man mit einem so stabilen und diversifizierten Unternehmen wie der SGS etwas mehr Nachsicht haben?

Keine Nachsicht, aber vielleicht etwas Geduld…

«Wir sind das grösste Labornetzwerk der Welt.»

Die Société Générale de Surveillance besitzt viele Analyselabors. Wie schützen Sie sich vor allfälligen Haftpflichtklagen?

Wir haben in der Tat viele Labors. Wir sind das grösste Labornetzwerk der Welt. Der beste Schutz ist Ausbildung, Erfahrung und Ethik.

Gibt es eine Art Rückversicherung wie bei den Versicherern?

Ja, wir versichern uns ebenfalls.

Obschon sie einige Filialen in Südafrika verkauft haben, sehen Sie generell ein Afrika riesiges Potenzial. Ist der Kontinent nicht viel zu gefährlich sowohl für ihr Personal als auch für das Geschäft generell?

Wir haben unsere Aktivitäten im Bereich «test de fumées » – industrielle Abgasanalyse – veräussert, aber das wird nichts an der Entwicklung unseres Geschäfts in Südafrika ändern, wo wir ja weiter präsent bleiben und unsere Dienstleistungen anbieten. Es handelt sich also lediglich um eine Optimierung der Marktbearbeitung. Afrika mit seinen 9000 Mitarbeitenden hat heute das stärkste Wachstum innerhalb unserer Gruppe.

Zur Person:
Frankie Ng, geboren 1966, ist chinesischer und Schweizer Staatsbürger. Er kam 1994 als Management-Praktikant zur SGS. Davor arbeitete er für kurze Zeit bei Sodeco S.A. als Ingenieur für Qualitätssicherung. Frankie Ng studierte das Ingenieurwesen in Genf und hat einen Abschluss in Wirtschaft und Ökonometrie der Universität von Essex in England. Bei der Société Générale de Surveillance erbeitete er zunächst als SCTS Operations Manager in China und als Division Manager für SGS-CSTC Standards Technical Services. In 2000 wurde er Managing Director für die US Consumer Testing Services, im März 2015 CEO der gesamten SGS.

Zum Unternehmen:
Die SGS mit Sitz in Genf ist ein 1878 gegründeter weltweit tätiger Schweizer Warenprüfkonzern. Die traditionsreiche Société Générale de Surveillance bietet Dienstleistungen in den Bereichen Prüfen, Verifizieren, physikalisches Testen und Zertifizieren an. Sie ist der grösste Prüfkonzern der Welt mit mehr als 1800 Niederlassungen und Labors.

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