Marc Ziegler, CEO Auto AG, im Interview

Marc Ziegler
Marc Ziegler, CEO der Auto AG Group. (Foto: Auto AG)

von Bob Buchheit

Moneycab.com: Herr Ziegler, die Billetteinnahmen im öffentlichen Verkehr werden auch 2021 für Ihre Firma nicht auf das ursprüngliche Niveau von 2019 zurückkehren. Ab wann rechnen Sie da mit «business as usual»?

Marc Ziegler: Das ist schwierig zu sagen. Bis wir im öffentlichen Verkehr wieder auf das Niveau 2019 zurückkehren, wird es meiner Ansicht nach noch eine ganze Weile dauern. Home-Office und das veränderte Mobilitätsverhalten werden nach der Pandemie weiterhin eine gewisse Auswirkung haben. Je nach Prognose wird die Rückkehr auf das Niveau 2019 zwischen 2023 und 2025 erwartet. Ob das so eintreffen wird, muss sich zeigen.

Wahrscheinlich sind Sie jetzt sehr froh, in Bereichen wie Nutzfahrzeugvermietung Akzente gesetzt zu haben?

Die Langzeit-Vermietung ist ein interessantes Geschäftsfeld. Im 2020 half uns allerdings primär das gute Resultat in den Werkstätten, unsere Ziele zu erreichen. Auch der Verkauf schloss bei uns mit einem Minus von lediglich 7,9 Prozent zum Vorjahr im Vergleich zum Gesamtmarkt recht gut ab.

«Im 2020 half uns primär das gute Resultat in den Werkstätten, unsere Ziele zu erreichen.»
Marc Ziegler, CEO Auto AG

Hatten Sie im Camperservice deutlich mehr Aufträge?

Der Camperservice läuft, wie auch schon in den Vorjahren, gut. Zweifelsohne sind Camper im Trend. Die gefahrenen Kilometer wurden jedoch eher weniger.

Immerhin konnte im 2020 das Eigenkapital weiter gesteigert werden, und es verblieb ein kleiner Reingewinn. Der Materialaufwand fiel letztes Geschäftsjahr um zwei Millionen. Worauf war das zurückzuführen?

Der Materialaufwand hängt bei uns natürlich sehr stark mit dem Fahrzeugverkauf zusammen. Wenn wir weniger Fahrzeuge verkaufen sinkt auch der Materialaufwand erheblich.

Die sonstigen Erträge fielen letztes Jahr um rund eine Million. Was versteckt sich dahinter?

Die sonstigen Erträge sanken lediglich aufgrund von Umgliederungen in der Erfolgsrechnung. Gewisse Erträge, die in den sonstigen Erträgen gezeigt wurden, werden neu direkt in den entsprechenden Sparten gezeigt. Es gab nichts, was irgendwie weggefallen ist.

Die Auto AG hält aktuell Liegenschaften an fünf Standorten mit einem Wert von weit über 50 Millionen Franken. Sind Sie mittlerweile eine Immobilienholding?

Nein, das sind wir nicht, auch wenn die Immobilien in der Bilanz natürlich einen wesentlichen Teil ausmachen. Die meisten Immobilien werden aber immer noch für betriebliche Zwecke genutzt.

Dennoch: Mit welchen Mieterträgen rechnen Sie in Zukunft?

Ab 2023 ist aufgrund der Fertigstellung des A2 Gewerbeparks im Herbst 2022 natürlich mit steigenden Mieteinnahmen zu rechnen. Das ist selbstverständlich ein willkommener Beitrag an unser Geschäftsergebnis.

«Für grössere Reichweiten ist der Wasserstoff aktuell natürlich im Vorteil.»

Bereits rollen auf Schweizer Strassen 46 Wasserstoff-LKW. Sind sie stärker im Kommen als Elektro-Lastkraftwagen?

Die Wasserstoff-LKW sind ja auch Elektro-Lastwagen. Der Strom kommt einfach nicht nur aus der Batterie, sondern aus der Brennstoffzelle. Die Brennstoffzellenfahrzeuge haben den Vorteil der grösseren Reichweite und der schnelleren Betankung als die batteriebetriebenen Elektro-Lastwagen. Ich denke es gibt für beide Anwendungen einen Markt. Nicht jeder Lastwagen muss zwingend mehr als 400 km täglich zurücklegen können. Für weitere Reichweiten ist der Wasserstoff aktuell natürlich im Vorteil. Wenn man nur kurze Distanzen zurücklegt, ist der bessere Wirkungsgrad der Batterie allenfalls ein Vorteil.

Wie profitiert die Auto AG davon?

Wir haben uns als «der» Partner für Nutzfahrzeuge mit alternativen Antrieben positioniert. Davon profitieren unsere Werkstatt sowie der Verkauf, indem man uns die nötige Fachkompetenz mittlerweile attestiert und die Kunden uns in diesem Bereich viel Vertrauen schenken.

Bei den Wasserstoff-LKW sind sie exklusiver Partner von Hyundai. Wird es keine anderen Marken geben?

Das wird die Zukunft zeigen. Iveco ist in der Partnerschaft mit Nikola auch an der Entwicklung von Wasserstoff-Lastwagen. Auch andere Marken werden mit H2-Fahrzeugen kommen. In diesem Markt wird sich in den kommenden fünf Jahren noch Einiges bewegen. Wir sind bereit dafür.

«Bezüglich Erweiterung des Marktgebiets laufen verschiedene Gespräche.»

Die Auto AG strebt eine schweizweite Marktpräsenz an. Wann kommt die Romandie dran?

Bezüglich Erweiterung des Marktgebiets laufen verschiedene Gespräche. Hier einen konkreten Zeitplan vorzulegen wäre vermessen. Die Expansion wird nicht um jeden Preis erfolgen, sondern dann vorgenommen werden, wenn sich die richtige Gelegenheit ergibt.


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