Jeannette Morath, Gründerin und Geschäftsleiterin reCIRCLE, im Interview

Jeannette Morath
Jeannette Morath, Gründerin und Geschäftsleiterin reCIRCLE. (Foto: Franziska Rothenbühler I Tamedia)

von Patrick Gunti

Moneycab.com: Frau Morath, nach verschiedenen Auszeichnungen ist reCIRCLE Anfang September auch am SEF als bestes Jungunternehmen geehrt worden. Herzliche Gratulation dazu. Was bedeuten die Auszeichnungen für reCIRCLE?

Jeannette Morath: Es ist wie ein Ritterschlag! Kreislaufsysteme sind in der Wirtschaft angekommen.

reCIRCLE entwickelt innovative Mehrwegverpackungen für die Gastronomie. Sie haben das Unternehmen 2015 gegründet. Wie kam es dazu?

Es war ein logischer nächster Schritt, nachdem immer mehr Gemeinden Einweggeschirr bei Veranstaltungen gesetzlich verboten haben. Das Prinzip ist das gleiche, man gibt der Verpackung einen Wert und stellt so sicher, dass sie genutzt wird und zurück kommt.

„Es ist wie ein Ritterschlag! Kreislaufsysteme sind in der Wirtschaft angekommen.“
Jeannette Morath, Gründerin und Geschäftsleiterin reCIRCLE

Wie funktioniert das Netzwerksystem?

Unsere Kunden sind die Gastrobetriebe. Diese schliessen sich dem reCIRCLE-Netzwerk an und können unsere Produkte bestellen. Sie offerieren ihren Gästen die reCIRCLE BOXen, meist neben der Einwegverpackung. Die Gäste können die reCIRCLE BOXen bei allen Partnerbetrieben umtauschen oder zurückgeben. Eine BOX kostet 10 Franken und wird bei Rückgabe vollständig rückerstattet.

Wie viele Betriebe sind dem Netzwerk mittlerweile angeschlossen? Und wie viele Boxen sind täglich in Gebrauch?

Derzeit sind es rund 1400 Betriebe. Rund 50’000 Gäste nutzen die Boxen täglich.

Die Materialsuche für die Fertigung des Mehrweggeschirrs war sehr aufwändig. Letztlich haben Sie sich für Polybutylenterephthalat mit einem Zusatz von 30 % Glasfaser entschieden. Was zeichnet das Material aus?

Das Material ist hochwertig und frei von hormonaktiven Stoffen. Durch die Glasfaser bleibt das Essen länger warm, die Box verkratzt weniger schnell und sie trocknet auch schneller als herkömmlicher oder billiger Plastik.

(Foto: reCIRCLE)

Kann es komplett recycliert werden?

Theoretisch ja, wir warten allerdings noch auf die Freigabe des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen. Wir würden die Zulassung für Nahrungsmittelkontakt verlieren. Um mit recycletem Material Essen einzupacken, braucht es eine spezielle Bewilligung.

Die Mehrwegboxen sind allesamt in der Farbe Aubergine gehalten. Auch hier steckt einer längerer Prozess dahinter, als man denkt… Wieso Aubergine?

Wir haben die Farbe mittels lymbischem System bestimmt. Wir wurden dabei von Verpackungs-Marketing Experten der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL unterstützt. Die Farbe musste zusätzlich zu allen Essensfarben passen und für Männer und Frauen akzeptabel sein… (lacht)

Sie haben Boxen in fünf verschiedenen Grössen im Angebot, ebenfalls Gabel und Löffel und einen Cup für den Coffee-to-go. Wie sieht es mit der Entwicklung weiterer Produkte aus?

Wir sind an einem innovativen, doppelwandigen, isolierenden Becher; einem schliessbaren, hygienischen Trinkdeckel und arbeiten an einer Lösung für Pizza.

„Wir hatten starke Einbussen wegen Corona, auch heute noch.“

Die Coronakrise war und ist für viele Startups existenzbedrohend. Konnte reCIRCLE von der höheren Nachfrage nach Takeway-Angeboten profitieren oder überwogen die Einbussen wegen der Restaurant-Schliessungen während des Lockdowns?

Wir hatten starke Einbussen wegen Corona, auch heute noch. Monatlich gehen 10-20 unserer Partner-Takeaways zu. Wir hatten während dem Lockdown zwar einige neue Restaurants, die sich mit Takeaway über Wasser gehalten haben, doch die sind mittlerweile wieder zu ihrem Kerngeschäft zurückgekehrt. Es war definitiv auch nicht die Zeit, was neues anzufangen. Wir merken jetzt, dass wieder viel mehr Interesse da ist.

Wie sieht es mit Plänen aus, das System über die Landesgrenzen hinaus auszudehnen?

Wir haben letzte Woche den ersten Franchisepartner-Vertrag mit Deutschland unterschrieben. Wir glauben, dass ein europaweites Netzwerk mehr Sichtbarkeit bekommt, die Verhaltensveränderung vorwärts treibt und es den Kunden leicht macht, sich für Mehrweg zu entscheiden.

Frau Morath, besten Dank für das Interview.

(Foto: reCIRCLE)

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